Posts filed under 'kunst'

Die Weisheit der Massen (Christian Lange)

1 comment August 16th, 2007

Die Weisheit der Massen (oder Ameisenintelligenz) sieht so aus:
europa.png
Das ist nur ein Ausschnitt aus der Weltkarte, die Christian Lange im Rahmen des “Radical Maps”-Seminars aus den Daten von Googles Zeitgeist erstellt hat (via). Besonders schön ist seine Schlussfolgerung:

Die Suchthemen der unterschiedlichen Kulturen und Bewohner der heutigen Welt scheinen im Zeitalter des World Wide Webs für den hier untersuchten Augenblick relativ homogen zu sein. Kritisch betrachtet zeigt sich im Kontext eine gewisse Gleichschaltung westlicher Interessen und Lebensentwürfe. Bezeichnend ist eine bestimmte Vorliebe für Themen rund um Popkultur, Prominente und Berichterstattungen.
Einzig allein die Norweger interessierten sich im April mehr für »Love« als der Rest der Welt.

Na Anne, das geht doch runter wie Öl.

Kanadaserie, Platz 3: Godspeed You! Black Emperor

3 comments August 13th, 2007

kanada_3.pngFür die heutige Band, die ich auf den dritten Platz meiner Kanada-Top-Ten gesetzt habe, bleiben wir noch einmal in Montréal. Wahrscheinlich ist es von allen in dieser Liste aufgeführten Bands diejenige, deren Einfluss am weitesten reicht. Nicht nur Nordamerika steht unter ihrem Einfluss, sondern auch in Europa, Australien und Asien gibt es Bands, die sich dieser Schule zurechnen würden. Trotz dieser enormen Reichweite ist sie fast überall eine Art Geheimtipp geblieben; ein Name, den man sich hinter vorgehaltener Hand zuraunt, wenn eine Band besonders abgefahrene Feedback- und Droneorgien veranstaltet: Godspeed You! Black Emperor.

skinny.pngHier haben wir es mit einer Band der Extreme zu tun. Nicht nur sind ihre Songs mitunter so lang, dass gerade einer davon auf eine LP-Seite passt, sondern es kann bei ihnen schon einmal vorkommen, dass sie einen Songtext von Iron Maidens “Virus” zitieren. Und gegen die Verästelungen und den Gestaltwandel, der einem hier begegnet, sind die bisher beschriebenen Musikerkollektive kleine Wanderzirkusse. Aber zunächst ein kurzer Rückblick auf 10 Jahre Godspeed. Die Geschichte beginnt Anfang der 1990er Jahre, als sich Efrim, Mauro und Mike Moya zusammentun und als Trio eine Kassette aufnehmen. Von der ursprünglichen Auflage von 33 Stück ist Gerüchten zufolge noch das ein oder andere zu bekommen: wer also eine handbeschriftete Godspeed-Kassette auf dem Flohmarkt findet, sollte auf jeden Fall zuschlagen. In den Jahren 1995 bis 1996 erweiterte die Band sich dann zeitweise zu einem 14köpfigen Indie-Progrockorchester, bis sie 1998 einen stabilen Zustand mit neun ständigen Mitglieder erreichten: die beiden Schlagzeuger Aidan Girt und Bruce Cawdron, die beiden Bassisten Thierry Amar und Mauro Pezzente, die drei Gitarristen Efrim Menuck, David Bryant und Roger-Tellier Craig, die Cellistin Norsola Johnson und die Violinistin Sophie Trudeau. Eigentlich müsst man auch noch den ein oder anderen 16mm-Projektor mit dazu rechnen, denn die Visuals sind von Anfang an ein wichtiger Bestandteil ihrer Shows gewesen.

