Irgenwie ist diese Band ziemlich an mir vorübergegangen, bis ich dann gestern bei Julie ein Video von Ambulance LTD gesehen habe. Die Geschichte der Band, wie sie auf Wikipedia erzählt wird, klingt traurig: Ursprünglich aus Spanish Harlem stammend, haben sie sich einen guten Ruf als Liveband erspielt, wurden dann 2003 von TVT unter Vertrag genommen, wo sie dann ihre erste EP “Ambulance LTD” aufnahmen. 2005 folgte die von den Kritikern einigermaßen wohlwollend aufgenommene LP namens “LP” (auf ihrer Homepage kann man in jedes Lied hineinhören) und dann 2006 noch einmal eine EP. Sehr schön beschreibt Enoch Pratt die Wirkung der Neo-Shogazer: “There are secrets here, but they’re mundane. It’s kind of like learning that your neighbor’s deep dark secret is that he likes to read.” Dann war Schluss. Der Grund? “legal battles, interpersonal dramas, and spiritual meltdowns”. Jetzt ist nur mehr der Sänger der Band übriggeblieben und arbeitet zusammen mit John Cale von Velvet Underground in Los Angeles an einem neuen Ambulance LTD-Album, das anscheinend fast fertig ist. Vor kurzem ist auf MySpace ein Ausschnitt aus der nächsten Platte aufgetaucht, der leider vor dem Chorus endet. Man hört aber immer hin ein nettes Gitarrenriff, dass ein bisschen an die Stone Roses erinnert. Mal sehen, immerhin hat Cale der “strength of the singer’s demos” wegen den Job übernommen. Hier noch ein bisschen Fanartwork zu den “alten” Ambulance LTD:
Eine schöne Gitarrenhookline, unaufgeregter Gesang vor einer straighten Indierockkulisse (einer Mischung aus U2, Snow Patrol und Coldplay) und naturlyrische Zeilen wie “Oh, hurricane, what you gonna do to us this time?” Genügt das der Londoner Band Athlete um Joel Pott, um den 2005er Erfolg von “Tourist” zu wiederholen (obwohl böse Stimmen schon schon zu diesem Album anmerkten, es klänge “like they’re taking a page from the Radiohead notebook” und auch Pitchfork war gar nicht begeistert)? Bis zum Album “Beyond the Neighborhood” dauert es zwar noch ein wenig, Termin ist am 3. September, aber die Vorabsingle “Hurricane” liefert schon einmal einen Vorgeschmack. Außerdem gibt es hier noch Airport Disco zum Anhören. Über das Artwork des Albums gibt es noch nichts zu berichten, aber die schönen Trashfotos auf dem letzten Album und den Singles waren ja einigermaßen originell, wenn auch zu sehr “durchdesignt”.
Ich geb’s zu: die Überschrift “Strandträume” ist Kitsch. Da sind wir uns wahrscheinlich alle einig. Aber sie passt so wunderbar zu der Band, auf die ich nun hinweisen will: Die australischen Surf-Legenden “Tim Gaze Band” (Homepage 1996). Gerade ist die Platte “Band on the Run” aus dem Jahr 1979 (damals der Soundtrack zu einem eher weniger erfolgreichen Surf-Film mit Rabbit Bartholomew) wieder aufgelegt worden und auf iTunes oder Napster verfügbar. Und es lohnt sich wirklich, da einmal hineinzuhören. Zwar ist der Chorus auf den Gitarren etwas zu dick aufgetragen und die die Mischung aus Westcoast und Softsoul ist nicht mehr zeitgemäß, aber dennoch eine interessante Mischung aus der Leichtigkeit der Surfmusik (z.B. “Rivers” mit seinen Anklängen an “Hotel California” von den Eagles), langen psychedelischen Songs à la Pink Floyd (”Bermuda”, “Oceans”) und tanzbaren Discosongs (”Brothers and Sisters”, “Mauritius”). Am besten sind sie in den Liedern, die einfach nur Popsongs sein wollen und nichts mehr (”Lazy Day Fever”, ein wirklich runder Song!) Tim Gaze, der zuvor bei “Tamam Shud” spielte, ist an der Leadgitarre zu hören, Robbie France-Shaw am Schlagzeug, Harry Curtis am Bass, Peter Bolton am Synthesizer und Annette Henery singt die Hintergrundstimme. Hier kann man einen zweiminütigen Ausschnitt aus jedem Song anhören. Und hier ist der sehr stimmungsvolle Anfang einer Dokumentation über australische Surfmusik, in der auch Tim Gaze vorkommt. Leider bricht der Film (bei mir) nach der Hälfte ab:
Nachdem ich bereits in diesen Kurzmitteilungen auf das Video zum Song “Nothing Changes Around Here” der Thrills hingewiesen habe; einer Band aus Irland, die nicht nur (aber auch) deshalb überzeugen, weil sie einen Sänger haben, der wie Rod Steward aus der Faces-Zeit klingt und dabei aussieht wie Matt Dillon in Rumble Fish. Jetzt gibt’s auf dieser Seite noch einen weiteren schlagenden Beweis dafür, dass das kommende Album (ich würde sogar sagen: Konzeptalbum) “Teenager” eine Wucht wirdist (dass sie großartige Singles produzieren können, haben sie mit “Big Sur” oder “Whatever Happened to Corey Haim?” bereits deutlich unter Beweis gestellt). “And I know, this year could be our year!”
