Posts filed under 'pop'

Ein Junge, den ich nie kannte (The Cure)

1 comment October 25th, 2007

cure.png“Jemand sehr nettes und großzügiges” hat fragmente die Aufnahme eines neuen Songs von The Cure zur Verfügung gestellt. Der Song den sehr Cure-igen Titel “A Boy I Never Knew” und lässt sich als traurige, monoton-expressive Midtemponummer bezeichnen - was über einen Cure-Song wohl nicht besonders viel aussagt. Aber immerhin wird Robert Smith persönlich mit der Bemerkung zitiert, es handle sich hier um einen der depressivsten Lieder, die er je geschrieben hat. Wer den Text nachlesen will, kann das bei Gone With My Wind tun, hier eine kurze Kostprobe:

I’d love to watch him dream, love to see him sleep
To have his arms around me, feel him as he breathes
Hold his hands in mine, sense his perfect trust
I’d give all I ever had for a moment of his love

Das Stück wurde anscheinend bereits für die letzte Platte “The Cure” (2004) aufgenommen, hat es aber nicht mehr auf das Album geschafft. Daneben gibt es auch noch einen Videomitschnitt davon (mit enttäuschender Tonqualität):

Dave Gahans Kingdom in New York

1 comment October 24th, 2007

Am Dienstag hat David Gahan (Depeche Mode) im New Yorker Apple Store ein paar Lieder aus seiner neuen CD “Kingdom” präsentiert (hier gibt’s ein paar Fotos dazu). Die Setlist für den Abend sah so aus:

  1. Saw Something
  2. Kingdom
  3. Deeper And Deeper
  4. Use You
  5. Endless
  6. A Little Lie
  7. Miracles

Da das Ganze in einem Apfelladen stattgefunden hat, darf man wohl davon ausgehen, dass dieses Konzert früher oder später auch auf iTunes verfügbar sein wird. Damit kann sich Gahan aber Zeit lassen, denn zunächst will schließlich das am Montag veröffentlichte Album “Kingdom” sorgfältig durchgehört werden. Zum Beispiel der Titeltrack:

Gottland

Add comment September 19th, 2007

Einer gerade grassierenden Mode nachlaufend, gibt’s nun auch im POPLOG Gastbeiträge. Hier meldet sich Gastautor Daniel von der Wiesn-Vorbereitung:

Über Karel Gott stand gestern in der Zeitung, dass es jetzt so eine Art Graceland gibt von/über ihm/ihn: Gottland. 200 qm Karel Gott. Nebenbei erfährt man, dass er bereits zum 31. Mal Sänger des Jahres in Tschechien geworden ist seit 1963. Fantastisch. Da musste ich sofort in den dunkleren Ecken meiner Plattensammlung wühlen um mal reinzuhören. Ich erinnerte mich: Mein Lieblingslied des tschechischen Goldkehlchen war früher die Nummer “Fang das Licht” mit dem slowakischen Goldkehlchen Darinka (heute als Madonna-Verschnitt unterwegs), ein Titel von dem ich lange Zeit nicht verstanden habe, wieso das eigentlich nicht der Wiesn-Hit schlechthin ist. Der Mix aus Eindeutigkeit, Tiefgründigkeit und Unkompliziertheit des Textes eignet sich eigentlich hervorragend, von der bombastischen, lang gezogenen Melodie ganz abgesehen; allenfalls die Call&Response-Struktur des Refrains könnte etwas happig sein im Rauschzustand.

Doch eben gestern beim Durchhören des Stücks stieß ich auf den wahren Grund für die Weigerung, dieses Stück in den Wiesn-Kanon aufzunehmen. Er dauert nur eine halbe Sekunde, langt aber, um auf Dauer “nicht im Wahren” zu sein: Darinka singt in besten Loddar Maddäus-”Man muss mit dem FC Bayern Diddl holen”-Fränkisch, und zwar in der zweiten Strophe, etwa in der Mitte, da heisst es: “halt es (das Licht) fest, schließ es in deine Drrrräume ein…”. Um Gottes willen! Da kann das Oktoberfest soviel Weltoffenheit beschwören und symbolisieren; bevor hier Fränkisch erklingt, wird wohl eher Reis zum Hendl serviert. (Außer natürlich Kaiser Franz persönlich besingt die “guten Freunde” die niemand “drennen” würde können). Da hilft auch kein eiligst aufgenommener Remix der beiden Vorzeige-Bayern Stefanie Hertl und Stefan Mross. Nicht auszudenken, wie groß Gottland ausgefallen wäre, wenn noch die Tantiemen aus 21 Jahren Wiesn-Hit-Dasein zur Verfügung gestanden hätten.

Leider gibt’s dieses Jahrhundertlied nur in der tschechischen Version:

YouTschechisch

Der Mann, der zwei Musikgenres erfand (The 13th Floor Elevators, Roky Erickson, Primal Scream)

Add comment September 16th, 2007

hanf.pngGefragt danach, wo denn die psychedelische Rockmusik der 1960er und 1970er Jahre ihren Anfang genommen hat, würden wohl die meisten ohne mit der Wimper zu zucken antworten: San Francisco, Height/Ashbury. Tatsächlich waren es jedoch die 13th Floor Elevators aus dem texanischen Austin, die begonnen haben, Popmusik mit Drogenerfahrungen aller Art zu kreuzen und diesen Hybriden namens Psychedelic Rock heranzuzüchten, mit dem Bands wie die Grateful Dead, die Byrds oder Jefferson Airplane in den 1960ern auf diversen Hippiegatherings hausieren gingen. Die Elevators waren sogar die ersten, die ihre Musik als “psychedelisch” bezeichnet haben: Ihr erstes Album aus dem Jahr 1966 hieß “The Psychedelic Sounds Of The 13th Floor Elevators”.

Die Band schaffte es nur bis 1969, da ihre Bandleader, der geniale Roky Erickson, nach einer Verhaftung als psychisch krank (Diagnose: Schizophrenie) im Rusk State Mental Hospital wiederfand. Doch nach seiner Entlassung rappelte Roky sich wieder auf und erfand nebenbei mit dem Punk Rock ein neues Musikgenre. Über die Geschichte dieses Musikers hat Keven McAlester eine Dokumentation mit Titel “You’re Gonna Miss Me” gedreht. Hier der Trailer des Films sowie ein wundervoller Elevators-Song, der 1999 in der Cover-Version von Primal Scream eine Renaissance des Psychedelic Rock eingeleitet hat.


(Abbildung aus Wikipedia)

Rüdiger Hoffmann: Poppen ist erlaubt

1 comment September 13th, 2007

Ab und zu muss man auch einmal dorthin gehen, wo es richtig weh tut. Heute: Rüdiger Hoffmann. Den meisten dürfte er als Koh-mi-dien bekannt sein, dessen Auftritte als Padaborner Langsamdenker (”Ja, haalloo erstmaal! Ich weiß gar nicht, ob Sie’s wussten”) zu jeder Best-of-Comedy-Gala gehören. Jetzt hat er eine Rock-Platte herausgebracht, wenn auch die lapidare Beschreibung auf Wikipedia das wahre Ausmaß des Grauens, das den Hörer hier erwartet, noch verbirgt:

Am 31. August 2007 brachte Hoffmann sein erstes rein musikalisches Album “Sex oder Liebe” auf den Markt. Neben normalen Pop-Songs besingt er auch härtere Rythmen. Der Song “Testosteron” ist an die Band “Rammstein” angelehnt.

Das Konzept ist immerhin fast schon mutig, denn die komisierenden, aber selten überzeugenden Texte Hoffmanns passen überhaupt nicht zu der einwandfrei à la Westernhagen produzierten völlig unironischen und absolut belanglosen Musik. Wer mit der Komik Otto Waalkes sozialisiert wurde, hat ein Grundprinzip auswendig gelernt: komisches Liedgut erkennt man in der Regel durch die betont stümperhafte oder gar fragmentarische musikalische Untermalung. “Sex oder Liebe” verabschiedet sich von diesem Prinzip und wirkt wie der Versuch, zwei Zielgruppen gleichzeitig zu bedienen: massenindustrialisierte Radiopophörer, die Lust auf ein paar erfrischend freche Deutschrocknummern haben (”eine gewöhnungsbedürftige, aber durchaus gelungene Mischung“) sowie juvenile Comedy-Fans, die alle Songtexte auswendig lernen werden, um sie auf dem Schulhof zum Besten zu geben. Ob das funktionieren wird, ist noch nicht abzusehen, aber ich befürchte es.

Trackliste “Sex oder Liebe”:

  1. Sex oder Liebe
  2. Verlieb dich bitte nicht
  3. Das Körperliche kann warten
  4. Lola
  5. Ecken und Kanten
  6. Kondom
  7. Willst du mit mir schlafen
  8. Testosteron
  9. Zu viele Gefühle
  10. Poppen ist erlaubt
  11. PiPaPo
  12. Mein kleiner Freund
  13. Oma hatte sie alle

Spacelagged Aliens (The Battles)

1 comment September 13th, 2007

Ganz gleich ob Math-Rock oder Prog-Groove, dieser Clip zu der neuen Single “Tonto” der Battles überzeugt mich. So muss Musik von Außerirdischen klingen, die von dem langen Hyperraumflug noch völlig spacelagged sind und trotzdem auf die Bühne müssen. (via)

Pop und Porno (Office)

Add comment September 12th, 2007

Ziemlich genial, dieses Video (via) von Adam Neustadter zum Song “Oh My God” der Chicagoer Rockband Office (mehr Musik hier). Diese hier noch kaum bekannte Band bringt zwar bereits seit 2000 Alben heraus, wird aber am 25. September ihre erstes Album bei einem “richtigen” Label (James Ihas Scratchie Records) veröffentlichen. Mir sind kaum schönere Darstellungen der ewigen Affinität von Pop- und Pornbusiness bekannt:

Tracklist “A Night at the Ritz”:

  1. Oh My
  2. The Big Bang Jump
  3. Company Calls
  4. Dominoes
  5. Possibilities
  6. Had a Visit
  7. Wound Up
  8. +/- Fairytale
  9. Paralyzed Prince
  10. Suburban Perfume
  11. The Ritz
  12. If You Don’t Know by Now
  13. Q&A

Reifeprüfung (Kanye West)

2 comments September 11th, 2007

west.pngHier nun der zweite Teil des Hiphop-Doppels, das an dieser Stelle begonnen hatte. Nach dem misslungenen Werk von 50 Cent geht es jetzt um Kanye Wests drittes Studioalbum “Graduation”, das, um es schon einmal vorweg zu sagen, rundum überzeugt. In diesem Album schafft es West, wirklich weirde Einflüsse zu einer ganz eigenen Art von Hiphop - “zwischen cool und progressiv” - zu formen, die vermutlich in den nächsten Jahren Schule machen wird. Die verarbeiteten Samples reichen dabei von Daft Punks “Harder, Better, Faster, Stronger” über “Long Red” von Mountain und “Kid Charlemagne” von Steely Dan bis hin zu “Sing Swan Song” aus dem Werk der deutschen Krautrocker Can. Diese Breite und Virtuosität zu überbieten, dürfte schwerfallen.

Der erste Song “Good Morning” ist mit seiner ultrapoppigen Melodieführung und Harmonik der perfekte Opener und legt den Grundstein für eine ganze musikalische Welt. Der Track wird dominiert von der schmachtenden, an die Beach Boys erinnernden Gesangslinie, die aus Elton Johns “Someone Saved My Life Tonight” entliehen wurde. Während sie bei Elton John ein kurzes Zwischenspiel darstellt, klingt sie bei West ambivalenter. Nicht mehr reine Essenz von Fröhlichkeit, sondern ein Ausflug in Dur-Harmoniken in einem ansonsten in Moll gehaltenen Track.

Der Text ist ein weiteres wundervolles Beispiel für die Selbstreflexivität von Kanye West. Diese Haltung ist eine der zentralen Ursachen dafür, dass zwischen ihm und 50 Cent Welten liegen. Viele mögen Wests Musterschüler- oder Strebereinstellung nicht. Immer wieder hat er zu öffentlichen Anlässen gezeigt, wie ehrgeizig er ist und wie schnell er frustriert ist, wenn er einmal nicht auf dem ersten Platz steht. Ich erinnere nur an die spektakuläre Aktion, mit der er auf der MTV Europe Music Awards-Feier gegen die Preisvergabe an Justice und Simian protestierte. Das Schöne an Wests Musik ist jedoch, dass er immer wieder offen und selbstkritisch, aber mit einem ausgeprägten Gespür für humoristische Distanz auf seine Fehler eingeht. Gerade in der Welt des Hiphop, die sich schon längst an die übertriebenen Aggrobiographien der Gangsta-Selbstdarsteller gewöhnt hat, überrascht diese ambivalente Haltung: “Kanye West is following his own awkward path to super-stardom; his “ego” may get the attention, but he’s laughing all the way to the bank” (popmatters).

Wenn Hiphop das CNN der Black Community ist, könnte man Kanye West als den Blogger der Black Community bezeichnen. Und weil’s so viel über Kanye West aussagt, hier noch einmal das alternative Video von Zach Galifianakis und Will Oldham zu “Can’t Tell Me Nothing”:

Mudrische Kommunikation und das Dilemma des Agenten (David Hasselhoff)

2 comments September 6th, 2007

Ihr habt das POPLOG-Wunschkonzert gewählt und mich dazu verdonnert, mich mit The Hoff auseinanderzusetzen. Ich will dabei gar kein Wort über Hasselhoffs Privatleben verlieren, über das sich die Blogosphäre immer wieder gerne unterhält. Auch seine Fernsehserien sind hier nicht Thema. Mir geht es im Folgenden allein um seine musikalischen künstlerischen Äußerungen.

Eigentlich ist es menschlich absolut zu verstehen. Fast jeder Junge (wie sieht’s in dieser Beziehung eigentlich mit den Mädchen aus?) hat eine Phase in seinem Leben, in der er davon träumt, als Geheimagent in einem Luxuswagen von einem exotischen Schauplatz zum nächsten zu eilen und eine Frau nach der anderen zu verführen. Der gute alte James Bond-Komplex. Irgendwann kommt dann aber der Moment, in dem einem klar wird, dass diese Berufsbeschreibung mit der Realität eines Verwaltungsangestellten im Nachrichtendienst nur wenig zu tun hat (vgl. den Bildband von Andreas Magdanz). Das falsche Bild ist eine Illusion, die von der Unterhaltungsindustrie zu Unterhaltungszwecken produziert wurde, was sonst. Wenn man nun aber selbst so sehr in die Unterhaltungsindustrie verstrickt ist, dass man gar keine Distanz mehr zu ihr besitzt, kann es dazu kommen, dass dieser helle Moment verpasst wird. Das zumindest waren meine ersten Gedanken, als ich mir gerade das Video zu David Hasselhoffs Comeback “Secret Agent Man” (2006) angesehen habe.

Schon die ersten Sekunden des Videos sind eine Aufzählung aller gängigen Klischees des Genres Agenten-Film: Fadenkreuze, psychedelische Farbenspiele, Licht/Schatten-Motive, Frauenumrisse mit Revolvern, Hasselhoff in Anzug, Durchladen einer Waffe, Flammen, nackte Frauenbeine, Fernglas, Gadgets (Uhr mit grünem Strahlenirgendwas), prüde angedeutete Sexualkontakte und die Fahrt auf einem Motorrad. Dazu eine Intromusik, die sich deutlich (oder schamlos) von dem James-Bond-Theme inspirieren ließ. Nach diesem spektakulären sinnfreien Symbolreigen fängt Hasselhoff vor blauschwarzem Hintergrund dann an zu singen: “There’s a man who leeeeeaves a life of tanger” (so klingt es zumindest). Nur eine Verbalisierung der einführenden Bildsymbolik? Oder lässt sich in dieser ausdrücklichen Ultramaskulinität ein Ansatzpunkt für die Kritik des offensichtlich maskulinen Bias des Genres finden? Ich lasse diese Frage einmal offen. Jedenfalls macht Hasselhoffs Artikulation deutlich, dass es hier nicht nur um die gewöhnliche Gefahr (”danger”) geht, der man sich mit jeder Straßenüberquerung aussetzt, sondern um eine existentielle GEFAHR in Großbuchstaben, die so hart ist, dass der stimmhafte alveolare Plosivlaut “d” nicht mehr ausreicht, sondern zum stimmlosen interdentalen “tanger” werden muss.

