Okay, einfach einmal die merkwürdigen Zeichnungen ignorieren und ebenfalls den komischen Break überhören. Dann ist es einer der besten Songs des Jahres 2006. Eine klasse Mischung aus Jingle-Jangle und Rock-änd-rrrroll. Bei den mehrstimmigen Passagen im Chorus hört man dann noch ganz klar heraus, was die Band früher einmal für Musik gemacht hat. Außerdem bemerkenswert: die Tonfolge mit der der Gesang in den Strophen beginnt, scheint eine ganz übliche Vertonungsvariante für Automobilsongs zu sein. Arcade Fire’s Keep the Car Running fängt natürlich fast genauso an.
Ach ja, live gibt’s das auch, aber leider nur in miserabler Qualität:
In der soziologischen Theoriebildung ist Vertrauen schon seit langem ein Dauerbrenner (z.B. in der Variante von Vertrauen als sozialem und ökonomischem “Schmierstoff”). Aber auch die Popkultur hat sich diesem Thema immer wieder angenähert. Die definitive Erklärung des wichtigen Begriffs der Vertrauensinflation hat meines Wissens Andy Kaufman in seinem Stück “I trusted you” geliefert. Hier der Auftritt in der TV-Show “The Midnight Special“:
J. Tyler Helms hat es wieder getan. Nach dem brillianten Fanvideo für “My Body is a Cage” von Arcade Fire, mit dem er sogar Bruce Springsteen schwer beeindruckte (mich wiederum beeindruckt die Vorstellung eines Springsteen, der Youtube-Videos anguckt), hat er sich jetzt an einen der neuen Radiohead-Songs (”All I Need“) gewagt:
“Jemand sehr nettes und großzügiges” hat fragmente die Aufnahme eines neuen Songs von The Cure zur Verfügung gestellt. Der Song den sehr Cure-igen Titel “A Boy I Never Knew” und lässt sich als traurige, monoton-expressive Midtemponummer bezeichnen - was über einen Cure-Song wohl nicht besonders viel aussagt. Aber immerhin wird Robert Smith persönlich mit der Bemerkung zitiert, es handle sich hier um einen der depressivsten Lieder, die er je geschrieben hat. Wer den Text nachlesen will, kann das bei Gone With My Wind tun, hier eine kurze Kostprobe:
I’d love to watch him dream, love to see him sleep
To have his arms around me, feel him as he breathes
Hold his hands in mine, sense his perfect trust
I’d give all I ever had for a moment of his love
Das Stück wurde anscheinend bereits für die letzte Platte “The Cure” (2004) aufgenommen, hat es aber nicht mehr auf das Album geschafft. Daneben gibt es auch noch einen Videomitschnitt davon (mit enttäuschender Tonqualität):
Am Dienstag hat David Gahan (Depeche Mode) im New Yorker Apple Store ein paar Lieder aus seiner neuen CD “Kingdom” präsentiert (hier gibt’s ein paar Fotos dazu). Die Setlist für den Abend sah so aus:
Saw Something
Kingdom
Deeper And Deeper
Use You
Endless
A Little Lie
Miracles
Da das Ganze in einem Apfelladen stattgefunden hat, darf man wohl davon ausgehen, dass dieses Konzert früher oder später auch auf iTunes verfügbar sein wird. Damit kann sich Gahan aber Zeit lassen, denn zunächst will schließlich das am Montag veröffentlichte Album “Kingdom” sorgfältig durchgehört werden. Zum Beispiel der Titeltrack:
Eine der spannendsten Filmkritiken hat Uwe Nettelbeck mit “Titanic Revisited” verfasst. Der ganze Text richtet die Aufmerksamkeit nur auf die Rolle der Hände in dem Film. Wer den Text einmal durchgelesen hat, kann sich Titanic nie mehr ansehen, ohne auf krumme Hände, gerade Hände, junge Hände, alte Hände, flehende Hände, helfende Hände, liebende Hände usw. zu achten. Etwas ähnliches könnte passieren, wenn man mit den “fünfzig besten Brüsten der Filmgeschichte” in “dieser Serie” (gedacht als Beitrag zum National Breast Cancer Awareness Month) durch ist. Von Mae West, mit der die weiblichen Kurven auf die Leinwand kamen, über Jane Mansfields “beeindruckendes 40D-Profil” bis zu “Double Agent 73″ Chesty Morgan.
(Abbildung: Hans von Aachen, “Allegorie von Friede, Kunst und Reichtum”, 1602, Detail, Quelle: http://www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH)
Ein paar Karten vollschreiben und der sympathische Herr mit der Wuschelfrisur hält sie zu einer musikalischen Begleitung in die Kamera. Bob Dylan (und natürlich die Designer von Ten4) haben verstanden, wie man eine nette, gemütliche virale Kampagne startet. Respekt. (via)
Eines der Probleme mit dem Read/Write-Web a.k.a. Web 2.0 ist, dass es keine ausgefeilten Schreibberechtigungen gibt: jeder darf seine Erzeugnisse hochladen. Dann kommt auch schon einmal ein Video heraus wie diese detaillierte fast vierminütige Analyse von Britney Spears’ Tanzschritten auf den MTV Video Music Awards, die hieb- und stichfest beweisen will, dass ein gebrochener Absatz der Grund ihrer schlechten Show gewesen war (via). Und dann gibt es im Web 2.0 auch noch Leute wie mich, die sich so einen Schmarrn von Anfang bis Ende ansehen.