Wenn man sich die Veröffentlichungsliste dieser Band ansieht, könnte man zunächst der Täuschung erliegen, dass diese Band für ihre Größe in den knapp zehn Jahren ihres Bestehens (1994 bis 2003) nicht besonders produktiv gewesen sei. Insgesamt wurden nur 12 Songs der Band jemals auf Vinyl gepresst. Das Debüt “F#A# ∞“, das drei Tracks enthält, hat die Band 1997 auf einem gemieteten 16-Spurgerät aufgenommen und später noch mit Fieldrecordings ergänzt. Darauf folgte 1999 die EP “Slow Riot For New Zero Kanada“, auf der sich zwei Songs befinden - einer von den beiden mit dem erwähnten Iron Maiden-Text. 2000 erschien dann das Doppelalbum “Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven“, das insgesamt nur vier “Songs” enthält, mit denen die Band nun aber auch in einer etwas breiteren Indie-Öffentlichkeit international bekannt wurde. Außerdem enthält dieses Album mit “Storm” einen Track, der sich in epischer Breite in himmlische Sphären hocharbeitet und meiner Ansicht nach zu einem der besten Indieinstrumentals gehört, die je geschrieben wurden (ähnlicher Meinung ist Robosexual, der diesen Song zun zweitbesten Opener aller Zeiten zählt). Das letzte Album, Godspeed düsteres Spätwerk “Yanqui U.X.O.” (produziert von Steve Albini), erschien 2002. Im darauf folgenden Jahr erklärte die Band zwar nicht ihr Ende, aber eine Ruhepause von unbestimmter Dauer und die neun Musiker arbeiteten in ihren diversen irrealen Neben- und Soloprojekten weiter, darunter: Gybe!, Silver Mt. Zion/Tra La La Band, Bottleskup Flenkenkenmike, Bakunin’s Bum, 1-Speed Bike, Exhaust, Fly Pan Am, Et Sans, Set Fire to Flames, Hrsta, Molasses, Esmerine, Balai Mécanique, ‘Gypt Gore, Sam Shalabi und Shalabi Effect.

slow.pngLeider wird allzu oft der politische Gehalt von Godspeed ausgeblendet, obwohl es sich dabei um einen der spannendsten Aspekte der Band handelt. Die langen, hypnotischen Songs der Artrockband sollen schließlich nicht allein dem Geschmack der Indieszene entsprechen, sondern immer wieder auch als Kommentare zur aktuellen Lage in Wirtschaft und Politik gelesen werden - wenn nicht gar als Aufforderung zum Widerstand gegen den neoliberalen Kapitalismus. Wahrscheinlich sind Godspeed außerdem eine der ganz wenigen Pop-Bands in der Tradition zum Beispiel der Fugs, die darauf zielen, Gesellschaftskritik und die Vision einer besseren Welt allein mit musikalischen Mitteln auszudrücken (sieht man einmal von den eindeutigen Referenzen auf anarchosyndikalistisches Denken im Artwork der Band ab, also von dem Molotovcocktail auf “Slow Riot”, dem Bomber auf dem Cover von “Yanqui” oder der Skizze der Verflechtungen zwischen den großen Musik- und Medienkonzernenauf der Rückseite). Denn bis auf Sprachsamples aus Alltagssituationen oder obskuren Filmen besteht das Werk der Band allein aus Instrumentalstücken. DJErnesto (Intro) stellt dazu fest: “Zwischen den Tönen schimmern Nuancen von einer besseren Welt, erzählt der getragene Gestus mit einer Gänsehaut fabrizierenden Eindringlichkeit von den Möglichkeiten der individuellen Handhabe und auch von Gesellschaft”.

Genau in diesem Schweigen der Worte kann allerdings auch eine unvermutete Stärke liegen. So vermutet etwa der Independent in seiner Rezension von “Lift Your Skinny Fists …”, dass “their wordlessness embodies a greater political statement than all the proselyti sing of Gillespie or Bono”. Der NME dagegen vermisst eine optimistische Vision und zeichnet Godspeed als tragische Idealisten, deren mythische (oder nach Felix Klopotek kryptisch-dumpfe) Vision einer anderen Welt zwangsläufig in depressiven, wenn nicht sogar apokalyptischen Tönen untergeht (vor denen man dann schon einmal “ehrfürchtig niederknien” oder gar eine Gotteserfahrung haben kann). Brad Weslake befasst sich in einem längeren lesenswerten Essay mit dem politischen Gehalt der Band und beschreibt dieselbe Beobachtung als nahezu zwangsläufig sich ergebendes Dilemma der anarchistischen Politik des Chaos. Möglicherweise liegt jedoch gerade in diesem merkwürdigen Untergangsoptimismus der Godspeed-spezifische Ausweg aus der Zwickmühle “of creating a positive force that doesn’t reproduce the structures (and therefore failings) of the institutions that are being opposed”: hinter dem Chaos die Hoffnung. Doch es ist nicht nur (Bakunin’sche) Theorie, was von der Band kommt, denn sie sind auch auf Grassrootsebene als Aktivisten tätig, ob es um den G7-Protest geht oder um die Bekämpfung der Armut vor Ort.

Glücklicherweise existieren mittlerweile auch digitale Versionen der ursprünglich nur auf Vinyl veröffentlichten Alben und EPs. Und einige Stücke und Livekonzerte sind im Netz verfügbar, so dass ich abschließend noch ein paar Links auflisten kann, die das Erlebnis Godspeed et al. zumindest akustisch spürbar machen:

Dies ist kein Musikvideo (Devendra Banhart, The Stranglers, Jim Morrison)

5 comments August 4th, 2007

Ich hatte ja bereits von Devendra Banharts nächsten Album berichtet. In der Zwischenzeit ist seine neue Homepage fertig geworden, auf der man sich das Menu erst einmal freischaufeln muss - typisch Messie. Dort angekommen, kann man nicht nur zwei neue Tracks von “Smokey Rolls Down Thunder Canyon” ansehen (es handelt sich um das Tropicana-inspirierte “So Long Old Bean” und die schlichte dylanesque Folkballade “Seahorse” mit der Anfangszeile “I’m high, I’m happy and I’m free”, das sich nach zwei Minuten in “Golden Brown” von den Stranglers verwandelt und später noch in einem Doorslastigen Improvisationsteil mündet), sondern auch ein Video zu dem acht Minuten langen “Seahorse”. Die Anmerkung “This is not a music video” lässt sich auch als Warnung verstehen, denn was den Betrachter auf dem Video erwartet, ist einigermaßen merkwürdig (Messerwerfen, Löten, Herumalbern mit der Schrotflinte, Superstar in Unterhose spielen) und vor allem: sehr bartlastig (wie wär’s mit einem Devendra-Bart, Julie?) Erinnert etwas an Laurel Canyon, das Setting, ist aber sehr viel überzeugender. Auch der Rest der Blogosphäre zeigt sich begeistert über den “Weird shit, great song“, den diese “langhaarigen hippies” da geschaffen haben. Besonders groß ist die Begeisterung darüber, dass anscheinend auch der mexikanische Schauspieler Gael García Bernal mit von der Partie ist. So indie it hurts fasst auch meine Erwartungen an das Album gut zusammen: “These songs are so good by themselves and in crappy myspace compressed quality, I can’t imagine how phenomenal this record is going to be as a whole.”
Naja, seht selbst:

(via)

Das aktuelle POPLOG-Gespräch: Tickley Feather

Add comment August 3rd, 2007

Tickley Feather - Foto von Kimber VansantVorgestern hatte ich von Tickley Feather berichtet und musste feststellen, dass es über diese vielversprechende Künstlerin aus Philadelphia kaum Informationen im Netz gibt. Da liegt es doch nah, einfach einmal nachzufragen. Deshalb freue ich mich, euch hier die erste Episode des aktuellen POPLOG-Gesprächs präsentieren zu können. Ich habe davon abgesehen, das Interview zu übersetzen, da auf diese Weise doch zuviel verloren geht.

POPLOG: On the internet there’s almost no information about Tickley Feather. Could you tell us a bit about your life and your musical background?

Tickley Feather: I grew up in the woods down South and didn’t realize that you could make music without being a famous person. I only had access to top 40’s stuff or really really old stuff until I left for college. Then I was suprised to find out that there were “shows” to go to, where just any old pile up of bands could play. Trying to join up with other people’s projects kind of sucked me in for a while, but I never found exactly what I was looking for.
Somewhere in there, I took a friend’s advice and asked my mom to buy me a 4 track. And even though I’ve had it for a while, I didn’t really get hot and heavy for using it until I became a mother (4 years ago). I was pretty isolated during that time and became determined to soothe myself. I think thats when any fear of making horrible songs became less important, and I felt compelled to just go at it. So my barbaric solo style was born. A lot of my songs still end up having mistakes with the keyboarding, etc. I’m amazed that people can stomach it!

P: Is there a story behind the name “Tickley Feather”?

TF: Really, I wanted a name to put on a tape of my songs to send back home to my friends. I guess I wanted it to sound like a saucy hooker made the songs. I don’t know, it was just fun. I never really planned to take my music anywhere beyond that, but now that name is printed on my 2 little records. I’m still amazed.

P: How’s the music scene in Philadelphia at the moment?

I’m really lucky to be around some people who are making super special music. Amazing 4th dimension genius type stuff. This area is blossoming like an orchid right now.

P: I must confess: I don’t understand a word of what you’re singing (reminds me of the early Animal Collective). What are your lyrics about?

TF: I’ll just say this: sometimes the stars line up when I’m recording and a couple words that seem to go together will come out. But if that doesn’t happen, I fall back on the no holds barred rule. I’m a big fan of not making laws about what has to happen in a song. It sounds rough, I know.

P: Two EPs already. I feel there must be an album in the near distance, is that true?

TF: I am currently recording for a release on Paw Tracks.

P: Do you record your songs all by yourself? Could you elaborate a bit on the equipment you use?

My favorite object of music is my zoom effects box. Early on, my old boyfriend gave it to me to save me from singing into a metal salad bowl to make stuff sound better. It freed me.
I still use the cheap microphone my dad supplied me with and the same little Tascam my mom got me for most recording. I have 2 borrowed keyboards and one I own. I like to dabble with anything I can get my hands on. I have to be resourceful, due to not having any money.

P: Most blog entries about you assume your music has been recorded in the bedroom. What does that tell you about the blogger community?

TF: The term “bedroom” is an interesting modern way to put a certain type of music in its place, i guess. I think that says to me that the blogger community likes to use modern terms to describe things.
In my case, my livingroom is my bdroom???
And my recent recordings, for the record, have been done half in a leaky garage full of golf carts, and the other half in a tacky-looking farm house with a copperhead snake locked in the basement.

(Foto: Kimber Vansant)

Sensu strictu - sensu lato (Patrick Watson)

