Posts filed under 'mp3'

Ein Junge, den ich nie kannte (The Cure)

1 comment October 25th, 2007

cure.png“Jemand sehr nettes und großzügiges” hat fragmente die Aufnahme eines neuen Songs von The Cure zur Verfügung gestellt. Der Song den sehr Cure-igen Titel “A Boy I Never Knew” und lässt sich als traurige, monoton-expressive Midtemponummer bezeichnen - was über einen Cure-Song wohl nicht besonders viel aussagt. Aber immerhin wird Robert Smith persönlich mit der Bemerkung zitiert, es handle sich hier um einen der depressivsten Lieder, die er je geschrieben hat. Wer den Text nachlesen will, kann das bei Gone With My Wind tun, hier eine kurze Kostprobe:

I’d love to watch him dream, love to see him sleep
To have his arms around me, feel him as he breathes
Hold his hands in mine, sense his perfect trust
I’d give all I ever had for a moment of his love

Das Stück wurde anscheinend bereits für die letzte Platte “The Cure” (2004) aufgenommen, hat es aber nicht mehr auf das Album geschafft. Daneben gibt es auch noch einen Videomitschnitt davon (mit enttäuschender Tonqualität):

Preismechanismus (Radiohead)

Add comment October 1st, 2007

radiohead.png

Der Preis wird in einer Marktwirtschaft durch den Preismechanismus von Angebot und Nachfrage bestimmt. Der zu einem Marktgleichgewicht führende Preis wird als Marktpreis oder Gleichgewichtspreis bezeichnet. Preise entstehen in einer Marktwirtschaft jedes Mal, wenn Käufer und Verkäufer einen Vertrag über den Austausch eines Gutes (einer Ware, Dienstleistung, Forderung etc.) schließen wollen. (Wikipedia)

Von wegen. Das neue Radiohead-Album “In Rainbows“, das ab dem 10. Oktober als Download erhältlich sein wird, kostet nicht mehr oder nicht weniger als man selbst dafür ausgeben will. (via)

Sing mir von der Dialektik der Natur (The Mekons)

Add comment September 10th, 2007

mekons.pngDie Band The Mekons (Fansite) wird in der deutschsprachigen Blogosphäre bislang zu Unrecht ignoriert. Dabei ist nicht nur die geographische Vergangenheit der Band einigermaßen ungewöhnlich - begonnen haben sie als Punkband in Leeds, sind aber mittlerweile nahezu vollständig nach Chicago ausgewandert, sondern auch in ihren Texten zeigen sie eine beeindruckende Denkfreude und reflexive Distanz zu sich selbst und der eigene. Dies zeigt schon ihre erste Single “Never been in a Riot”, mit der sie sich über die naive Aggro-Haltung von The Clash (”White Riot“) lustig machten. Dies zeigt auch ihr aktuelles Album “Natural“, in dem sie auf musikalischem Weg die fundamentale Ambivalenz der Naturvorstellungen erforschen: auf der einen Seite das romantische Bild der Natur als Spiegel menschlicher Gefühlsregungen und als Ort der elementaren Geborgenheit und auf der anderen Seite die aufklärerisch-modernistische Idee der Natur als Gegner, Feind des Menschen, die es zu überwältigen, ordnen oder gar vernichten gilt (vgl. die Idee des “Gärtnerstaats” von Zygmunt Bauman): “the forces of nature recoiling at the sight of man’s folly and fighting back, then sifting through the wreckage of civilization” beschreibt Joshua Klein diese Haltung treffend. Zum Beispiel in dem Opener “Dark, Dark, Dark” (hier anzuhören):

The twisted trees sing
Dark, dark, dark
Broken branches hidden
Far down below

Die Reviewer, die den neuen “organischen” Sound der Mekons in den Vordergrund stellen, verpassen diese kunstvoll gesetzte Pointe, die sich aus dem Widerspruch zwischen den floralnaturistischen Hippiemelodien und der düster-pessimistischen Natur-Angst der Texte ergibt.

Now we sit and shiver
Watch the cold roll of the water
We wait for fire and in the night
The black mountain above the lake
The image is still…like a perfect mirror

So heißt es zum Beispiel in dem Song “Perfect Mirror”, einem Höhepunkt des Albums. Selten hat eine Popband derart eloquent die gesamte Dialektik der Natur als Ausgangspunkt genommen und nicht nur eine der beiden Seiten. Einen Track des Albums, “Dickie, Chalkie and Nobby” gibt es hier schon einmal zum Download als mp3. Dazu empfehle ich eine Fotografie von Myoung Ho Lee als visuelle Komponente.

Sonntagslächeln (Beirut, Owen Pallett, A Hawk And A Hacksaw)

Add comment September 1st, 2007

beirut.pngKaum jemand kann so schaurig-schöne Sachen im Dreivierteltakt produzieren wie Beirut-Songwriter Zach Condon. Die ersten Stücke der neuen Platte “Flying Club Cup”, die nun in der Blogosphäre auftauchen, versprechen viel Gutes (das ganze Album kann übrigens hier vorgehört werden [via]). So zum Beispiel der angenehm betrunken wirkende Heimorgel-Trompetenchanson “A Sunday Smile” (hier als mp3), eine “nice, rather simple introduction to the French sounds of The Flying Club Cup“. Denn für dieses Album hat sich Condon nach Frankreich begeben, um in jedem Song eine andere Stadt des Hexagons zu evozieren. Mit dabei sind auch Owen Pallett von Final Fantasy/Arcade Fire (hier noch ein Schnippsel von einem Livekonzert) und Heather Trost von A Hawk And A Hacksaw.

Diesen Herbst kommen Beirut dann nach Deutschland um ihr neues Werk vorzustellen:

  • 19. November: Hamburg, Fabrik
  • 20. November: Köln, Kulturkirche
  • 21. November: München, Elserhalle
  • 22. November: Schorndorf, Manufaktur

Und so sieht es dann so aus, wenn Zach Condon mit dem Kocani Orkestar auf der Bühne loslegt (via):


#60.9 - 60.10 - Zach Condon feat. Kocani Orkestar - Sunday
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Neue Musikplattform gestartet (Justaloud)

2 comments September 1st, 2007

justaloud.pngGerade eben ist eine neue Musikvertriebsplattform an den Start gegangen: Justaloud (ein Projekt von edelight). Der Selbstbeschreibung nach geht es hier um eine “unabhängige Musikplattform auf der die Community den Preis der Songs bestimmt. Außerdem ist Justaloud ein Treffpunkt für Musiker und ihre Fans.” Das soll so ablaufen: der oder die KünstlerIn meldet sich (kostenlos) an und lädt ein paar Songs auf die Seite, die er darüber hinaus auch noch selbst gestalten kann. Der Preis für den Kauf eines Songs beginnt bei 0c und steigt dann mit jedem Einkauf bis 99c. Davon bekommt der Künstler nach Abzug von Steuern etc. 85%. Neben einem Blog gibt es auch noch einen Justaloud-eigenen TV-Kanal, auf dem man sich Interviews von Captain Karachoo mit diversen Stars wie Michelle Darkness, Revolverheld und Udo Lindenberg.

Solo für Gesang und Schlagzeug (Nina Nastasia, Jim White)

Add comment August 31st, 2007

nastasia.pngObwohl die neuen Stücke der New Yorker Singer-Songwriterin Nina Nastasia (MySpace) auf “You Follow Me” aufgrund ihrer Instrumentierung zunächst recht einfach und transparent klingen (zu hören sind in erster Linie Gesang, gezupfte Gitarre und Schlagzeug), verbergen sich hinter dieser Einfachheit unglaublich komplexe Arrangements. Schlagzeuger Jim White, bekannt durch seine Arbeit in der australischen Experimentalband Dirty Three oder zusammen mit weirden Country/Folk-Künstlern wie Will Oldham oder Smog, ist nicht nur Begleitung, sondern neben dem an manchen Stellen atemberaubenden Gesang von Nastasia eigentlich als Solist anzusehen (”he alternately sounds like rolling thunder, fluttering birds’ wings, and everything in between” schreibt Brandon Lichtinger dazu). Er verschafft den Stücken immer wieder die nötige Tiefe, um aus schönen Folksongs merkwürdig ernste Folk-Kraut-Psychedelika zu formen. Dieser Kontrast ist ein Erlebnis: “Ausdrucksstark wirbelt, schleicht und stolpert Jim White um Nina Nastasia herum” beschreibt die Wirkung recht treffend. Martin Büsser bezeichnet das Werk als “Eine wirklich bewegende, aber wohl auch zum Geheimtipp verdammte Veröffentlichung.” Wer sich bewegen lassen möchte, kann sich “I Write Down Lists” schon einmal als mp3 herunterladen (via).

Tracklist:

  1. I’ve Been Out Walking
  2. I Write Down Lists
  3. Odd Said The Doe
  4. The Day I Would Bury You
  5. Our Discussion
  6. In The Evening
  7. There Is No Train
  8. Late Night
  9. How Will You love Me
  10. I Come After You

Erschienen am 1. Juni 2007 bei Fatcat.

Rock’n'Roll-Lyrik (Murder Mystery, Interpol)

Add comment August 17th, 2007

Ist der Song “What My Baby Said” in Wirklichkeit eine Interpol-Persiflage? Oder doch nur der Versuch, sich an den Erfolg der New Yorker Pathosgruppe zu hängen? Auf jeden Fall klingt “Did I Tell You What My Baby Said?” von Murder Mystery (ebenfalls aus New York) dem Interpol-Hit “The Heinrich Maneuver” zunächst in Rhythmus und Harmonie sehr ähnlich, statt den bedeutungsschwangeren Zeilen von Paul Banks gibt es hier jedoch flockigste Girl-meets-Boy-Rock’n'Roll-Lyrik. Auch die anderen Songs des kommenden Debüts “Are You Ready For The Heartache Cause Here It Comes” sind hörenswert: die entfernt an die Inspiral Carpets erinnernde Synthnummer “Love Astronaut” (mp3) sowie das swingende “Honey Come Home” (mp3).

Kalifornien nach der Reform (Bodies of Water)

Add comment August 17th, 2007

bow.pngWenn es einen Preis für das weirdeste Bandfoto gäbe, ich würde sofort die Bodies of Water vorschlagen. Wann hat man das letzt Mal eine Band gesehen, die sich im ausgewaschenen “Barcelona 1992″-Tee oder in einem roten Synthetikbody, der noch aus dem Grundschulsportunterricht zu stammen scheint, präsentiert? Die vier Musiker aus Kalifornien würden in der Vorabendserie “Unterwegs mit den Hartz-IV-Kontrolleuren” nicht besonders auffallen: “Diese große Geige da mit den acht Schnüren drauf. Gehört die Ihnen? Spielen Sie überhaupt Geige? Oder hat die Ihre Freundin hier vergessen? Sie leben doch gar nicht getrennt, oder?” Aber irgendwie passt das Äußere der Band recht gut zu ihrer verschrobenen Musik zwischen 60er-Jahre-Spaghettiwestern (Aah-aah-aah-aah-aah-aah) mit Dancing Queen-Einflüssen in “Doves Circle the Sky” (mp3) den merkwürdigen Mischungen aus hymnischen Pop und 60s Folk in “We Are Co Existors” (mp3) oder dem Abba-Gospelsong “These Are The Eyes” (mp3). Eine schöne Folge von Songs über “peace, love, and pop music“. Was ich allerdings nicht ganz nachvollziehen kann: die Vergleiche dieser Gospelrocker mit Arcade Fire. Auf ihrer Homepage gibt es einige Skurilitäten zu sehen: von Davids beruflichem Werdegang über geschmackvolle Animationen bis hin zu diversen Familienfotos. Bislang beschränkt sich ihr Aktionsradius leider auf Kalifornien (sie spielen dort unter anderem zusammen mit Karl Blau und John Vanderslice), aber die Platte “Ears Will Pop and Eyes Will Blink” ist in den üblichen Musikportalen bereits verfügbar. Und hier sind sie live (via):

Ein Jahrtausend geht zu Ende (The 1900s)

Add comment August 17th, 2007

19001.pngSchon wieder eine siebenköpfige Neohippiekommune? Wird das Wir-sind-ein-Kollektiv-Denken (eine Gruppe von “old friends, lovers and ex-lovers“) langsam zur Masche? Das könnte man zumindest denken, wenn man auf die Homepage der Chicagoer Band The 1900s (Myspace) blickt. Die Einzelbeschreibungen der Bandmitglieder wirken leider ein bisschen billig. Da steht dann zum Beispiel über den Schlagzeuger: “Banging things since ‘77, moved to drums in ‘89″. Vielleicht ist das aber auch nur ein ganz merkwürdiger Humor. Dafür klingen ihre Songs aber wirklich nett, zum Beispiel “Bring the Good Boys Home” (mp3) von ihrer ersten EP “Plume Delivery” oder “When I Say Go” (mp3) von ihrem Debütalbum “Cold & Kind”, das am 2. Oktober 2007 erscheinen wird. Stereogum hat noch zwei weitere Songs auf Lager, darunter “Two Ways”, einem schönen Velvet Underground-Rocker mit Vintage-Hammond-Sound, Federhall und feinem mehrstimmigen Gesang (einen weiteren Song gibt’s hier). Noch sind sie noch nicht dort angekommen, aber die “1900’s are a group which can develop into something magical like Galaxie 500 did back in the 80’s, so if you have the patience to watch them develop, I think you will be pleasantly surprised in the outcome”, meint A Beef Sandwich.

Kanadaserie, Platz 2: Arcade Fire

1 comment August 15th, 2007

kanada_2.pngBühne frei für den Zweitplatzierten meiner kanadischen Indie-Top-Ten: die phänomenalen Arcade Fire. Wie unsere beiden vorangegangenen Bands stammt auch dieses siebenköpfige Rockorchester - Sänger Win Butler, seine Frau Régine Chassagne, Richard Reed Parry, der Bruder des Sängers William Butler, Tim Kingsbury, Sarah Neufeld und Jeremy Gara - aus Montréal in der französischsprachigen Provinz Québec. Eigentlich gibt es über diese Band gar nicht mehr viel zu erzählen, galten sie doch als Speerspitze der “canadian invasion” und veröffentlichten Anfang März dieses Jahres mit “Neon Bible” das absolute Konsensalbum des modernen Indierock. So zierten sie dann auch die Cover der einschlägigen Musikzeitschriften und erreichten dadurch sogar bei den musikalisch eher unbedarften frappacinoschlürfenden Bahnhofskiosksbesuchern zumindest einen unterbewussten Bekanntheitsgrad.

af1.pngDie große Leistung von Arcade Fire kann man eigentlich gar nicht genug würdigen, denn sie haben es mit diesem Album geschafft, trotz der hohen Erwartungen, die sich nach dem Vorgänger “Funeral” bei den Kritikern angesammelt hatten, wieder eine Platte herauszubringen, die von einer großen, wirklich überwältigenden Zahl von Rezensenten Lobeshymnen auszulösen. Dazu gehört natürlich auch die immer wieder von der Band demonstrierte Haltung, sich nicht ausverkaufen zu wollen, sondern der U2isierung des Indiepop irgendwie auszuweichen:

I don’t know if U2 started it, or The Stones or Oasis but a lot of bands think in terms of: ‘I’m going to be the biggest band in the world. Fuck all those bands who’ve got no ambition’. I think that’s a total crock of shit. (zitiert nach Intro)

Normalerweise müssten bei solchen Äußerungen spätestens seit der Kommerzialisierung von Kurt Cobain selig die Alarmglocken läuten. Nicht so bei Arcade Fire. Denn ihre Musik ist einfach so brilliant, dass man ihnen wahrscheinlich alles verzeihen würde. Bei anderen Künstlern gibt es manchmal so eine Art Beißhemmung. Man sagt: Klar, die Ablehnung des Kunstbetriebs, die sich hier zeigt, ist genau die raffinierte Version der Ausbeutung durch die Industrie. Aber jemanden, der es so gut meint und selbst nicht die Fähigkeiten hat, seine eigene Situation zu theoretisieren, darf man nicht auch noch in die Pfanne hauen. Genau dieses Muster gilt für Arcade Fire nicht. Aber was ist es dann, was Arcade Fire ausstrahlen, das sie auf diese Weise imprägniert?