Ganz gleich ob Math-Rock oder Prog-Groove, dieser Clip zu der neuen Single “Tonto” der Battles überzeugt mich. So muss Musik von Außerirdischen klingen, die von dem langen Hyperraumflug noch völlig spacelagged sind und trotzdem auf die Bühne müssen. (via)
Ziemlich genial, dieses Video (via) von Adam Neustadter zum Song “Oh My God” der Chicagoer Rockband Office (mehr Musik hier). Diese hier noch kaum bekannte Band bringt zwar bereits seit 2000 Alben heraus, wird aber am 25. September ihre erstes Album bei einem “richtigen” Label (James Ihas Scratchie Records) veröffentlichen. Mir sind kaum schönere Darstellungen der ewigen Affinität von Pop- und Pornbusiness bekannt:
Hier nun der zweite Teil des Hiphop-Doppels, das an dieser Stelle begonnen hatte. Nach dem misslungenen Werk von 50 Cent geht es jetzt um Kanye Wests drittes Studioalbum “Graduation”, das, um es schon einmal vorweg zu sagen, rundum überzeugt. In diesem Album schafft es West, wirklich weirde Einflüsse zu einer ganz eigenen Art von Hiphop - “zwischen cool und progressiv” - zu formen, die vermutlich in den nächsten Jahren Schule machen wird. Die verarbeiteten Samples reichen dabei von Daft Punks “Harder, Better, Faster, Stronger” über “Long Red” von Mountain und “Kid Charlemagne” von Steely Dan bis hin zu “Sing Swan Song” aus dem Werk der deutschen Krautrocker Can. Diese Breite und Virtuosität zu überbieten, dürfte schwerfallen.
Der erste Song “Good Morning” ist mit seiner ultrapoppigen Melodieführung und Harmonik der perfekte Opener und legt den Grundstein für eine ganze musikalische Welt. Der Track wird dominiert von der schmachtenden, an die Beach Boys erinnernden Gesangslinie, die aus Elton Johns “Someone Saved My Life Tonight” entliehen wurde. Während sie bei Elton John ein kurzes Zwischenspiel darstellt, klingt sie bei West ambivalenter. Nicht mehr reine Essenz von Fröhlichkeit, sondern ein Ausflug in Dur-Harmoniken in einem ansonsten in Moll gehaltenen Track.
Der Text ist ein weiteres wundervolles Beispiel für die Selbstreflexivität von Kanye West. Diese Haltung ist eine der zentralen Ursachen dafür, dass zwischen ihm und 50 Cent Welten liegen. Viele mögen Wests Musterschüler- oder Strebereinstellung nicht. Immer wieder hat er zu öffentlichen Anlässen gezeigt, wie ehrgeizig er ist und wie schnell er frustriert ist, wenn er einmal nicht auf dem ersten Platz steht. Ich erinnere nur an die spektakuläre Aktion, mit der er auf der MTV Europe Music Awards-Feier gegen die Preisvergabe an Justice und Simian protestierte. Das Schöne an Wests Musik ist jedoch, dass er immer wieder offen und selbstkritisch, aber mit einem ausgeprägten Gespür für humoristische Distanz auf seine Fehler eingeht. Gerade in der Welt des Hiphop, die sich schon längst an die übertriebenen Aggrobiographien der Gangsta-Selbstdarsteller gewöhnt hat, überrascht diese ambivalente Haltung: “Kanye West is following his own awkward path to super-stardom; his “ego” may get the attention, but he’s laughing all the way to the bank” (popmatters).
Wenn Hiphop das CNN der Black Community ist, könnte man Kanye West als den Blogger der Black Community bezeichnen. Und weil’s so viel über Kanye West aussagt, hier noch einmal das alternative Video von Zach Galifianakis und Will Oldham zu “Can’t Tell Me Nothing”:
Auf den Tag genau vor zwei Jahren gewann Ang Lee mit “Brokeback Mountain” in Venedig den Goldenen Löwen. Der Film führte einem Millionenpublikum die jahrelang verdrängte Wahrheit vor Augen, dass das Genre seit seiner Anfangszeit in seiner zum Klischee geronnenen hypervirilen Frontierstereophonie (Pat Garrett und Billy the Kid, Ethan Edwards und Martin Pawley oder Benjamin Trane und Joe Erin, um nur willkürlich drei Pärchen herauszugreifen) immer (mehr oder weniger deutlich erkennbare) queere Spuren aufweist. Folgerichtig sieht man diese Spuren auch dort, wo es um die last frontier geht:
Hmm, vielleicht doch zu billig und blöd, dieses Video. Deshalb hier lieber noch einmal der Originaltrailer: