Posts filed under 'plattenindustrie'

Preismechanismus (Radiohead)

Add comment October 1st, 2007

radiohead.png

Der Preis wird in einer Marktwirtschaft durch den Preismechanismus von Angebot und Nachfrage bestimmt. Der zu einem Marktgleichgewicht führende Preis wird als Marktpreis oder Gleichgewichtspreis bezeichnet. Preise entstehen in einer Marktwirtschaft jedes Mal, wenn Käufer und Verkäufer einen Vertrag über den Austausch eines Gutes (einer Ware, Dienstleistung, Forderung etc.) schließen wollen. (Wikipedia)

Von wegen. Das neue Radiohead-Album “In Rainbows“, das ab dem 10. Oktober als Download erhältlich sein wird, kostet nicht mehr oder nicht weniger als man selbst dafür ausgeben will. (via)

Keine 50 Cent wert (50 Cent)

9 comments September 9th, 2007

50c.pngDer “Chartbattle” ist eines der älteren Rituale der Musikindustrie. Zwei in der Masse der Musikhörer bekannte Musiker oder Bands treten gegeneinander an und veröffentlichen am selben Tag ihr neues Album. Gewonnen hat derjenige, der am meisten Exemplare verkaufen kann. Am Montag werden die beiden Hiphopper Kanye West und 50 Cent in den Ring steigen (in Deutschland ist dieses lächerliche Minidrama zum Glück schon am Freitag gelaufen), um es zwischen sich “auszumachen”. Letzterer hat sogar damit gedroht, seine Karriere zu beenden, falls Herr West in den Verkaufszahlen vorne liegt. Wobei: es gibt sicher genügend Rechentricks, um diese Drohung nicht wahr machen zu müssen. Mitleid verdient allerdings, wer dieses Spektakel ernst nimmt oder gar mit dem Begriff “Ehre” atavistisch aufzuladen versucht.

Doch nun zu dem was zählt: zur Musik. 50 Cents drittes Album “Curtis” (hier kann man einmal hineinhören) wirkt wie der verzeifelte (und damit nicht mehr witzige) Versuch, seine alten Erfolgsthemen noch einmal in den Mittelpunkt zu stellen: Waffen, Frauen und Geld. Obwohl mit Justin Timberlake, Timbaland, Mary J. Blige oder Eminem zahlreiche prominente Gastmusiker mit dabei sind (was daran ein Zeichen von Erweiterung des Horizonts sein soll, bleibt mir unerklärlich), steckt nicht mehr in diesem Album als eine klebrig-nostalgische Verklärung des Ghettothemas in einer banalen und eindimensionalen musikalischen Aufmachung. Vielleicht lag dem Album sogar noch die Hoffnung zugrunde, dem dramatisch an Bedeutung verlierenden Gangstarismus noch einmal eine neue Wendung oder vielleicht auch nur ein paar neue Hooks zu verpassen - an dieser Aufgabe ist der Multimillionär Curtis James Jackson III jedoch ziemlich eindrucksvoll gescheitert (merke: es überleben natürlich nicht immer nur die Guten). Man kann das höflich formulieren wie Herr Merkt: “Man müsste lügen, wenn man leugnen wollte, dass hierbei einige amtliche Stücke heraussprangen, aber gemessen an den Ansprüchen, die nicht zuletzt “Curtis” selbst an seiner Musik weckt, ist das einfach zu wenig.” Man kann aber auch einfach feststellen, dass man die Erwartungen für das nächste 50 Cent-Album getrost ein in den Boden rammen darf, wenn man überhaupt noch darauf warten sollte.

Tracklisting “Curtis”:

  1. Intro
  2. My Gun
  3. Man Down
  4. I’ll Still Kill
  5. I Get Money
  6. Come & Go
  7. Ayo Technology
  8. Follow My Lead
  9. Movin’ on Up
  10. Straight to the Bank
  11. Amusement Park
  12. Fully Loaded Clip
  13. Peep Show
  14. Fire
  15. All of Me
  16. Curtis 187
  17. Touch the Sky

Neue Musikplattform gestartet (Justaloud)

2 comments September 1st, 2007

justaloud.pngGerade eben ist eine neue Musikvertriebsplattform an den Start gegangen: Justaloud (ein Projekt von edelight). Der Selbstbeschreibung nach geht es hier um eine “unabhängige Musikplattform auf der die Community den Preis der Songs bestimmt. Außerdem ist Justaloud ein Treffpunkt für Musiker und ihre Fans.” Das soll so ablaufen: der oder die KünstlerIn meldet sich (kostenlos) an und lädt ein paar Songs auf die Seite, die er darüber hinaus auch noch selbst gestalten kann. Der Preis für den Kauf eines Songs beginnt bei 0c und steigt dann mit jedem Einkauf bis 99c. Davon bekommt der Künstler nach Abzug von Steuern etc. 85%. Neben einem Blog gibt es auch noch einen Justaloud-eigenen TV-Kanal, auf dem man sich Interviews von Captain Karachoo mit diversen Stars wie Michelle Darkness, Revolverheld und Udo Lindenberg.

Au revoir DRM (Universal)

Add comment August 10th, 2007

Die Plattenfirma Universal, die bislang, sieht man von der Parteinahme Tim Renners für das mp3-Format einmal ab, in der Diskussion um Digital Rights Management (technische Verfahren zur Nutzungskontrolle digitaler Inhalte) eher als Hardliner bekannt war, hat gestern verkündet, von ab jetzt (erst einmal bis Januar 2008) alle Songs der eigenen Künstler ohne DRM zu verkaufen: als unbehandelte mp3s. Warum diese Entscheidung? Die Musikindustrie hat im Prinzip zwei Möglichkeiten: entweder sie verkauft ihre Songs über den Marktführer iTunes in dem proprietären Apple-Format AAC, das sich zunächst einmal vor allem zum Abspielen in Apples iPod eignet. Oder aber man macht es wie Universal und verkauft über andere Vertriebswege (RealNetworks, Wal-Mart, Amazon.com, später auch Google sowie die Seiten der Musiker selbst) mp3-Dateien ohne Kopierschutz, die dann in jedem handelsüblichen mp3-Player abgespielt werden können (denn DRM ist eigentlich weniger ein Kopier-, denn ein Abspielschutz). Aber in Wahrheit ist der wirklich gefährliche Wettbewerber gar nicht Apple, sondern das P2P-Netz. BoingBoing dazu:

People who don’t want to pay for music just download it from P2P, where all the music is already available for free, without DRM. If you want to convince people to buy your music, you can’t start by making it worse than the free stuff.

(via)

Freie Inhalte auf Heise

2 comments August 9th, 2007

cc.pngHeise online hat gerade eine Serie zum Thema “Freie Inhalte im Web” begonnen. Darin geht es um Open Source- und Open Access-Initiativen und alternative Lizenzierungsmodelle wie die Creative Commons Lizenz:

Eine dreiteilige Serie auf heise open spürt den freien Inhalten im Netz hinterher – von Unterhaltung und Bildung über Forschung und Lehre bis zu Bastelanleitungen, Strickmustern und Fotosammlungen. Die Artikel zeigen, wie viel freien Content es im Netz schon gibt – und an welchen Stellen noch gewaltige Lücken klaffen.

Im bereits erschienenen ersten Teil geht es um “Freie Musik, Filme und Bücher”. Erwähnt werden auch die für Musiker interessanten Initiativen Freesound, ccMixter, Jamendo, Magnatune, Gratisvibes und Musopen. Empfehlenswerte Lektüre. Morgen wird die Serie mit dem Thema “Forschung und Lehre” fortgesetzt, am 13. August folgen dann “Bastelanleitungen und Strickmuster bis Fotosammlungen”. Dann lasst mal die Nadeln klappern.

Die Musikindustrie sucht das Leck (SPIN)

2 comments August 3rd, 2007

In den meisten Fällen dauert es nicht lange, bis ein neues Album in den diversen P2P-Netzwerken, Blogs, Mikroblogging- und Filedownloadseiten auftaucht. Wer auf illegale Methoden setzt, hat die Tracks sogar in der Regel vor dem legalen Downloader oder Musikkäufer auf seinem MP3-Player. Aber wie kommen die Platten überhaupt dorthin? Sind die Studioangestellten, die Musikkritiker oder gar die Musiker selbst die undichte Stelle an der musikalischen Werkbank? Im aktuellen SPIN-Magazin (via) ist eine Story, die einiges Licht auf diese Frage wirft (und erfreulicherweise vollkommen auf der Höhe der Zeit ist). Eine wichtige Erkenntnis liegt in der doppelten Wirklichkeit der Musikindustrie, die sich stellenweise fast schon komisch liest:

There used to be a sort of gentleman’s agreement about new records: On the announced release date, they’d appear in stores, and magazines, newspapers, and radio stations would pretend that they’d suddenly sprung into existence on that particular Tuesday morning (or, in the case of a few big names, Monday at midnight).

Fraglich ist dennoch, wie lange diese Fassade noch aufrechterhalten werden kann. Erste Anzeichen für einen neuen Realismus in der Musikindustrie gab es ja kürzlich erst bei den kanadischen Stars. Offen bleibt zudem, das stellt Idolator fest, auf welche Weise denn Miniplattenfirmen von Lecks betroffen sind, deren Künstler sonst vielleicht gar nicht in der Öffentlichkeit stattfinden würden? Zudem ist das Problem nicht neu. Für Computerspiele und -software ist das von Anbeginn der Status quo. Für die Musik hätte man das alles wahrscheinlich nur vermeiden können, wenn man bei analogen Medien geblieben wäre. Das wäre aber das Letzte gewesen, was die Industrie gewollt hätte.

Kurzmitteilungen (Blur, Seeqpod, My Bloody Valentine, The National, Architektur, MC Winkel)

Add comment July 29th, 2007

So, und jetzt bitte alle man raten, an welchem Tag Telepolis auf meine Seite verlinkt hat (und das, kurz nachdem der Berechnungsmodus für die blogscout-Topliste geändertverbessert wurde, was für manchen eine freudige Überraschung bedeutete) ;-)
poplog.png

Hier gibt’s alte Demobänder der beiden Blursongs “Parklife” und “Boys & Girls” lange her, aber die Songs klingen immer noch frisch (wobei sie heute einen leichten ziegenkäsigen Nachgeschmack haben).

Ganz neu und ganz innovativ ist dagegen Seeqpod, eine Suchmaschine für mp3-Dateien im Netz. Martin Weigert ist begeistert; für ihn ist es neben Mediamaster “der aus Usersicht bisher innovativste Web-2.0-Dienst dieses Jahres”.

Aufgewärmt wird zur Zeit (und da beteilige ich mich gerne) das 90er-Genre des Shoegazer-Pop. Jetzt hat sich aber herausgestellt, dass My Bloody Valentine gar nicht ernst gemeint war, sondern nur ein harmloser Ulk. D’oh, alles umsonst.

Kein Revival, sondern neu ist der Song “Run Away” von den Super Furry Animals, die sich mit ihrem Album “Hey Venus!” für den Scheußlichstes-Albumcover-des-Jahres-Preis bewerben. Etwas älter, aber sehr schön ist die Liveversion von “Fake Empire”, die The National in der Lettermanshow spielten. Ebenso das Video zu “Hold Music” von Architecture in Helsinki.

Die Musikindustrie dürfte allerdings angesichts dieses Urteils mal wieder ins Schwitzen kommen. Für Udo Vetter ist das immerhin “ein erster Ansatz, um die unsägliche Verfolgungsmaschinerie auszubremsen.”

Außerdem noch ein interessantes Weblog (”Architecture of Control”) zu asozialem Design, zum Beispiel über Sitzgelegenheiten, die durch ihre Gestalt Herumlungerer, Liebespaare und andere Ärgernisse unmöglich machen. Dazu nostalgische Geburtstagsgrüße zu 20 Jahren Nethack und japanische Smileys, die nicht horizontal, sondern vertikal angeordnet sind (oder war’s genau umgekehrt?). Und am Ende bekommt MC Winkel für den Gebrauch eines gebrauchten Spitznamens eine Abmahnung. Und ich hab einen Ohrwurm.

Alle Kurzmitteilungen wie immer ohne Anspruch auf Zusammenhang.

Verdammt ich will dich nicht (Matthias Reim, Sha)

2 comments July 29th, 2007

Sagt mal, wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, “Verdammt ich lieb dich” von Matthias Reim (”Männer sind Krieger“) noch einmal neu aufzulegen durch die “junge”, “heiße” und “freche” Münchener Sängerin SHA (SHA-1, SHA-224, SHA-256, SHA-384 oder SHA-512?) Auch die Tatsache, dass der Song DRM-frei herunterzuladen ist, macht das nicht besser.

Öffnungsschwierigkeiten (Unkle, A Hawk and a Hacksaw, Beirut, Wilco)

Add comment July 24th, 2007

hawk.PNGIrgendwie ist es kein Wunder, dass sich die Musikindustrie in der Krise befindet. Wenn CDs auf einmal so produziert werden, dass der Durchschnittsunklehörer nicht dazu in der Lage ist, diese zu öffnen (hier gibt es die offizielle Anleitung), werden sich digitale Vertriebswege legaler wie illegaler Art wohl in Zukunft nur noch weiter durchsetzen. Leichter zu öffnen, wenn auch musikalisch einigermaßen anspruchsvoll, ist die jüngste EP-Veröffentlichung des Leaf Labels, auf der sich acht Tracks zwischen ungarischer, serbischer, rumänischer Folklore und Klezmer von A Hawk and a Hacksaw befinden, auf denen neben dem Hun Hangár Ensemble (natürlich: aus Ungarn) auch Beirut-Musikanten mitwirken (Hörbeispiele gibt’s hier). In der New York Times äußert sich Jeff Tweedy (Wilco) sehr positiv über die Band, die er schon länger verfolgt (überhaupt: guter Musikgeschmack). Ach, und live sieht das dann in etwa so aus:

Die Sterne vom Himmel laden (The Stars)

2 comments July 11th, 2007

Heute erreicht mich eine nette Mail, in der unser fast aller Lieblingsband The Stars, bekanntgeben, dass ihr Album zwar erst am 21. September in den Läden steht, aber bereits ab heute hier heruntergeladen (für faire 8,98€) und in Ausschnitten angehört werden kann. Nach ein paar lobenden Worten für die studentischen Musikblogger, deren Arbeit nur noch schwer von der eines “Redakteurs bei einer großen Hochglanz-Illustrierten” zu unterscheiden ist, folgt dann eine kurze Bestandaufnahme der Musikindustrie gegen Ende der 00er Jahre.

Aber jetzt und hier ist diese neue, digitale Zeitrechnung am Werk und die erfordert ebenso neues, schnelleres Denken. Wir können nur hoffen, dass Ihr, mit einem klaren und legalen Download Angebot eben nicht in die nächste Filesharer Bude rennt und das Album umsonst aus dem Netz saugt, sondern dass Ihr die Mühen und das Herzblut, die wir in die Produktion dieser Platte gesteckt haben wertschätzt und Euch dafür entscheidet, die Leute, die diese Musik und diese Songs erschaffen haben zu unterstützen.

Und natürlich hoffen wir, dass Ihr mit diesen Songs genau so viel Freude habt wie wir.

Obwohl “Herzblut” für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr rockistisch klingt (in der englischen Version kommt das gar nicht vor): wir werden mit den Songs Freude haben.


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