Add comment August 2nd, 2007

Ist mit Patrick Watson die vierköpfige Band aus Montreal (woher sonst) gemeint, die 2006 mit ihrem Album “Close to Paradise” auf einen Schlag in die Szene platzten? Oder ist Patrick Watson der immer wieder an Jeff Buckley, manchmal auch an Rufus Wainwright erinnernde Sänger und Hauptsongwriter dieser Band? Vielleicht könnte man sich in diesen Fällen ja darauf einigen, im ersten Fall von Patrick Watson sensu lato zu sprechen und im zweiten von Patrick Watson sensu strictu?
Wie auch immer, mittlerweile haben sich Patrick Watson einen hervorragenden Ruf erspielt, was sich auch in auch ihrer Zusammenarbeit mit Künstlern wie Phillip Glass, Steve Reich, Feist, den Dears, den Stills oder dem Cinematic Orchestra widerspiegelt. Jetzt ist er sogar neben unter anderem Arcade Fire, den Besnard Lakes und Feist für den Polaris Musikpreis nominiert und die Chancen stehen gar nicht so schlecht, wenn man diesen Kommentatoren glauben will.
Wer sich selbst davon überzeugen will, kann hier die beiden Songs “Luscious Life” (eine synkopische Hymne mit kurzen Erinnerungen an Robert Plant und einem unglaublich schönen leitmotivischen Riff) und “Giver” (eine orchestrale Breitwandballade mit einigen schönen Kunstgriffen) als mp3-Dateien anhören. Auf MySpace gibt’s dann noch einmal drei weitere, so dass man damit schon einmal die halbe letzte Platte im Ohr hat.
Was sagen die anderen? Die Blogistin schwärmt von der “herzzerreissend schönen Stimme”; Patricia von Pop Montreal fragt: “Is Patrick Watson the cream of the indie crop?” Toolfarm lobt das “gorgeous video” und die elben seiten zitieren den NME mit den Worten: “Patrick Watson is the kind of talented bastard that gives the impression he hasn’t even started to show us what he’s capable of”. Genug gesagt? Hier das gerade erschienene Video (via stereogum) zu Luscious Life - definitiv einer meiner Sommertracks, liebe Stagediven.

Ach ja, und morgen ist er auf dem Festival in Haldern zu Gast.

An (Jean Octobon)

1 comment August 1st, 2007

Manche Dinge dienen keinem Zweck, sondern sind einfach nur da. Wenn dann ihr Dasein noch so ästhetisch ansprechend ist wie das der elektronischen Leuchtskulptur “On” von Jean Octobon, dann bin ich begeistert und möchte das haben. Leider habe ich die dafür nötigen 6000 Euro gerade nicht zur Hand. Aber zum Glück gibt’s ja auch Alternativen. Oder wie wär’s damit (danke, MusicThing)? “Yes, yes, fire”, wessen Spruch war das nochmal?

Hilfe, die Hippies kommen (Devendra Banhart, Jim Morrison, Animal Collective, The Doors, The Strokes)

1 comment July 30th, 2007

banhart.jpgMit dem Animal Collective, die übrigens wieder neue Erdbeerschmierereien veröffentlicht haben, hat es die amerikanische Postfolk-Bewegung mittlerweile bis in die oberen Ränge der Kritikercharts geschafft. Etwas im Schatten dieser Band steht jedoch der erst 26jährige Songwriter und Dichter Devendra Banhart, der “Gandalf of the Nu Beardie movement“. Am 25. September erscheint unter dem ebenso bildmächtigen wie kuriosen Titel “Smokey Rolls Down Thunder Canyon” seine neue Platte. Aber er hat versprochen, bis zum Herbst jeden Freitag neue Tracks auf seine Homepage zu stellen, so dass man sich bereits jetzt einen Eindruck von seinem neuen musikalischen Arbeitsprogramm machen kann. Schon jetzt kann man die rockige Nummer “Tonada Yanomaminista” anhören, die nicht nur durch den spitzen Schlussschrei einige Anleihen bei Jim Morrison und den Doors macht. Außerdem die Tiefe-suggerierende Pianonummer “Rosa” (auch diese ist gar nicht so weit entfernt von den “People are strange”-Doors). Die Musikbloggerszene zeigt sich überzeugt von diesen Appetithäppchen: “Really, nicely played Devendra”, schreibt das prefixmax und wünscht sich, die Strokes hätten mit ihrem letzten Album eine ähnliche Entwicklungsfähigkeit demonstriert; So Indie it hurts ist der Meinung, “these new songs make my love him even more”; Yiyo (Deaf Indie Elephants) ist besonders angetan von dem Titel: “como me agrada ese título”; aber nicht nur in Caracas, sondern auch in Münster findet man das Material “ausgesprochen gut”; und Gorilla vs. Bear meditiert über die Frage, was daran denn Space Reggae sein soll.

