Posts filed under 'öffentlichkeit'

Wie finde ich interessante Blogs?

2 comments August 31st, 2007

Ein wirklicher Dauerbrenner in der Blogosphäre ist die Frage: Wie finde ich interessante Weblogs? Eine der naheliegenden und nicht besonders spannenden Antworten auf diese Frage sind die diversen Blogcharts. So werden zum Beispiel in den deutschen Blogcharts Weblogs danach sortiert, wie häufig sie von anderen Weblogs verlinkt werden (ein ähnliches Modell verwendete das gerade eben geschlossene Projekt blogscout.de). Die Idee dahinter ist, dass ein Weblog umso wichtiger (die diesem Ranking zugrundeliegende Kennziffer ist die “Technorati Authority“) ist, je häufiger es von anderen Weblogs referenziert wird. Das Ergebnis sind eine Handvoll Blogs, die von sehr vielen anderen Weblogs immer wieder als Quelle zitiert werden und ein langer Schwanz von Weblogs, die nur selten Erwähnung finden. So gibt es zum Beispiel nur sechs Weblogs, die von mehr als 1000 anderen Blogs im letzten halben Jahr zitiert wurden.

Eine weitere Möglichkeit, gute Weblogs zu finden, setzt bei den einzelnen Beiträgen an. Auf Plattformen wie Digg, Yigg oder die von Robert Basic initiierten Blogperlen (wobei nur letzteres System ausschließlich Weblog-Beiträge aufnimmt) können die Nutzer interessante Beiträge einstellen (bei Rivva geschieht dies automatisch), die dann wiederum von anderen Nutzern bewertet werden. So entsteht eine Rangfolge von Beiträgen, die viele Nutzer interessant finden bis hin zu Beiträgen, die nur ein geringes Interesse finden oder gar Spam-Beiträgen, die von den Nutzern als solche markiert und dann aussortiert werden. Die entstehende Ordnung ist jedoch ständig im Fluss, so dass sich hieraus bislang noch keine einigermaßen stabile Webloghierarchie herauslesen lässt.

Die dritte Möglichkeit sind die Blogrolls. Viele Weblogs haben auf ihren Seiten eine Liste von anderen Weblogs, die sie selbst interessant finden. Hier kann man entweder nach dem Schneeballprinzip vorgehen und sich immer wieder die Weblogs ansehen, die von Blogs erwähnt werden, die man bereits regelmäßig liest. Auf diese Weise kann sich der Radius immer weiter ausdehnen, während man aber auch auf relativ unbekannte Blogs stoßen kann.

Will man sich nicht nach diesem Zufallsprinzip durch die Blogrolls klicken, bietet sich schließlich eine weitere Option an: man analysiert die Blogrolls derjenigen Blogs, die in den oben erwähnten Blogcharts einen hohen Rang einnehmen (die sogenannten “A-Blogs”). Auf diese Weise erhält man eine Liste von Weblogs, die von vielen der A-Blogger als lesenswert betrachtet werden. Ich habe probeweise einmal die Blogrolls der Blogcharts-Topten analysiert und es finden sich die folgenden Weblogs, die dort immer wieder auftauchen:

Ich habe hinter die Blognamen die Technorati-Authority in Klammern angeführt. Auf diese Weise wird deutlich, dass man es nicht mit einer bloßen Kopie der Blogcharts zu tun hat, sondern dass auch kleine und sehr kleine Weblogs von den A-Bloggern gelesen werden. Vielleicht lassen sich auf diese Weise tatsächlich interessante neue Blogs kennenlernen?

Weitere Tipps zum Thema findet man hier und hier. Einen anderen interessanten Ansatz verfolgt Stefan mit seiner Blog-Parade zum Thema “Show me your feed”, die letztlich zu einer Feed-Reader-Blogger-Map führen soll.

Irrelevanz und Selbstreferentialität - Chronologie einer Debatte

13 comments August 13th, 2007

Es ist eines der Gesetze der Blogosphäre: Wenn alte und neue Medien aufeinander losgehen, ist gute Unterhaltung garantiert. Das war schon in der Klowand-Affäre so und ist auch heute noch der Fall, wenn zum Beispiel ein Autor in der SZ über die Irrelevanz der Weblogszene extemporiert (siehe auch hier). Für alle, die erst jetzt hineinschalten, hier eine kurze Zusammenfassung des bisherigen Geschehens:

  • Samstag, 11. August
  • irgendwann Julie Paradise gibt bekannt, dass ihre FriseurIn-meets-WLan-Anekdote zum Aufhänger für einen SZ-Artikel geworden ist.
  • 9:46 Dorin Popa schimpft über den “typischen halbgaren Artikel, in denen Old-media-Autoren die Blogger zerfleischen”, der zu dieser Zeit noch gar nicht online verfügbar war.
  • morgens Christian zufolge hat der Autor “nicht im geringsten verstanden, worum es in der Blogosphäre geht: Der Leser ist heute nicht mehr auf ein umfassendes Nachrichtenangebot wie sueddeutsche.de angewiesen.”
  • Sonntag, 12. August
  • 12:41 Das Trierer Medienblog kann der Kritik grundsätzlich zustimmen, wehrt sich aber dagegen, die deutsche Blogosphäre auf die “100 prägenden Netztagebücher” zu reduzieren.
  • irgendwann Maingold rät der Süddeutschen, ihr “Top 100 Hitparadendenken” aufzugeben und mal wieder nachzuschlagen, was der Begriff “Subkultur” bedeutet.
  • ebenfalls irgendwann Die Thüringer Blogzentrale wirft ein schönes Zitat von Paul Klee in den Ring, nach dem es mit der Kunst wie mit dem Arabischen sei: “wenn man es nicht beherrscht, versteht man es auch nicht”.
  • 15:23 Retroaktiv wendet sich direkt an die SZ, wirft ihr ihre “wirren Thesen” vor und wirbt für eine friedliche Koexistenz zwischen Feedreader und Printpresse.
  • 16:15 Püttagoras meint, auch vier bis fünf Leser seien eine relevante Öffentlichkeit.
  • 16:36 “Schulterzuck” ist die erste Reaktion von Robert Basic auf den SZ-Artikel, bevor er dann dann seinerseits einem Teil der Printpresse (besonders dort, wo es um Computer geht) Irrelevanz unterstellt und abschließend der bedrohten Gattung des Journalisten noch ein paar mitfühlende Worte ausspricht.
  • 19:00 Die medienlese berichtet in ihrem Wochenrückblick über den Artikel und lobt das “spitzenmäßige” Wortspiel im Titel des Artikels.
  • 22:29 Neunzehn72 wirft dem Autor vor, das “Medium Internet und speziell die Blogs” gar nicht zu verstehen.
  • Montag, 13. August
  • 1:02 Ich bastle einen kleinen SZ-Ehrenbutton.
  • 6:09 Peter Hogenkamp erklärt in seinem Artikel ein paar Dinge wie den Long Tail der Blogosphäre oder die chronologische Anordnung in Weblogs, die in dem Artikel fehlen bzw. falsch dargestellt werden.
  • 8:27 “Irrevelant und Spaß dabei” wird das Blogmotto für diese Woche, erklärt der Webrocker.
  • irgendwann Der in dem Artikel zitierte Soziologe Jan Schmidt fühlt sich missverstanden und unterscheidet zwischen massenmedialen und persönlichen Öffentlichkeiten.
  • 9:02 Auch Stefan Niggemeier meldet sich jetzt zu Wort und veröffentlicht einen Brief an den Urheber, muss sich aber bemühen, “nicht polemisch zu werden angesichts der Diskrepanz zwischen der Überheblichkeit und Selbstwahrnehmung der „Süddeutschen Zeitung” und der Realität ihrer Berichterstattung im und über das Internet”.
  • 13:52 Thomas Gigold meint in der Blackbox WWW, dass der Artikel ein übliches Beispiel für die deutschen Journalisten sei, die sich immer mal wieder gerne “nach Herzenslust an der kleinen, unbedeutenden Blogwelt Deutschlands” auslassen.
  • 14:42 Frank Schrillmeier schweigt wortgewandt, “weil Relevanz zeigt, dass man gewisse Dinge, die generalisiert sind, nicht verhandeln muss.”


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