Der Text beginnt zwar in einer fast schon feierlichen Würdigung des Agentenlebens, nimmt aber schnell deutliche kulturkritische Töne an. Zunehmend wird die Vereinzelung des Agenten angesprochen (”to everyone he meets, he stays a stranger”), die ständig presente Todesnähe, im Chorus dann das in der literarischen Romantik äußerst beliebte Thema des Namensverlusts (vgl. zu diesem Thema auch: Christian Davidowski: “Die Musilsche Moderne als literarisches Feld. Ursprungssuche und Namensverlust im epischen Frühwerk”, in: Béhar, Pierre / Roth, Marie-Louise (Hgg.): Musil an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Internationales Kolloquium – Saarbrücken 2001, Frankfurt a.M.: Lang 2005, S. 139-152) sowie das direkt auf die Frankfurter Schule zurückzuführende Motiv der Reduktion auf eine Nummer (”they’ve given you a number and taken away your name”). Letztere Halbzeile wird dann sogar noch einmal gesprochen wiederholt, um die Wichtigkeit der Aussage zu unterstreichen.

Doch im Verhältnis von Text und Gestik liegt ein Bruch. Im Unterschied zu der modernistischen Evokation des kalten und in doppelter Weise menschenfeindlichen Agentenlebens beschwört Hasselhoff insbesondere mit seinen an fernöstliche Mudras gemahnenden Handbewegungen eine noch verborgene geistige Welt, die jenseits der notwendigen Oberflächlichkeit (vgl. hierzu auch den in seiner Bedeutung für das Thema immer noch unterschätzten und nur mehr antiquarisch zu beschaffenden Roman “Loyalties” von Raymond Williams) des Agenten liegt. Die fernöstlichen Mudras (dt. “Siegel”) dienen aber nicht nur den bereits aus der lateinischen Wortursprung von sigillum (dt. “Bildchen”) ableitbaren praktisch-kommunikativen Zwecken der symbolischen Darstellung von Geistesbewegungen (oder -nichtbewegungen), sondern drücken mit der Doppelbedeutung des “Siegels” zugleich das Abgeschlossen-und-nicht-mehr-einsehbar-Sein des yogisch-tantrischen Körpers aus und außerdem die gleichzeitig standfindende Kommunikation mit einem Höheren (auch unser Briefsiegel schließt ab und verbindet im gleichen Moment).

mudra1.pngDoch welche Mudra zeigt Hasselhoff hier mit seiner linken Hand? Interessanterweise ist es gerade die “Benennungsgeste” (karana), die von einer relativ horizontal gehaltenen Hand mit mehr oder weniger ausgestreckten Zeige- und kleinem Finger (den beiden “Yak-Hörner”) ausgeführt wird. Dieser ausgeklügelten Verschränkung von Bild- und Textebene muss an dieser Stelle Bewunderung ausgesprochen werden, insbesondere, da die nur mit einigem Geheimwissen zu entschlüsselnde mudrische Kommunikation den kryptographischen Kommunikationsbeziehungen des Agenten sehr ähnelt. Hasselhoff steht hier nicht nur als Agentenimpersonator vor uns, sondern gleichzeitig als dessen reflexive Instanz, die das grundlegende Dilemma des Agenten klar benennt und zumindest auf symbolischer Ebene mit einer alten tibetischen Mudra zu beheben versucht.

mudra2.pngIn einem nächsten Schritt verwandelt sich jedoch die Handhaltung und geht über in eine Geste, die nur oberflächlich der Victory-Geste ähnelt. Tatsächlich handelt es sich hier um die von Papst Innozenz III (1198-1216) vorgeschriebene christliche Geste der Segensgewährung, wie sie auch in zahlreichen Christusdarstellungen aus dem 12.-15. Jahrhundert zu entdecken ist (vgl. dazu auch die aufschlussreiche Handreichung “Die liturgische Körpersprache: Gebärden, Gesten und Bewegung”). Aus dieser Handhaltung spricht wieder ganz klar der reflexive Hasselhoff, der sich in eine Schutzmacht des Agenten verwandelt und versucht, ihm (also: sich selbst) in seiner existentiellen Lebensbedrohung Trost auszusprechen. Natürlich verweisen die drei ausgestreckten Finger auf nichts anderes als auf die Dreifaltigkeit. In diesem Kontext besonders spannend sind jedoch die beiden gebogenen Finger, die auf die menschliche und göttliche Natur Christi verweisen - auch hier also ein Bezug auf die für Mudras allgemein typische Dialektik von Abschließung und Öffnung. Dazu passt hervorragend der gesungene Text “a pretty face can hide an evil mii-hind”, der nicht nur auf die existentielle Kategorie des Bösen rekurriert, sondern auch die Problematik der wahren Erkenntnis kurz aber prägnant formuliert.

Out of Office AutoReply (Brian Wilson, Eagles)

Add comment August 18th, 2007

Liebe POPLOG-Leser, die nächsten zehn Tage gibt es hier keine neuen Beiträge, denn ich werde nach Italien rollen und dort ein wenig Nebeinandem fahren. Anstatt einer tränenreichen Verabschiedung gibt’s hier noch zwei Links auf alte Herren mit guter Musik:

  • Brian Wilson von den Beach Boys rührt sich wieder und hat uns mit “Midnight’s Another Day” von dem kommenden Album “That Lucky Sun (A Narrative)” wiedereinmal einen zeitgenössischen Klassiker geschrieben. Diese Harmonien!
  • Auch von den Eagles hört man wieder einmal etwas: “How Long” von ihrem nächsten Album “Long Road Out Of Eden” (das Video gibt es ab dem 20. August hier). Auch sie können es noch.

Ameise Irene (Caribou)

Add comment August 18th, 2007

Nachdem es gar nicht lange her ist, dass mich der Song “Melody Day” von Caribou hellauf begeistert hat, kommt hier schon der ruhige Nachfolger “Irene” mit einem schönen Video (hier als Quicktime) für uns Naturfreunde (produziert von Nic Brown und David James) (via):

Ein Jahrtausend geht zu Ende (The 1900s)

Add comment August 17th, 2007

19001.pngSchon wieder eine siebenköpfige Neohippiekommune? Wird das Wir-sind-ein-Kollektiv-Denken (eine Gruppe von “old friends, lovers and ex-lovers“) langsam zur Masche? Das könnte man zumindest denken, wenn man auf die Homepage der Chicagoer Band The 1900s (Myspace) blickt. Die Einzelbeschreibungen der Bandmitglieder wirken leider ein bisschen billig. Da steht dann zum Beispiel über den Schlagzeuger: “Banging things since ‘77, moved to drums in ‘89″. Vielleicht ist das aber auch nur ein ganz merkwürdiger Humor. Dafür klingen ihre Songs aber wirklich nett, zum Beispiel “Bring the Good Boys Home” (mp3) von ihrer ersten EP “Plume Delivery” oder “When I Say Go” (mp3) von ihrem Debütalbum “Cold & Kind”, das am 2. Oktober 2007 erscheinen wird. Stereogum hat noch zwei weitere Songs auf Lager, darunter “Two Ways”, einem schönen Velvet Underground-Rocker mit Vintage-Hammond-Sound, Federhall und feinem mehrstimmigen Gesang (einen weiteren Song gibt’s hier). Noch sind sie noch nicht dort angekommen, aber die “1900’s are a group which can develop into something magical like Galaxie 500 did back in the 80’s, so if you have the patience to watch them develop, I think you will be pleasantly surprised in the outcome”, meint A Beef Sandwich.

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