Das Netlabel Wandering Ear hat sich mittlerweile einen guten Ruf für seine feinen Fieldrecordingreleases erarbeiten können. Gerade eben ist die siebte Veröffentlichung herausgekommen: “Edges: An Audio Portrait” von Lance Olsen. Darin begibt sich der Künstler auf die Spuren der Geschichte des Nanaimo Harbour auf Vancouver Island (Kanada). Das Album gibt es auf der Labelseite entweder komplett oder in einzelnen Tracks zum Herunterladen. Wie die anderen Releases steht auch “Edges” unter einer CC-Lizenz.
Nicht umsonst, sondern für 3 EUR erhältlich ist “The Hidden” von Mike Johnston (Bass, Shenhai, Flöte), Mike Gilmore (Vibraphon, Marimba, Saz, Guzheng, Percussion), Mike Khoury (Violine) und Kirk Lucas (Cello). Johnston und Gilmore entstammen der 70er und 80er Improjazz-Szene in Michigan und treten hier unterstützt von Khoury und Lucas als Kammerensemble auf. Diese Platte verbindet das avantgardistisch-improvisierte Jazz-Grundgerüst mit Einflüssen aus Asien, dem Nahen Osten und Afrika. Zwei Stücke daraus können auf dem Hidden-MySpace angehört werden.
“Hymne ist ja zunächst mal eine ganz bestimmte From des inhaltlichen Wollens.” So fängt der Begleittext zum Nationalhymnenprojekt von monochrom an. In diesem Projekt, dessen Videoaufzeichnungen nun online verfügbar sind, unternehmen die Künstler eine musikalische Reise, auf der sie die ganze Welt von A–Z durch ihre Hymnen betrachten. Und wozu das ganze? “Zum besseren Verständnis der österreichischen Identität.” Gleichzeitig wird auch der flüchtige Charakter der Nationalhymnen klar, denn:
Hymne ist Wehen. Sie ist der Wind, das Element, das alle anderen Elemente berührt, indem es quasi mit ihnen flirtet. Wind ist ja nicht sesshaft.
Außerdem empfehlenswert: Dieses Video mit ausgewählten Bildern von Cindy Sherman, deren Arbeiten zur Zeit im Berliner Martin-Gropius-Bau ausgestellt sind [via 5F]. Und dann noch dieser neue Clip der kanadischen Indieband The Besnard Lakes zu ihrem Song “For Agent 13″. Schließlich: diese Bildersammlung mit Schnappschüssen von dem Pitchfork Music Festival. Auf den polaroiden Bildern unter anderem: Girl Talk, GZA, Steve Malkmus (von den mittlerweile zu 40% reunierten Pavement), Of Montreal (hier das Video dazu), Jamie Lidell, De La Soul, Kim Gordon, Cappadonna, Voxtrot, Grizzly Bear. Wow. Da bleibt mir die Luft weg.
Während einem hier nichts anderes als Schwitzen übrigbleibt, passiert woanders die Welt: Die Lebensmittelpreise steigen weltweit in einem beunruhigenden Maß, sagt der Internationale Währungsfonds. Das bedeutet: in Zukunft sollte man seine Ernährung umstellen auf Luft und Liebe. Da kommen doch diese Icons gerade recht, mit denen Gregory M. Dizzia seine Beziehungen in den letzten 23 Jahren grafisch darstellt. Und auch der Flickr-Protest des Schockwellenreiters geht weiter und setzt auf sommerliche Motive und Bekleidungsformen. Eine Variante ist das: auf Spreeblick wird seit gesterngetanzt (und René ist im Gegensatz zu den ganzen “Deltakommentatoren” begeistert davon). Ob Slow à la David Michalek, Samba oder Boogie Woogie, weiß ich allerdings nicht. Wichtig ist, dabei den richtigen Text zu wissen, insbesondere die Steigerungsform von Kraftausdrücken (meint Volker Pispers). Aber auch das Popuniversum schläft nicht, sondern spricht zu uns (wenn es nicht gerade seine Neuerscheinungen verschenkt wie Prince das tut). Denn unser aller Lieblingsband Animal Collective hat dem portugiesischen Radiomagazin Máfama ein Interview gegeben als sie in Lissabon für ihre Sommertournee geprobt haben. Coast Is Clear empfielt die NuGazer das neue Material von Airiel: “sehr knackig, aber von vorne bis hinten gelungen.” Und bevor ich’s vergesse. Auch in “Helsinki” wird dank Concerts a emporter getanzt. Der Beweis:
Ex-Longpigs- und Ex-Pulp-Gitarrist Richard Hawley wird am 20. August sein neues Album “Lady’s Bridge” veröffentlichen. Bereits jetzt gibt es eine schöne klassizistische, Morrissey- bis Roy Orbison-inspirierte Popsingle mit dem klasse Titel “Tonight The Streets Are Ours” beziehungsweise das dazugehörige Video.
Heute erreicht mich eine nette Mail, in der unser fast aller Lieblingsband The Stars, bekanntgeben, dass ihr Album zwar erst am 21. September in den Läden steht, aber bereits ab heute hier heruntergeladen (für faire 8,98€) und in Ausschnitten angehört werden kann. Nach ein paar lobenden Worten für die studentischen Musikblogger, deren Arbeit nur noch schwer von der eines “Redakteurs bei einer großen Hochglanz-Illustrierten” zu unterscheiden ist, folgt dann eine kurze Bestandaufnahme der Musikindustrie gegen Ende der 00er Jahre.
Aber jetzt und hier ist diese neue, digitale Zeitrechnung am Werk und die erfordert ebenso neues, schnelleres Denken. Wir können nur hoffen, dass Ihr, mit einem klaren und legalen Download Angebot eben nicht in die nächste Filesharer Bude rennt und das Album umsonst aus dem Netz saugt, sondern dass Ihr die Mühen und das Herzblut, die wir in die Produktion dieser Platte gesteckt haben wertschätzt und Euch dafür entscheidet, die Leute, die diese Musik und diese Songs erschaffen haben zu unterstützen.
Und natürlich hoffen wir, dass Ihr mit diesen Songs genau so viel Freude habt wie wir.
Obwohl “Herzblut” für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr rockistisch klingt (in der englischen Version kommt das gar nicht vor): wir werden mit den Songs Freude haben.
Im September gibt es gleich zwei Veröffentlichungen des Berliner Zeitkratzer-Ensembles um Reinhold Friedl auf dem Asphodel-Label. Zum einen die 2002er Aufführung von Metal Machine Music, dem avantgardistischen Noise-Werk von Lou Reed aus dem Jahr 1975, das damals eigentlich nur missverstanden wurde und nach drei Wochen vom Markt genommen wurde. Die überwiegend elektrische MMM wurde nun von den Zeitkratzern in eine Kammermusik-Variante übertragen. Mit der zweiten Veröffentlichung “Xenakis [a]live!” verbeugen sich Friedl und das Zeitkratzer-Ensemble vor dem griechischen Komponisten und Electronica-Pionier Iannis Xenakis (1922-2001). Auch hier bestand die größte Herausforderung darin, die elektronisch erzeugten Studio-Sounds mit den Mitteln klassischer Instrumente neu zu erfinden. Leider konnte ich keine Videos der Stücke finden, stattdessen aber dieser Mittschnitt vom Etnafest im Januar:
Ohne größeren Wirbel zu verursachen, hat der deutsche Popelektroniker Ulrich Schnauss sein neues Album “Goodbye” veröffentlicht. Damit kann die Trilogie, die mit “Far Away Trains Passing By” begonnen hat und mit “A Strangely Isolated Place” fortgeführt wurde, abgeschlossen gelten. Das neue Album hat Schnauss in relativer Abgeschiedenheit in seiner Heimatstadt Kiel aufgenommen. Ein Stilmittel, das er damit perfektioniert hat, ist das Übereinanderschichten von unzähligen Audiospuren um eine gewaltige Orchestralität zu schaffen - Eric Schneider spricht von einer “more-is-more aesthetic”, die sich nicht so sehr an dem Dancefloor, als vielmehr an Shoegazerbands wie My Bloody Valentine, Chapterhouse oder M83. Aber zugleich bewahrt er sich eine Leichtigkeit, so dass man sich dennoch nicht erschlagen fühlt.
Der britische Aktionskünstler Genesis P-Orridge (bürgerlich: Neil Andrew Megson) hat nun mit seinem subversiven Voice-Dub-Experiment Thee Majesty (zusammen mit Bryin Dall) eine neue Platte (”Vitruvian Pan“) veröffentlicht. Ein paar (leider viel zu kurze) Ausschnitte können auf Brainwashed angehört werden.
Nun ist es passiert, die ersten Tracks des neuen Animal Collective-Albums “Strawberry Jam” wurden an irgendeinem verlassenen Strand des Internet angespült. Pat von Pop Tarts hat dort zwei Songs mit den Namen “Fireworks” und “#1″ aufgelesen. Unfall oder virales Marketing? Egal, die Songs sind klasse. Und ein Video gibt’s anscheinend auch schon zu “Fireworks”:
Am Freitag ist es soweit und die Frage nach dem König des New Yorker Indierock (Interpol, The Strokes, Walkmen, The Yeah Yeah Yeahs) bekommt wieder neues Material. Wer sich selbst eine Meinung in dieser alles entscheidenden Frage bilden will, kann hier das neue Interpol-Album “Our Love to Admire” in Solala-Qualität durchhören oder hier ein paar Liveversionen der neuen Songs sehen.