Johannes Boie hat nachgelegt (siehe auchhier) und in den “Netzdepeschen” der Süddeutschen Zeitung wieder einmal die Blogger madig gemacht. Kurz: Blogger sind dann okay, wenn sie in anderen Medien etwas machen (zum Beispiel Niggemeier und Schulteis in der Werbung), ansonsten geht alles den Bach runter: Blogscout wurde geschlossen, Don Alphonso ist genervt und Mister-250-Blogs-im-Feedreader Don Dahlmann macht Pause. Die Diagnose ist für Boie damit klar: “die deutsche Blog-Szene liege in dauerhaften Clinch und deutsche Blogger blieben im Vergleich zu ihren amerikanischen Kollegen zurück”. Komisch nur, dass er sich selbst hier in der indirekten Rede zitiert und auch nicht erwähnt, dass er selbst der Autor “eines Artikels aus dieser Zeitung” gewesen ist. Immerhin muss man sagen, dass Boies Untergangsbeschreibungen fast so aktuell sind wie die Meldungen der Blogger selbst. Aber warum kauft er sich dann nicht einfach ein Blog?
Zur Zeit scheint es en vogue zu sein, den Untergang, das Sterben, die Ablösung, die Entvölkerung, die Kriminalisierung oder das Ausknipsen der virtuellen Realitätsumgebung “Second Life” zu prognostizieren. Wobei es natürlich auch gemäßigte Stimmen gibt wie Thomas Gigold, der Second Life lediglich im “Tal der Enttäuschungen”, einer ganz normalen Phase des Hype-Zyklus, sieht. Ich sehe das auch nicht so dramatisch und freue mich nach wie vor über die auch in Second Life deutlich zu erkennende Ökonomie des Long Tail. Ein Beispiel dafür ist die Nutzung dieser “Umgebung” (gibt es dafür einen besseren Begriff?) durch Künstler. Ein wunderbares Beispiel dafür ist der folgende Machinima-Clip von Robbie Dingo, der das Gemälde “Sternennacht” (1889) von Vincent van Gogh dreidimensional in den virtuellen Raum zeichnet. Auch wenn es also tatsächlich allmählich dunkel wird in Second Life, ist das nicht nicht schlimm, weil man dann erst die Sterne so richtig leuchten sieht.