Tracklist (von Stereogum):

  1. Cristobal
  2. So Long Old Bean
  3. Samba Vexillographica
  4. Seahorse
  5. Bad Girl
  6. Seaside
  7. Shabop Shalom
  8. Tonada Yanomaminista
  9. Rosa
  10. Saved
  11. Lover
  12. Carmencita
  13. The Other Woman
  14. Freely
  15. Remember
  16. My Dearest Friend

Sgt. Mashups Lonely Hearts Club Band (CCC, Ill Chemist, The Beatles)

1 comment July 28th, 2007

ccc.pngRené hat ein absolut unglaubliches Mashup-Projekt entdeckt: CCC und Ill Chemist haben zusammen das Sgt.-Pepper-Album der Beatles komplett aus Samples bekannter Songs nachgestellt, aber im Unterschied zu Sample-Künstlern wie Girl Talk nicht danach klingt. Die Songs hören sich an wie fertige Produktionen, nur beschleicht einen dann immer wieder ein ganz merkwürdiges Gefühl, wenn man die Bestandteile in diesem ungewohnten Kontext wiederentdeckt. Letztlich das ja nichts ungewöhnliches, denn Popmusik besteht sowieso zu einem großen Teil aus Zitaten. Insofern ist es CCC und Ill Chemist hoch anzurechnen, diese Wahrheit so deutlich und dennoch so anhörbar zu demonstrieren. Subversion at its best. Wahrscheinlich werden sie damit rechtliche Probleme bekommen und die Songs früher oder später von ihrer Homepage nehmen müssen.

Sternennacht in Second Life (Robbie Dingo, Vincent van Gogh)

1 comment July 19th, 2007

Zur Zeit scheint es en vogue zu sein, den Untergang, das Sterben, die Ablösung, die Entvölkerung, die Kriminalisierung oder das Ausknipsen der virtuellen Realitätsumgebung “Second Life” zu prognostizieren. Wobei es natürlich auch gemäßigte Stimmen gibt wie Thomas Gigold, der Second Life lediglich im “Tal der Enttäuschungen”, einer ganz normalen Phase des Hype-Zyklus, sieht. Ich sehe das auch nicht so dramatisch und freue mich nach wie vor über die auch in Second Life deutlich zu erkennende Ökonomie des Long Tail. Ein Beispiel dafür ist die Nutzung dieser “Umgebung” (gibt es dafür einen besseren Begriff?) durch Künstler. Ein wunderbares Beispiel dafür ist der folgende Machinima-Clip von Robbie Dingo, der das Gemälde “Sternennacht” (1889) von Vincent van Gogh dreidimensional in den virtuellen Raum zeichnet. Auch wenn es also tatsächlich allmählich dunkel wird in Second Life, ist das nicht nicht schlimm, weil man dann erst die Sterne so richtig leuchten sieht.

Prosit Surrealismus (Horkheimer, Adorno, Jesus, Johannes Paul II.)

Add comment July 19th, 2007

Unter dem Titel “Das Schema der Massenkultur” schrieben Max Horkheimer und Theodor W. Ardorno der Aufklärung Folgendes ins Gästebuch:

Der ästhetische Schein wird zum Glanz, den Reklame an die Waren zediert, die ihn absorbieren; jenes Moment der Selbständigkeit jedoch, das Philosophie eben unterm ästhetischen Schein begriff, wird verloren.

Manchmal schafft aber gerade die Reklame wieder einen Sprung in die ästhetische Selbständigkeit. Es muss nur der Kontext stimmen, so wie in diesen Abbildungen. Sieht so aus, als hätte sich die Reklame hier einen gehörigen Schluck Surrealismus zu sich genommen. Parasitäre Strategie ohne Parasit?