Ich glaube, dass es möglicherweise so eine Art “neutrale Zone” ist, die sie mit ihrer Musik schaffen - mit den romantischen Songstrukturen, den an Kammermusikabende erinnernden Streichern, der immer etwas zittrigen Stimme von Win Butler, den Momenten, in denen sie im hämmernden Staccato durch die jüngste Popgeschichte sausen, aber immer wieder zurückfinden in die scheinbare Einfachheit einer gezupften Folkgitarre. In dieser neutralen Zone haben die Kritiker die Möglichkeit, sich für ein paar Songs ihrer gesellschaftlichen Funktion entledigen: müssen nicht mehr Kritiker sein, sondern können gemäß der kommunistischen Utopie auch einmal den Handwerker spielen, der von seinem Tagwerk heimkommt und zum Abschluss des Tages das Radio aufdreht, um sich an dem Zauber des Zusammenspiels der Instrumente zu erfreuen (es kann natürlich auch der frappacinoschlürfende Bahnhofskioskbesucher sein) und zuhört, wie diese Band aus dem fernen Kanada ihre Stücke spielt, bei denen es in immer neuen Variationen um “singularisierte Identitäten in der globalisierten Welt, um Intimes, vorgeführt in einem stets leicht skurrilen Zirkuszelt” (Kai Klintworth in Intro) geht. Entspannung ohne Erschlaffung. Man hat das Gefühl, einer Wahrheit auf der Spur zu sein, muss sich aber ausnahmesweise einmal nicht dazu überwinden, sie in Worte zu fassen, sondern kann sie dunkel lassen.

nb.pngDie Musik selbst wechselt immer wieder zwischen nostalgischen Beschwörungen einer unmöglichen Zukunft und der drastischen Darstellung des drohenden Untergangs (”Wenn uns das 21. Jahrhundert schon fressen wird, stolzieren wir eben als Marchingband in seinen schwarzen Rachen”, schreibt Dana Bönisch über das “Endzeit-Manifest” Neon Bible) - das alles aber gegossen in hymnische Formen, bei denen es mich nicht besonders wundern würde, wenn sie in fünfzig Jahren zusammen mit Bach und Buxtehude im Rahmen der Lübecker Kirchenmusikwochen gespielt würden (passend dazu schwört Oliver: “wenn ‘Intervention’ zu Beginn und zum Schluß gespielt wird, gehe ich auch wieder regelmäßig in die Kirche, großes Indianer-Ehrenwort!”). Manchmal sind es nur ganz kleine Verschiebungen, Wechsel zwischen Dur und Moll oder eine Melodie, die auf einmal in einem ganz anderen harmonischen Kontext auftaucht und einen von da an nie mehr loslässt. Um nur ein Beispiel zu geben: mich packt es immer wieder bei der zweite Hälfte des Refrains von “Rebellion (Lies)”, wenn der harmonische Hintergrund der Zeile “Every time you close your eyes” auf einmal nicht mehr auf dem Wechsel von Bb - Eb aufsitzt, sondern nun auf Bbm - Gb - Db - Ab. Die Mittel sind subtil, die Wirkung wundervoll (ein ähnliches Ding, freilich mit ganz anderer Bedeutung, haben die Doors in ihrer “Love Street” unternommen):
af_noten.png
Wer keine Lust hat, sich ans Klavier zu setzen und den Refrain nachzuspielen, kann sich hier das Original noch einmal ansehen und anhören (mp3-Stream, noch mehr Streams hier, außerdem einige B-Seiten):

Ach ja, bevor ich’s vergesse: Im August und November sind sie endlich wieder einmal in Deutschland auf Tour, nachdem die letzten Konzerte wegen einer Erkrankung des Sängers abgesagt wurde (Tickets 22-24 EUR zzgl. VVK):

  • 22. August 2007: Köln, Palladium (Support: Herman Düne)
  • 8. November 2007: Berlin, Columbiahalle
  • 11. November 2007: München, TonHalle

Wir sehen uns in der neutralen Zone. (Bild: “Arcade Fire”, Wikipedia)

Desaster im Radio (The Besnard Lakes, LCD Soundsystem, The Stooges, Marilyn Manson)

Add comment August 14th, 2007

bl.pngLetzten Freitag waren die Besnard Lakes aus Montréal in der Sendung “Sound Opinion” des Chicagoer Radiosenders “Public Radio” zu Gast. Bevor die Band um das Ehepaar Jace Lasek und Olga Goreas zu hören ist (unter anderem mit drei Liveaufnahmen) werden in dieser unterhaltsamen Show unter anderem folgende Themen abgehandelt: die Kommerzialisierung der großen Festivals, der Lollapalooza-Auftritt von Iggy Pop an der Grenze zum Chaos, Adolf Hitlers Schallplattensammlung sowie Marilyn Mansons Großeinkauf von Nazidevotionalien, Präparaten und einem Skelett. Musikalisch wird das Ganze von LCD Soundsystem, den Stooges, Marilyn Manson, den Wiener Philharmonikern, Elton John, Nancy Sinatra, Lee Hazlewood, Daft Punk, De La Soul, Silverchair, Tal Wilkenfeld, den Effigies sowie natürlich den Besnard Lakes begleitet:

  • The Besnard Lakes, “Cedric’s War,” The Besnard Lakes Are the Dark Horse, 2007
  • The Besnard Lakes, “On Bedford and Grand,” The Besnard Lakes Are the Dark Horse, 2007 Live in Studio (anhören)
  • The Besnard Lakes, “Devastation,” The Besnard Lakes Are the Dark Horse, 2007 Live in Studio (anhören, bei GvB als mp3)
  • The Besnard Lakes, “For Agent,” The Besnard Lakes Are the Dark Horse, 2007
  • The Besnard Lakes, “Rides the Rails,” The Besnard Lakes Are the Dark Horse, 2007
  • The Besnard Lakes, “Disaster,” The Besnard Lakes Are the Dark Horse, 2007 Live in Studio (anhören)
  • Außerdem: The Besnard Lakes, “You Lied to Me” (anhören)

Kanadaserie, Platz 4: Stars

2 comments August 13th, 2007

kanada_4.pngLangsam wird die Luft dünner, bald kommen die Top Three dieser höchst subjektiven Top Ten-Liste der kanadischen Independentbands. Für die heutige Band müssen wir die Route des letzten Tages wieder zurückfahren, obwohl die im Folgenden zu behandelnde Band mehrmals ihren Standort gewechselt hat: angefangen haben sie in Toronto, dann war die Band eine Zeit lang in New York zu Hause, bis sie dann wieder nach Kanada, diesmal nach Montréal gezogen sind. Die Rede ist, natürlich, von den Stars (MySpace). Auch hier sind die Grenzen zu anderen Bands wieder fließend, denn Mitglieder der Stars sind bzw. waren unter anderem auch aktiv in den folgenden Bands: Broken Social Scene, Memphis, Gypsy Sol, Young Galaxy (vgl. auch meine ausführliche Rezension dazu) - ganz abgesehen von weiteren Soloprojekten.

stars1.pngIm Mittelpunkt der Band steht sicherlich Sänger, Trompetenspieler und Schauspieler (unter anderem bei Sex and the City) Torquil Campbell, der in Wirklichkeit gar kein Kanadier ist, sondern die Britisch-US-amerikanische Doppelstaatsangehörigkeit besitzt. Zusammen mit Keyboarder Chris Seligman bildete er den historischen Kern der Stars, aus dem 2001 das erste Album “Night Songs” hervorging. Bei der nächsten Platte, “Heart“, die 2003 erschien, waren Sängerin und Gitarristin Amy Millan sowie Bassist Evan Cranley als feste Mitglieder zur Band gestoßen. Und die Platte, mit der Stars zu einer der wichtigsten Indiebands Kanadas wurden, “Set Yourself on Fire” (2004), haben sie dann endlich auch einen richtigen Schlagzeuger in ihren Reihen: Pat McGee.

Was genau macht die Musik der Stars aus? Welche Koordinaten der musikalischen Welt dieser Band sind trotz aller Veränderungen (der Band wie auch ihres Kontextes) seit dem ersten Album beibehalten worden?

  • der abwechselnde Gesang zwischen Torquil Campbell und Amy Millan sowie immer wieder auch im Duett gesungene Refrains
  • das stellenweise orchestrale Arrangement mit Streichern (sehr viel auf den Nightsongs), anfangs auch noch mit Trompete
  • die Verwendung von Drumcomputer und samplebasierten (Hiphop-)Beats (vor allem in der Zeit, bevor Pat McGee in die Band kam)
  • die Jingle-Jangle-Gitarren, die am Anfang stellenweise nach Ibiza oder nach folkiger Ambientmusik à la Dan Ar Braz klingen
  • das große Gefühlskino, das dafür sorgt, dass die Lieder niemals vollständig fröhlich wirken, sondern immer etwas nach Regentagen klingen
  • atmosphärisch schwebende Stimmen und gehauchte Passagen
  • Songtexte, die zwar gerne von Nacht und Sterne handeln, aber niemals Naturlyrik sind, sondern von Natur als Projektionsfläche für menschliche Wünsche, Gefühle und Ängste erzählen
  • auf den ersten Blick sehr zugängliche Songstrukturen und einfache Pop-Harmonien anstelle von Indie-Lärm und -Missklängen (”schwelgerischer Pop, der leicht klingt aber nicht leicht ist“)

Daneben gab es natürlich auch Veränderungen zu beobachten. Während die erste Platte im Grunde eine Electropopangelegenheit gewesen ist, klingt die Musik mittlerweile viel stärker nach (Rock-)Band. Außerdem ist der Gesang, der am Anfang sehr reduziert, erzählend und überwiegend gehaucht gewesen ist, über die Zeit energievoller und impulsiver geworden. Obwohl die Stars auch auf ihrer aktuellen Platte “In Our Bedroom After the War” (mp3 der Vorabsingle “The Night Starts Here”, via) nach wie vor eine der besten Indiebands sind, haben sie im Vergleich mit ihrem Erstling “Nightsongs” eine Sache verloren: dieses Album war vor allem von einer fast schon unheimlichen “Zeitgemäßheit” geprägt. Ich halte es für die präziseste Antwort auf die Frage, wie sich Indiepop am Anfang des 21. Jahrhunderts anhören musste und auch tatsächlich anhörte. Diese Aktualisierung der Synthpoptradition mit Hiphopbeats, Folkgitarren und romantischen Blechbläsern bringt das Ende der postmodernen Epoche in der Popularmusik wunderbar auf den Punkt. Zugleich sind Songs wie “My Radio” eine letzte Würdigung der Radio-Ära, in der nicht die selbst- oder computerselektierte Playlist des iPods den Soundtrack zum eigenen Leben abgibt, sondern der FM/AM-Kasten auf dem Badehandtuch am Seeufer: “All I want is my radio … He speaks in a voice I know / Sounds like sand when the tide is low / We kissed to that voice each night / Bathed in bare reactor light” (My Radio).

stars.jpgDa sie mit dem monumentalen, “Set Yourself on Fire” nicht nur großen Erfolg, sondern einen “career defining moment” erlebten (gerade eben erschien unter dem Titel “Do You Trust Your Friends?” sogar eine Remix-Version, in denen andere kanadische Künstler die Songs des Albums neu interpretierten), sind natürlich die Rezeptionsbedingungen für ihr neuestes Album ganz andere als 2001. Wiesengrund hat Recht: hier kann man tatsächlich davon sprechen, dass die kanadische Invasion vorbei ist. Der Sound hat sich durchgesetzt, ist zum Allgemeinen geworden. Nicht nur im unmittelbaren Umfeld von Bands wie den Stars (aber dies gilt auch für die gestern besprochene Leslie Feist) gibt es zahllose Epigonen, für die diese musikalische Sprache zur Normalität geworden ist und die gar nicht mehr bewusst erkennen können, an wem sie sich da bei jedem zweiten Akkordwechsel orientieren oder vergreifen. Aber die Stars gehen mit dieser Problematik mit beinahe schlafwandlerischer Sicherheit um (gehen sogar einige Risiken ein), was aber nicht allzu sehr überrascht, wenn man sich den Text ihres 2001er Songs “Write What You Know” näher betrachtet, der sich über die Rezepthaftigkeit der kulturellen Produktion mokiert: “Write what you know / Keep that story funny / Have a happy ending / Make the female sexy … This ending is so sexy”.

Auch wenn “In Our Bedroom after the War” hoffentlich noch nicht das Ende der Stars einläutet, in puncto Sexappeal kann den Stars kaum jemand etwas vormachen. So sexy wie in “Take Me to the Riot” war die Revolution wahrscheinlich seit Che Guevara nicht mehr, und bei den Sprechgesängen in der düsteren Hooligan-Lovestory “Barricade” bekomme ich jedes Mal eine Gänsehaut: “”Oh, how could anyone not love the terrible things you do? / Oh, how could anyone not love your cold black heart / I’ll be at the barricade, the love died but the hate can’t fade.” (Bild: “Stars (band)”, Wikipedia)

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