Noch ein Mashup-Projekt: Simon Iddol (zuvor René aufgefallen durch “Stuck in the Eighties” oder durch “Superseven” - was für eine Produktivität!) entdeckte im Netz das obskure Werk “Hot Boppin’ Instrumentals“, auf dem 27 Instrumentaloldies versammelt sind - Northern Sound bis Popcorn-Soul überwiegend aus den 60s. Einige der Stücke gefielen ihm dann so gut, dass er Lust bekam, sie mit zeitgenössischen Melodien und Rhythmen zu mischen. Das Ergebnis ist die Compilation “Forgotten Hits“, an der neben Iddol selbst zehn weitere Mashup-Künstler mitwirkten: Apollo Zero, ToToM, Electro Sound, LDM101, Zamali, DJ Earlybird, Lobsterdust, Copycat, RIAA sowie der World Famous Audio Hacker. Die Vorlagen reichen von Depeche Mode über Christina Aguilera bis zu Rick James. Ein Mashupalbum, das auch den Großeltern gefallen dürfte. Wer damit immer noch nicht genug Mashup-Klänge hat oder grundlegendere Informationen über das Geschäft des Mashuppens braucht, kann sich auch noch hier bedienen.
René hat ein absolut unglaubliches Mashup-Projekt entdeckt: CCC und Ill Chemist haben zusammen das Sgt.-Pepper-Album der Beatles komplett aus Samples bekannter Songs nachgestellt, aber im Unterschied zu Sample-Künstlern wie Girl Talk nicht danach klingt. Die Songs hören sich an wie fertige Produktionen, nur beschleicht einen dann immer wieder ein ganz merkwürdiges Gefühl, wenn man die Bestandteile in diesem ungewohnten Kontext wiederentdeckt. Letztlich das ja nichts ungewöhnliches, denn Popmusik besteht sowieso zu einem großen Teil aus Zitaten. Insofern ist es CCC und Ill Chemist hoch anzurechnen, diese Wahrheit so deutlich und dennoch so anhörbar zu demonstrieren. Subversion at its best. Wahrscheinlich werden sie damit rechtliche Probleme bekommen und die Songs früher oder später von ihrer Homepage nehmen müssen.
Tay did it again! Nicht dieser buddhistische Mönch ist gemeint, sondern der sympathische, virale, aber nach wie vor rätselhafte fünfundzwanzigjährige TayZonday. Im April erlangte er mit seinem “original song” Chocolate Rain diese neue Art von Warholscher Berühmtheit, die man mit MySpace, YouTube und Technorati erlangen kann in Verbindung mit der realen Gefahr, den Song nach mehrmaligem Hören tatsächlich nicht mehr aus dem Kopf zu bekommen (dagegen ist dashier eher harmlos). Die ersten Parodien des Songs sind schon auf ihrem Weg ins Netz. Danach kam ein Song über unser aller Lieblingstechnologie (”Man, this internet is somethin’ else”). Und jetzt der absolute Knüller: Tay singt Rick. Genau, Rick Astley und seinen Überhit “Never Gonna Give You Up”. Ich habe das originale Video wahrscheinlich vor 20 Jahren das letzte Mal gesehen (hey, das war geraten, aber der Song feiert tatsächlich gerade seinen 20. Geburtstag). Dass das Video so unglaublich furchtbar ist, hatte ich gar nicht mehr in Erinnerung. Aber jetzt in Verbindung mit Tays schräger und tiefer Stimme ist es wirklich … hmm … somethin’ else, oder?
Die Songs sind übrigens alle unter einer CC-Lizenz veröffentlicht. Danke!