Am Dienstag hat David Gahan (Depeche Mode) im New Yorker Apple Store ein paar Lieder aus seiner neuen CD “Kingdom” präsentiert (hier gibt’s ein paar Fotos dazu). Die Setlist für den Abend sah so aus:
Saw Something
Kingdom
Deeper And Deeper
Use You
Endless
A Little Lie
Miracles
Da das Ganze in einem Apfelladen stattgefunden hat, darf man wohl davon ausgehen, dass dieses Konzert früher oder später auch auf iTunes verfügbar sein wird. Damit kann sich Gahan aber Zeit lassen, denn zunächst will schließlich das am Montag veröffentlichte Album “Kingdom” sorgfältig durchgehört werden. Zum Beispiel der Titeltrack:
Kaum ist man mal eine Weile weg, schon überschlagen sich die Ereignisse. Nachdem Police die sicher auch finanziell bemerkbaren Freuden des Reunion-Geschäftes genießen durften, haben sich nun auch die Jungsrocker Van Halen zu diesem Schritt entschieden. Doch es ist nicht so einfach, wie es scheint, denn an dieser Stelle muss die Frage kommen: welche Van Halen? Schließlich gab es die ein oder andere Band, die unter diesem Namen über die Bühnen gehüpft ist und deren zentralen Akteure nun so überhaupt nichts mehr miteinander zu tun haben wollen. Im aktuellen Fall geht es um die Dave Lee Roth-Halens, die im Herbst durch einige nordamerikanische Großstädte touren werden. Dementsprechend ist weder Sammy Hagar mit dabei, noch Gründungsbassist Michael Anthony, der durch Eddie Van Halens minderjährigen Sohn Wolfgangersetzt wurde. Feine Augen wollen bemerkt haben, dass diese Ersetzung auch auf dem auf der Webseite abgebildeten Plattencover von “Van Halen I” stattgefunden hat.
Zur Feier der Meldung - und weil es zudem zu den diversen Nichtraucherschutzgesetzesänderungen von gestern passt - hier noch eine Aufnahme des ultimativen Poser-Tapping-Solos “Eruption”:
Letzten Freitag waren die Besnard Lakes aus Montréal in der Sendung “Sound Opinion” des Chicagoer Radiosenders “Public Radio” zu Gast. Bevor die Band um das Ehepaar Jace Lasek und Olga Goreas zu hören ist (unter anderem mit drei Liveaufnahmen) werden in dieser unterhaltsamen Show unter anderem folgende Themen abgehandelt: die Kommerzialisierung der großen Festivals, der Lollapalooza-Auftritt von Iggy Pop an der Grenze zum Chaos, Adolf Hitlers Schallplattensammlung sowie Marilyn Mansons Großeinkauf von Nazidevotionalien, Präparaten und einem Skelett. Musikalisch wird das Ganze von LCD Soundsystem, den Stooges, Marilyn Manson, den Wiener Philharmonikern, Elton John, Nancy Sinatra, Lee Hazlewood, Daft Punk, De La Soul, Silverchair, Tal Wilkenfeld, den Effigies sowie natürlich den Besnard Lakes begleitet:
The Besnard Lakes, “Cedric’s War,” The Besnard Lakes Are the Dark Horse, 2007
The Besnard Lakes, “On Bedford and Grand,” The Besnard Lakes Are the Dark Horse, 2007 Live in Studio (anhören)
The Besnard Lakes, “Devastation,” The Besnard Lakes Are the Dark Horse, 2007 Live in Studio (anhören, bei GvB als mp3)
The Besnard Lakes, “For Agent,” The Besnard Lakes Are the Dark Horse, 2007
The Besnard Lakes, “Rides the Rails,” The Besnard Lakes Are the Dark Horse, 2007
The Besnard Lakes, “Disaster,” The Besnard Lakes Are the Dark Horse, 2007 Live in Studio (anhören)
Außerdem: The Besnard Lakes, “You Lied to Me” (anhören)
Wenn man aus dem Fenster schaut, könnte man fast meinen, er wäre schon da: der Herbst. Aber den richtigen Herbst erkennt man dieses Jahr mal wieder daran, dass es wummert, klingelt und scheppert in den deutschen Konzerthallen und -sälen. Zum Beispiel, wenn Manu Chao und sein Radio Bemba sich die Ehre geben (Karten jeweils 26,50 EUR zzgl. VVK, meine Karte liegt schon im Emailfach):
Für die Hiphop-Fraktion gibt’s auch noch einen Leckerbissen, denn MC Winkel und sein Büro am Strand treten am Samstag in München auf (auch der Weltfrieden wird mit von der Partie sein):
11. August 2007: München, Privée
Diese Konzerthinweise sind natürlich alle ohne Gewähr - man weiß ja, wie schnell so eine Tour abgesagt werden kann - und höchst unvollständig. Ich habe vor allem Künstler erwähnt, die auch im POPLOG regelmäßig vorkommen. Abseits dessen gibt es natürlich noch unendlich viel zu entdecken. Auf ins Getümmel!