Hier noch einmal das wunderbare “Big Sur” zur Erinnerung:
Wenn immer mehr Atomkraftwerke (klingt irgendwie dramatischer als Kernkraftwerke) Inkontinenzprobleme haben (danke, fefe) ist es an der Zeit, sich in die Sommerpause zu verabschieden. Meint zumindest Rainald Goetz. Man könnte allerdings auch eines der feinen Sommerfestivals besuchen wie zum Beispiel das MusikfestBerlin 07 mit den großen Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts Ives, Debussy und Varèse oder das Internetfilmfestival (klingt fast so schön wie Atomkraftwerk) webcuts.07. Oder man schnallt sich sein Baby an den Bauch und spielt ein paar Takte Rockmusik vor johlendem Publikum. So geschehen auf dem Citysol-Festival in NYC (Wer war’s? Syd Butler, Bassist von Les Savy Fav.)
Heute mal ein kurzer Beitrag aus der Rubrik “IncrediblyStrangeMusic“. Die üblichen Sammlungen seltsamster Musik legen den Schwerpunkt auf die US-amerikanische Popkultur, während die deutsche seltsame Musik meistens auf die üblichen Verdächtigen Heino oder Heintje reduziert wird. Dabei gibt es auch in der Gegenwart in Deutschland wunderbar schräge Musik. Zum Beispiel Michel Montecrossa. In der deutschen Wikipedia findet sich unter dem Lemma Aurobindo schon ein erster Hinweis auf den Musiker: “1969 machte der Künstler, Philosoph und Musiker Michel Montecrossa die Bekanntschaft mit Mira Alfassa, die sich zu einer kreativen Freundschaft entwickelte. Aus dieser Begegnung und den gemeinsamen Gesprächen entwickelten sich, in der Zeit von 1969 bis 1973, die Grundlagen für Mirapuri die Stadt des Friedens und des Zukunftsmenschen in Italien.” Mirapuri gibt es immer noch und dazu noch eine deutsche Dependance in Gauting bei München. Nun zur Musik. Montecrossa ist vielleicht dem ein oder anderen als leidenschaftlicher (”einzig wahrer”) Bob Dylan-Interpret bekannt. Und die Fachpresse zeigt sich immer wieder, na, beeindruckt über diese “alternative interpretations of the master’s work”. Aber seine Musik besteht nicht nur aus Dylan-Covers, sondern auch aus Eigenkompositionen, die Montecrossa selbst als “Cyberrock, futuristic Cyberrock” bezeichnet. Genauer: eine Mischung aus Bruce Lee, was die Musik angeht, und Picasso, was die Songtexte betrifft. Sagt Montecrossa. Und das klingt so:
Wenn irgendwo Zuckerwürfel so ausgelegt sind, dass sie den Schriftzug LSD bilden, dann weiß man: hier waren die Fugs am Werk. Eine der irrsten, aber auch witzigsten US-Untergrundbands. 1967, am 21. Oktober, hatten sie ihren großen Moment als sie sich unter Anrufung von Gott, Ra, Jehova, Anubis, Osiris, Tlaloc, Quetzalcoatl, Thoth, Ptah, Allah, Krishna, Chango, Chimeke, Chukwu, Olisa-Bulu-Uwa, Imales, Orisasu, Odudua, Kali, Shiwa-Shakra, dem Großen Geist, Dionysos, Jahwe, Thor, Bacchus, Isus, Jesus Christus, Maitreya, Buddha und Rama (sowie dem “heiligsten aller heiligsen Namen: Xabrax Phrexner”) vor dem Pentagon versammelten und ihr Stück “Exorcising The Evil Spirits From The Pentagon” aufführten. “Verbrennt das Geld, verbrennt das Geld, verbrennt es, verbrennt es” waren da noch die harmloseren Aufforderungen. Helmut Salzinger sieht die Fugs-Aktion als eine der besten Demonstrationen des politischen Gehalts, oder auch: der politischen Kraft, von Popmusik. Warum Diederichsen das Stück nur auf Platz 10 der 10 größten Protestsongs aller Zeiten sieht, weiß ich auch nicht. Da ich Exorcising leider nicht als Video gefunden habe, hier der LSD-Ausschnitt aus dem Film Chappaqua (1966).
Oder auch ins Freibad, that is. Und der allerbeste Soundtrack für das Im-Freibad-Herumliegen meiner Kindheit und Jugend war damals Classic Rock. Und wer Hemmungen hat, Foreigner und Konsorten in die Stereoanlage zu laden, kann mit den fast schon vergessenen Schottenrockern Big Country ähnliche Mitschwelgeffekte erreichen und dennoch seine Ohren nur mit critically acclaimed Musik zudröhnen. Leider ist “Flame of the West” von dem Nummer-Eins-Album “Steeltown” nicht als Video verfügbar, deshalb für alle Schottenrock und/oder Hosenträgerfans hier “East of Eden” von derselben Platte: