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Kanadaserie, Platz 10: The Most Serene Republic

3 comments August 7th, 2007

kanada_10.pngWorin liegt die Magie der Indiebands, die seit einigen Jahren von Kanada aus die Welt des Indiepop tüchtig umkrempeln. Es scheint, als könnten Musiker, die im Norden Amerikas aufgewachsen sind, besonders schwerelos, gleichsam en passant die Koordinaten des Indiesystems neu ausrichten. Ich möchte mich im POPLOG die nächsten zehn Tage auf eine Entdeckungsfahrt durch dieses Land begeben, dessen Fabelwesen vom neunköpfigen Musikerkommune bis zum Geigenrocker mittlerweile auch im fernen Deutschland immer bekannter werden, dessen grundlegende Geographie jedoch noch nicht vermessen scheint. Was ist kanadischer Indierock? Gibt es das überhaupt? Worin unterscheidet er sich von seinen südlichen oder europäischen Schwestern? Lässt sich eine derartige popmusikalische Kulturkreislehre überhaupt an so unterschiedliche Bands wie Arcade Fire und Death From Above 1979 anlegen? Oder muss man den genialen Individuen Respekt zollen, die sich hier rein zufällig eingefunden haben? Sind es gar Labels wie Arts&Craft oder Maple Music, die durch ihre Nachwuchsarbeit ihren Beitrag zu einer vibrierenden Szene leisten? Oder vielleicht sogar Organisationen wie die CIRPA? Wahrscheinlich werden am Ende gar keine Antworten auf diese Fragen stehen, sondern nur viele weitere Fragen. Aber ein Anfang ist dann vielleicht gemacht.

msr.pngNun aber zur heutigen Band, die ich auf Platz 10 meiner höchst subjektiven und wahrscheinlich viel zu spontan hingekritzelten Top Ten-Liste gesetzt habe: The Most Serene Republic aus Milton, Ontario. Die Stadt zählt gut 50.000 Einwohner und liegt eine gute halbe Autostunde westlich der Provinzhauptstadt Toronto, also ziemlich im Westen des Landes, am Rande des Niagara Escarpment (siehe Karte). Obwohl die Stadt Anfang des 21. Jahrhunderts dadurch Aufmerksamkeit erregen konnte, die am stärksten wachsende Gemeinde Kanadas zu sein, scheint in der Stadt gerade so viel los zu sein, dass The Most Serene Republic es im Miltoner Wikipedia-Eintrag unter die 14 wichtigsten Persönlichkeiten gebracht hat (u.a. neben Ron Featherstone, dem ersten Heizungselektriker Ontarios). Die Band trat 2004 mit ihrem Debütalbum “Underwater Cinematographer” in Erscheinung, das dann 2005 neu abgemischt und auf dem Arts & Craft-Label neu veröffentlicht wurde (auf der Homepage kann man alle Tracks anhören). Bei den Kritikern fand das Album überwiegend Lob, obwohl es für ein Debüt bisweilen als “too complex, too inquisitive, and too ambitious” (allmusic) wahrgenommen wurde. Aber zugleich als wohlwollender nerdiger Kontrast zu den anderen, eher hippiesquen A&C-Band: welche Indieband stattet ihre Platte schon mit Prolog und Epilog aus? Ryan Dombal bemerkt für Pitchfork treffend, dass “lead singer and trombonist Adrian Jewett has a thin, high-pitched delivery that sounds like an uber-stereotypical Trekkie singing latter-day Flaming Lips after one and a half Amstel Lights at the local suburban Toronto karaoke night.” 2006 erschied dann eine weitere EP (”Phages”), die sie während ihreren Tourneen mit Broken Social Scene, den Stars, Feist und The Strokes aufgenommen hatten, und am 2. Oktober soll mit “Population” das lang ersehnte zweite Album erscheinen. Die Musik der Band setzt zwar auf breite Gitarrenmauern, die aber immer wieder durch jazzige Passagen, Bläser oder ein kanonartiges Gewirr von Gesangslinien, wie es auch Animal Collective gerne einsetzen, durchbrochen werden. Aber sofort erkennt man The Most Serene Republic an ihrem Schlagzeuger, der mit hyperschnellen, an Drum and Bass oder IDB erinnernden Beats in die Lieder kracht und mit unregelmäßigen Takten und wechselnden Tempi die Komplexität der Musik steigert.

population.pngImmer wieder tauchen bei ihnen Referenzen auf ihre Heimatstadt auf: nicht nur spielen sie regelmäßig dort (zum Teil auch umsonst), sondern sie behaupten auch noch, dass ihre Musik von den “sprawling suburbs” in Milton beeinflusst sei. Und ab und zu meint man tatsächlich, diese Flachheit aus ihrer Musik herauszuhören, in der immer wieder neue Ideen ausprobiert, neue Wege eingeschlagen werden. “Sherry and her Butterfly Net”, der erste Track des neuen Albums (kann auf MySpace angehört werden oder hier als mp3, via), beginnt mit den immer wieder gern gehörten Orchesterprobensounds, darauf folgt ein verhalltes Pianointro und endlich der eigentliche Beat, eine recht schnelle Rocknummer mit Gitarrenwänden, die an Oasis erinnern. Aber diese straighten Elemente werden immer wieder unterbrochen durch synkopische Rhythmen und volksliedhaft deklamierte Gesangssequenzen. Man benötigt eine ganze Weile, um die Beziehungen der einzelnen Teile zueinander zu entschlüsseln. Erst mit etwas Abstand sieht man die gar nicht zufällige, sondern brilliant durchdachte Architektur dieses Songs. Das gefällt mir so gut, dass ich dieser Band unbedingt einen Platz in den Top Ten geben musste.

Auch meine Blogger-KollegInnen können die Ankunft des neuen Albums kaum mehr erwarten: PJ schwärmt von diesem “hug rush”, den ihm der Track gibt, während Matt zu dem Ergebnis kommt “well, it’s completely awesome” und auch The Sky Was Candy kann nur noch feststellen: “Whoa this is good!” Kate fasst in The Glorious Hum zusammen: “So direct, unfolding, the first sung words are “Play this song.” The result is breathtaking, but I can’t describe it, hearing it is a must. I can’t wait for the album.”

Zum Abschluss noch ein paar bunte Bilder aus dem Video zu “Content Was Always My Favorite Color” von ihrem ersten Album:

Sensu strictu - sensu lato (Patrick Watson)

Add comment August 2nd, 2007

Ist mit Patrick Watson die vierköpfige Band aus Montreal (woher sonst) gemeint, die 2006 mit ihrem Album “Close to Paradise” auf einen Schlag in die Szene platzten? Oder ist Patrick Watson der immer wieder an Jeff Buckley, manchmal auch an Rufus Wainwright erinnernde Sänger und Hauptsongwriter dieser Band? Vielleicht könnte man sich in diesen Fällen ja darauf einigen, im ersten Fall von Patrick Watson sensu lato zu sprechen und im zweiten von Patrick Watson sensu strictu?
Wie auch immer, mittlerweile haben sich Patrick Watson einen hervorragenden Ruf erspielt, was sich auch in auch ihrer Zusammenarbeit mit Künstlern wie Phillip Glass, Steve Reich, Feist, den Dears, den Stills oder dem Cinematic Orchestra widerspiegelt. Jetzt ist er sogar neben unter anderem Arcade Fire, den Besnard Lakes und Feist für den Polaris Musikpreis nominiert und die Chancen stehen gar nicht so schlecht, wenn man diesen Kommentatoren glauben will.
Wer sich selbst davon überzeugen will, kann hier die beiden Songs “Luscious Life” (eine synkopische Hymne mit kurzen Erinnerungen an Robert Plant und einem unglaublich schönen leitmotivischen Riff) und “Giver” (eine orchestrale Breitwandballade mit einigen schönen Kunstgriffen) als mp3-Dateien anhören. Auf MySpace gibt’s dann noch einmal drei weitere, so dass man damit schon einmal die halbe letzte Platte im Ohr hat.
Was sagen die anderen? Die Blogistin schwärmt von der “herzzerreissend schönen Stimme”; Patricia von Pop Montreal fragt: “Is Patrick Watson the cream of the indie crop?” Toolfarm lobt das “gorgeous video” und die elben seiten zitieren den NME mit den Worten: “Patrick Watson is the kind of talented bastard that gives the impression he hasn’t even started to show us what he’s capable of”. Genug gesagt? Hier das gerade erschienene Video (via stereogum) zu Luscious Life - definitiv einer meiner Sommertracks, liebe Stagediven.

Ach ja, und morgen ist er auf dem Festival in Haldern zu Gast.

Hilfe, die Hippies kommen (Devendra Banhart, Jim Morrison, Animal Collective, The Doors, The Strokes)

1 comment July 30th, 2007

banhart.jpgMit dem Animal Collective, die übrigens wieder neue Erdbeerschmierereien veröffentlicht haben, hat es die amerikanische Postfolk-Bewegung mittlerweile bis in die oberen Ränge der Kritikercharts geschafft. Etwas im Schatten dieser Band steht jedoch der erst 26jährige Songwriter und Dichter Devendra Banhart, der “Gandalf of the Nu Beardie movement“. Am 25. September erscheint unter dem ebenso bildmächtigen wie kuriosen Titel “Smokey Rolls Down Thunder Canyon” seine neue Platte. Aber er hat versprochen, bis zum Herbst jeden Freitag neue Tracks auf seine Homepage zu stellen, so dass man sich bereits jetzt einen Eindruck von seinem neuen musikalischen Arbeitsprogramm machen kann. Schon jetzt kann man die rockige Nummer “Tonada Yanomaminista” anhören, die nicht nur durch den spitzen Schlussschrei einige Anleihen bei Jim Morrison und den Doors macht. Außerdem die Tiefe-suggerierende Pianonummer “Rosa” (auch diese ist gar nicht so weit entfernt von den “People are strange”-Doors). Die Musikbloggerszene zeigt sich überzeugt von diesen Appetithäppchen: “Really, nicely played Devendra”, schreibt das prefixmax und wünscht sich, die Strokes hätten mit ihrem letzten Album eine ähnliche Entwicklungsfähigkeit demonstriert; So Indie it hurts ist der Meinung, “these new songs make my love him even more”; Yiyo (Deaf Indie Elephants) ist besonders angetan von dem Titel: “como me agrada ese título”; aber nicht nur in Caracas, sondern auch in Münster findet man das Material “ausgesprochen gut”; und Gorilla vs. Bear meditiert über die Frage, was daran denn Space Reggae sein soll.

Tracklist (von Stereogum):

  1. Cristobal
  2. So Long Old Bean
  3. Samba Vexillographica
  4. Seahorse
  5. Bad Girl
  6. Seaside
  7. Shabop Shalom
  8. Tonada Yanomaminista
  9. Rosa
  10. Saved
  11. Lover
  12. Carmencita
  13. The Other Woman
  14. Freely
  15. Remember
  16. My Dearest Friend


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