[via fortysomething]

Schweigen! Verwirrung! Wind! (monochrom, Cindy Sherman, The Besnard Lakes, Pavement, Of Montreal)

Add comment July 18th, 2007

hymnen.jpg“Hymne ist ja zunächst mal eine ganz bestimmte From des inhaltlichen Wollens.” So fängt der Begleittext zum Nationalhymnenprojekt von monochrom an. In diesem Projekt, dessen Videoaufzeichnungen nun online verfügbar sind, unternehmen die Künstler eine musikalische Reise, auf der sie die ganze Welt von A–Z durch ihre Hymnen betrachten. Und wozu das ganze? “Zum besseren Verständnis der österreichischen Identität.” Gleichzeitig wird auch der flüchtige Charakter der Nationalhymnen klar, denn:

Hymne ist Wehen. Sie ist der Wind, das Element, das alle anderen Elemente berührt, indem es quasi mit ihnen flirtet. Wind ist ja nicht sesshaft.

Damit komme ich auch schon zu dem zweiten Thema, denn auf der Wave Farm im Bundesstaat New York findet am 21. Juli von 13:00 bis 20:00 (Ortszeit) ein Sommerwind-Festival statt. Zugelassen sind nur Künstler, die auf Windinstrumenten, Atem oder Luft spielen. Was die KünstlerInnen Michelle Nagai, Stars Like Fleas, Tintinnabulate, Hassay, DeChellis, Nakatani Trio, Sparkle Projects, DizzySparkle, Christopher McIntyre, Kenta Nagai, Tom Roe und Aether Myth’d aus dieser Herausforderung machen, kann man in dem Livestream des Ereignisses anhören.

Außerdem empfehlenswert: Dieses Video mit ausgewählten Bildern von Cindy Sherman, deren Arbeiten zur Zeit im Berliner Martin-Gropius-Bau ausgestellt sind [via 5F]. Und dann noch dieser neue Clip der kanadischen Indieband The Besnard Lakes zu ihrem Song “For Agent 13″. Schließlich: diese Bildersammlung mit Schnappschüssen von dem Pitchfork Music Festival. Auf den polaroiden Bildern unter anderem: Girl Talk, GZA, Steve Malkmus (von den mittlerweile zu 40% reunierten Pavement), Of Montreal (hier das Video dazu), Jamie Lidell, De La Soul, Kim Gordon, Cappadonna, Voxtrot, Grizzly Bear. Wow. Da bleibt mir die Luft weg.

Kurzmitteilungen 2 (IWF, David Michalek, Volker Pispers, Animal Collective, Airiel, Architecture in Helsinki)

Add comment July 17th, 2007

Während einem hier nichts anderes als Schwitzen übrigbleibt, passiert woanders die Welt: Die Lebensmittelpreise steigen weltweit in einem beunruhigenden Maß, sagt der Internationale Währungsfonds. Das bedeutet: in Zukunft sollte man seine Ernährung umstellen auf Luft und Liebe. Da kommen doch diese Icons gerade recht, mit denen Gregory M. Dizzia seine Beziehungen in den letzten 23 Jahren grafisch darstellt. Und auch der Flickr-Protest des Schockwellenreiters geht weiter und setzt auf sommerliche Motive und Bekleidungsformen. Eine Variante ist das: auf Spreeblick wird seit gestern getanzt (und René ist im Gegensatz zu den ganzen “Deltakommentatoren” begeistert davon). Ob Slow à la David Michalek, Samba oder Boogie Woogie, weiß ich allerdings nicht. Wichtig ist, dabei den richtigen Text zu wissen, insbesondere die Steigerungsform von Kraftausdrücken (meint Volker Pispers). Aber auch das Popuniversum schläft nicht, sondern spricht zu uns (wenn es nicht gerade seine Neuerscheinungen verschenkt wie Prince das tut). Denn unser aller Lieblingsband Animal Collective hat dem portugiesischen Radiomagazin Máfama ein Interview gegeben als sie in Lissabon für ihre Sommertournee geprobt haben. Coast Is Clear empfielt die NuGazer das neue Material von Airiel: “sehr knackig, aber von vorne bis hinten gelungen.” Und bevor ich’s vergesse. Auch in “Helsinki” wird dank Concerts a emporter getanzt. Der Beweis:


#58.2 - Architecture in helsinki -Like it or not
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