Ethan Kaplan, Technologiechef von Warner und Blogger (Selbstbeschreibung: “He believes Jacques Derrida is the true father of the Internet”), hat die REM-Fans dazu aufgefordert, das Konzert ihrer Lieblingsband in Dublin mitzuschneiden was das Zeug hält. Die Ergebnisse sind hier anzusehen. An so etwas könnte ich mich gewöhnen.
Lewis Shiner ist nicht nur einer der besten Sciencefiction-Autoren der Gegenwart und Gewinner des World Fantasy Award, sondern in seinen Werken spielt auch die Popmusik immer wieder eine zentrale Rolle. Vielleicht erinnert sich der/die ein oder andere noch an den Anfang seines preisgekrönten Romans “Glimpses” (auf Deutsch: Schattenklänge):
Once upon a time there was going to be a Beatles album called Get Back. They tried to record it in January of 1969, first at Twickenham Film Studios, then in the basement of Apple Corps at 3 Savile Row. Their own overpriced 24-track dream studio wasn’t finished and they had to bring in a mobile unit. So there they were, under bright lights, using rented gear, with cameras filming every move they made.
Jetzt hat Shiner sich in einem Manifest dafür ausgesprochen, ältere Werke, die nicht mehr in Druck verfügbar sind, im Internet zu “befreien”. Passenderweise hat er gleich einmal mit seinen kurzen Texten angefangen. Darunter auch ein sehr lesenswerter Beitrag über Brian Wilson.
Gar nicht so lange her (30 Jahre), dass das EhepaarCharles und Ray Eames ihre Dokumentation “Powers of Ten” abgedreht haben, um einen Eindruck von den Dimensionen des Universums und Mikroversums zu geben. Heute geht das zumindest in die eine Richtung auf dem heimischen PC mit GoogleEarth. Ich will dann aber bitte bald auch so etwas wie GoogleAtoms haben.
Wessen Lust an Untergangsgeschichten mit Thomas Manns Buddenbrooks noch nicht vollständig gestillt wurde, der sollte einen Blick in diesen Rolling Stone-Artikel werfen, der den Untergang der Musikindustrie dokumentiert. Aber: keine Angst, sagt Thomas, denn: “ohne den décadent […] waren Menschheit und Gesellschaft seit diluvialen Zeiten keinen Schritt vorwärtsgekommen. Es ist die Lebensuntauglichkeit, welche das Leben steigert, denn sie ist dem Gast verbunden.”
Dann können wir damit eine Menge Spaß haben. Für den Anfang hier ein paar Blogs nicht nur prominenter, sondern auch interessanter Personen aus dem Musikuniversum: Peter Hook (New Order), Robert Fripp (King Crimson-Legende), David Byrne (Talking Heads), Bob Mould (Hüsker Dü, Sugar, bloggt auch über Knut).
spricht Ulf Schönert im Stern. Genauer: von den 20 Millionen Nutzern des Internetradios-und-Hitparadengenerators last.fm. Und in einem kurzen Satz lässt sich dann auch das Prinzip des Web2.0 veranschaulichen
Wer zum Beispiel bei Metallica “Lieben” klickt und bei Bee Gees “Bannen”, bekommt mehr Hard Rock und weniger Schnulz.
Wer Lust hat und auch noch jemanden, der ihm das Internet bedient, kann sich hier ein bisschen mit einer geflashten Roland TR-909 vergnügen. Macht Spaß.
Ach ja, ehe ich’s vergesse. Die von mir moderierte last.fm-Gruppe “puredata” für alle Freunde der realtime-electronica und verwandter Genrese gibt’s jetzt auch als Gruppenradio:
Bald kann man ihn tatsächlich hören, den Sound unseres Planeten. Und zwar in Google Earth. Bernie Krauses Firma Wild Sanctuary hat, so BBC, mittlerweile mehr als 3500 Stunden Soundscapes aus allen Ecken der Erde gesammelt, die nun über die Google-Erde gelayert werden sollen.
Der Guardian macht sich Gedanken über die poetische Qualität der Poptexte. Die Leser dürfen ihren Favoriten wählen. Unter den Top 10 gehören Absurditäten (”Slowly walking down the hall / Faster than a cannonball” hat wirklich etwas von “Dunkel wars, der Mond schien helle”) und Gewollt-Nachdenkliches (”And where there used to be some shops / Is where the snipers sometimes hide”) ebenso wie identische Reime (”Generals gathered in their masses / Just like witches at black masses”) und gut klingender Nonsense (”High and high in the sky”).
Ab in die Popakademie, Nachwuchsklasse “Texten für Anfänger”? Oder doch eher: Texte sind auch nur ein Instrument und müssen vor allem zum Song passen?