Eine der schönsten Hypothesen der Geschichtswissenschaft ist die Erklärung der Entstehung der Schriftlichkeit aus dem Geist der Unterhose. Diese These, zum ersten Mal von Lucien Febvre und Henri-Jean Martin in “L’apparition du livre” beschrieben, dann von James Burke in der vierten Episode von “Connections” (1978) und aktuell wieder von dem niederländischen Historiker Marco Mostert aus Utrecht. Vereinfacht geht es darum, dass mit der Verstädterung und dem zunehmenden Gebrauch von Unterwäsche aus Leinen auch entsprechend viele zerschlissene Leinenreste verfügbar waren, die eine billige Alternative zum Pergament darstellten. Je mehr Unterhosen, desto mehr Bücher. Dass mit der Unterwäsche auch neue Möglichkeiten des Entkleidens möglich wurden, spielt bei Febvre, Burke und Mostert keine große Rolle, aber bei Pulp, die diesem Thema ein ganzes Lied gewidmet haben:
Der britische Aktionskünstler Genesis P-Orridge (bürgerlich: Neil Andrew Megson) hat nun mit seinem subversiven Voice-Dub-Experiment Thee Majesty (zusammen mit Bryin Dall) eine neue Platte (”Vitruvian Pan“) veröffentlicht. Ein paar (leider viel zu kurze) Ausschnitte können auf Brainwashed angehört werden.
Ein recht informativer Beitrag über die modernen Masteringpraktiken im Popgeschäft hat heute den Weg in den SPON gefunden. Der Artikel bezieht sich wiederum auf einen Guardian-Beitrag von Anfang des Jahres, der unter anderem eine Liste von absichtlich überlaut gemasterten Alben aufführt, sowie einen Artikel aus der gestrigen Times, in dem auch eine aktuelle Kampagne gegen das exzessive Peak-Limiting (”‘Peak limiting’ squeezes the sound range to one level, removing the peaks and troughs that would normally separate a quieter verse from a pumping chorus”) erwähnt wird. Zitiert wird auch Geoff Emerick, der als Tontechniker am Sgt.-Pepper-Album der Beatles mitgemischt hat mit den Worten: “A lot of what is released today is basically a scrunched-up mess. Whole layers of sound are missing”. Gemeint sind nicht nur die Lärmbrüder Oasis, sondern auch die Arctic Monkeys. Verstärkt wird das ganze durch Kompressionsverfahren wie die mp3-Technologie. Herr Attali, bitte übernehmen Sie.
Ich bin immer wieder sprachlos, wenn ich mir vergegenwärtige, dass die Editors sich erst im Jahr 2003 gegründet haben und wir momentan auf ihr zweites (ihr ZWEITES!) Album warten. Es kommt mir einfach so vor, als wären sie schon ewig dabei, so satt und sicher klingen ihre Songs. Aber jetzt wird es langsam wirklich ernst, die Tage bis zu “An End Has A Start” kann man langsam an Händen und Füßen abzählen. Auf der Myspace-Seite der Band kann man nun die erste Single der Platte anhören: “Smokers Outside The Hospital Doors”. Ein Video gibt’s da leider nicht dazu, deshalb an dieser Stelle “Munich”:
Okay, hier muss ich mich korrigieren (danke, Peter), denn es gibt natürlich auch ein Video zu dieser Single. Wahrscheinlich habe ich unbewusst nur einen Grund gesucht, das wundervolle “Munich” noch einmal zu featuren. Aber hier ist die neue Single:
Dann können wir damit eine Menge Spaß haben. Für den Anfang hier ein paar Blogs nicht nur prominenter, sondern auch interessanter Personen aus dem Musikuniversum: Peter Hook (New Order), Robert Fripp (King Crimson-Legende), David Byrne (Talking Heads), Bob Mould (Hüsker Dü, Sugar, bloggt auch über Knut).
spricht Ulf Schönert im Stern. Genauer: von den 20 Millionen Nutzern des Internetradios-und-Hitparadengenerators last.fm. Und in einem kurzen Satz lässt sich dann auch das Prinzip des Web2.0 veranschaulichen
Wer zum Beispiel bei Metallica “Lieben” klickt und bei Bee Gees “Bannen”, bekommt mehr Hard Rock und weniger Schnulz.
Der Guardian macht sich Gedanken über die poetische Qualität der Poptexte. Die Leser dürfen ihren Favoriten wählen. Unter den Top 10 gehören Absurditäten (”Slowly walking down the hall / Faster than a cannonball” hat wirklich etwas von “Dunkel wars, der Mond schien helle”) und Gewollt-Nachdenkliches (”And where there used to be some shops / Is where the snipers sometimes hide”) ebenso wie identische Reime (”Generals gathered in their masses / Just like witches at black masses”) und gut klingender Nonsense (”High and high in the sky”).
Ab in die Popakademie, Nachwuchsklasse “Texten für Anfänger”? Oder doch eher: Texte sind auch nur ein Instrument und müssen vor allem zum Song passen?
Intro vermeldet, dass sich New Order möglicherweise vielleicht jetzt doch aufgelöst haben könnten, wenn an dem Gerücht etwas dran sein sollte. Einen Abschiedskuss ist das jedenfalls schon mal wert:
Aus den angelsächsischen Landen, der Heimat der Listenfanatiker aller Couleur, kommt nun die Liste der 50 größten Indie-Hymnen aller Zeiten. Also keine gewöhnliche Liste der besten Indie-Songs. Nein, Hymnen sollen es schon sein. Zu diesen Lieder feiern also die Indieaner ihre Gottesdienste, die Texte entstammen ihren heiligen Schriften. Zu diesen Liedern erheben sie sich, die Hand aufs Herz, bereit ihren Feinden ins Auge zu sehen. Klingt nach bullshit? Ist es auch. Hier trotzdem die Top 10:
Oasis - Live Forever
Nirvana - Smells Like Teen Spirit
Pulp - Common People
The Smiths - There Is A Light That Never Goes Out
The Libertines - Don’t Look Back Into The Sun
The Libertines - Time For Heroes
The Smiths - How Soon Is Now?
The Stone Roses - I Am The Resurrection
The Strokes - Last Nite
Arctic Monkeys - I Bet You Look Good On The Dancefloor
Und danach kommen noch jede Menge Oasis, Smiths, Libertines und Stone Roses.
Als Zuckerl hier die Nummer eins in einer Version aus der frühen Jugend der Gallaghers:
Ach herrje, man hätte es ja kommen sehen, aber wie immer will man es nicht wahrhaben. Jetzt ist es passiert: Nach dem Ausstieg von Dan Fisher ist jetzt Schluss mit The Cooper Temple Clause. Also dann: Let’s Kill The Cooper Temple Clause! Long live The Cooper Temple Clause!
Die großartige Punkband The Boys zitiert in Sway (Quien sera), der auch auf ihrem 1978′er Debut ist, den Acapulco-Sound. Leider gibt’s von dieser Band kaum Videos auf YouTube. Wo ist First Time? Oder der Klassiker Brickfield Nights?
Nachdem Jesus and Mary Chain von Blanco y Negro unter Vertrag genommen wurden, veröffentlichten sie zwei Singles: You Trip Me Up und diesen Klassiker Never Understand. Beide tauchten dann auch auf dem Album Psychocandy (1985) auf. Am Schlagzeug übrigens der spätere Primal Screamer Bobby Gillespie.