Ulrich Maiss (aka Cellectric), deutscher Cellist, wird am 24. November in Berlin das 64 Minuten dauernde Stück “CelloMachine” aufführen. Das Stück ist eine Variation über Lou Reeds Metal Machine Music, das seinerzeit (1975) den Beginn des Industrial markierte. Wie im Vorbild soll es auch in Maiss’ Version mit viel Tremolo und Feedback zur Sache gehen: “It is very loud. It is an extreme piece of performing art”. Auch Lou Reed hat gefallen an dem Projekt gefunden: “It’s like a rock approach to the cello - if you thought of the cello as a guitar with a feedback: off you go!”. Maiss’ Vorbereitungen für die Konzerte (ein bisschen ähnelt das Ganze dem Trainingsplan für einen Marathonlauf) dokumentiert er in seinem Podcast und außerdem per Video:
Wer sich wirklich dafür interessiert, wie die kreative Arbeit der Musiker in der heutigen Indiepopwelt aussieht, der wird von diesen beiden Videoclips, auf denen die Battles (mit KritikerlobüberschütteterMath-Rock aus New York) und The Stars (Arts & Crafts-Vorzeigeband, demnächst in Deutschland) in ihren Übungsräumen zu sehen sind, wahrscheinlich unbefriedigt zurückgelassen. Denn: Was sieht man? Die Battles beim Videospielen, viele Musiker in einem kleinen Übungsraum, viel Lachen, viele Witze, noch mehr Lachen. Bei den Stars im Studio dann Gespräche, Kameraschwenks über die Mischpulte und Abendessenvorbereitungen, während im Hintergrund ein Track der fertigen Platte läuft: “take me, take me, take me to the riot”. Das Musikmachen wird hier als schwereloser Zeitvertreib dargestellt, bei dem es vor allem darum geht, eine ganz lange Zeit miteinander zu verbringen, um so zu einer BAND in Großbuchstaben zu werden (”made us sound maybe even more like a band because we spent so much time together”). So nimmt dieses Video für sich in Anspruch, ein “interesting watch for superfans that crave a little access to the people behind the music” zu sein. Aber gezeichnet wird ein Ort jenseits aller Imperative der Musikindustrie, auf die die Musiker explizit oder subkutan alle paar Akkorde stoßen. Es fehlt: der Übungsraum als Ausweitung der musikindustriellen Kampfzone.
(via)
Manchmal ist es doch so einfach. Während ix sich Gedanken darüber macht, warum er bei seinen Videoauftritten nicht auf den Punkt kommen kann (schließlich gibt es andere, die sehr wohl auf den Punkt kommen, aber dennoch damit bei ihrer Peer Group durchfallen), sondern um seine Punkte und Punchlines herumschwadroniert und -tänzelt, zeigen die White Stripes wie man musikalisch so sehr auf den Punkt kommt, dass gar keine Musik mehr übrig bleibt (Bericht). Die sind übrigens auch nicht mit 27 gestorben. Und jetzt machen sie halt so etwas. One more note!
Wenn immer mehr Atomkraftwerke (klingt irgendwie dramatischer als Kernkraftwerke) Inkontinenzprobleme haben (danke, fefe) ist es an der Zeit, sich in die Sommerpause zu verabschieden. Meint zumindest Rainald Goetz. Man könnte allerdings auch eines der feinen Sommerfestivals besuchen wie zum Beispiel das MusikfestBerlin 07 mit den großen Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts Ives, Debussy und Varèse oder das Internetfilmfestival (klingt fast so schön wie Atomkraftwerk) webcuts.07. Oder man schnallt sich sein Baby an den Bauch und spielt ein paar Takte Rockmusik vor johlendem Publikum. So geschehen auf dem Citysol-Festival in NYC (Wer war’s? Syd Butler, Bassist von Les Savy Fav.)
Einer der ganz großen Pioniere der elektronischen Musik in Frankreich ist mittlerweile fast in Vergessenheit geraten: Richard Pinhas, der nicht nur mit der Elektrorockgruppe Heldon (vorher: Schizo) eine ganz eigene Musik zwischen Progrock, Krautrock, Ambient und Minimal-Music im Stil von Terry Riley schuf, sondern auch für seine Zusammenarbeit mit dem Philosophen Gilles Deleuze bekannt war (Pinhas führt mit Webdeleuze eine der interessantesten Webseiten über Deleuze). Seine dritte Soloplatte “Iceland” gilt als seine beste, ich höre gerade die Zusammenarbeit mit dem französisch-katalanischen Künstler PascalComelade, “Oblique Sessions II” (1999) mit großem Genuss rauf und runter. Auf dieser Seite gibt’s nicht nur ein Interview mit Pinhas, sondern auch eine mp3-Aufnahme einer seiner Projekte mit Deleuze.
Im September gibt es gleich zwei Veröffentlichungen des Berliner Zeitkratzer-Ensembles um Reinhold Friedl auf dem Asphodel-Label. Zum einen die 2002er Aufführung von Metal Machine Music, dem avantgardistischen Noise-Werk von Lou Reed aus dem Jahr 1975, das damals eigentlich nur missverstanden wurde und nach drei Wochen vom Markt genommen wurde. Die überwiegend elektrische MMM wurde nun von den Zeitkratzern in eine Kammermusik-Variante übertragen. Mit der zweiten Veröffentlichung “Xenakis [a]live!” verbeugen sich Friedl und das Zeitkratzer-Ensemble vor dem griechischen Komponisten und Electronica-Pionier Iannis Xenakis (1922-2001). Auch hier bestand die größte Herausforderung darin, die elektronisch erzeugten Studio-Sounds mit den Mitteln klassischer Instrumente neu zu erfinden. Leider konnte ich keine Videos der Stücke finden, stattdessen aber dieser Mittschnitt vom Etnafest im Januar: