Ich bin immer wieder gerührt davon, wie sehr man um meine Sittlichkeit bemüht ist. Nachdem flickr mir das nutzlose Betrachten von Bildern erotischen Inhalts erspart hat, sorgt nun Arcor dafür, dass mich Seiten wie sex.com, youporn.com oder privatamateure.com nicht mehr vom Bloggen abhalten. Wie unfreundlich von Heise und anderen, dahinter schnöde wirtschaftliche Interessen oder chinesische Wochen zu vermuten.
Eine erste Visualisierung des Longtail-Effekts, der auch in der metaroll zum Tragen kommt:
Jetzt gilt es, eine Technik zu entwickeln, die aus diesem langen Schwanz - 1234 von 1574 Weblogs tauchen nur in einer einzigen Blogroll auf - die Geheimtipps herausfiltert.
Musik als Produktivitätsboost? Academic Productivity glaubt an diese Idee und vergleicht drei bekannte Musikempfehlungsdienste hinsichtlich ihrer Möglichkeiten, den Hörer von Entscheidungen zu entlasten (und damit die Sozialform des DJs überflüssig zu machen):
Well, background music prevents me from getting bored and drift into distractions. Music may shield you from noises and attention-grabbing events logo-glass-blue-home around you. I think music helps me reaching flow when writing/programming.
Näher betrachtet werden last.fm, Pandora sowie der noch nicht ganz so breit bekannte (und bislang nicht ausreichend dokumentierte) Dienst MusicIP, der als “Testsieger” aus dem Vergleich hervorgeht, da sich mit dessen Hilfe die eigene mp3-Sammlung erfassen lässt und per Mausclick interessante (und einigermaßen intelligente) Playlists erstellen lassen.
Langsam kommt die metaroll ins Rollen (versprochen, das war das erste und letzte Mal, dass ich dieses Wortspiel verwende). Mittlerweile sind 26 Blogrolls ausgewertet und es lassen sich bereits erste Trends erkennen:
Die Blogrolls sind zu einem großen Teil auf die deutschsprachige Blogosphäre ausgerichtet. Unter den Top 100 sind aktuell nur deutschsprachige Weblogs.
Auch diese Metablogroll ist ein long tail-Phänomen. In den 26 Blogrolls befinden sich insgesamt 945 Weblogs, der größe re Teil davon wird nur einmal erwähnt.
Die metaroll ist (so sieht es momentan aus) keine bloße Kopie der deutschen Blogcharts. So sind mit argh!, Textspeier und Franziskript drei Blogs in den Top Ten, die nicht unter die 100 ersten Ränge der Deutschen Blogcharts gehören. Anscheinend wird die Blogrollverlinkung durch andere Muster bestimmt als die Verlinkung von einzelnen Beiträgen.
In den nächsten Tagen will ich die folgenden Dinge an der metaroll verbessern:
Die blogrollenden Blogs sind standardmäßig ausgeblendet und können mit einem Mausklick angezeigt werden.
Interessant erscheint mir die Möglichkeit, aus den momentan 945 Blogs ein Zufallsblog aufzurufen.
Möglich wäre auch die Anzeige der einzelnen Blogrolls.
Verbesserung der teilautomatisierten Blogroll-Erfassung.
Anzeige der Technorati-Authority der einzelnen Blogs.
Designverbesserung für die metaroll als Standalone-Seite
Dann gibt es auch noch eine Menge Platz für Spielereien: Anzeigen einer Netzwerkkarte der Blogs, Berechnung der Ähnlichkeit von Weblogs, Beschränkung der Anzeige auf A-Blogs u.s.w.
Fällt euch noch etwas ein? Ich freue mich über Anregungen.
UPDATE: Ich habe das Design etwas aufgehübscht, die Seite als Standalone gebaut und die Domain metaroll.de ist auch schon registriert. Und das AJAXige Eintragungsformular für die eigene URL steht auch schon. Es kann also losgehen!
Die hier skizzierte Idee einer blogrollbasierten Topliste habe ich mittlerweile probehalber umgesetzt. Wer seine Blogroll auch in diese Liste einfließen lassen möchte, kann seine Blog-URL hier in den Kommentaren hinterlassen.
Fast hätte ich es übersehen, aber zum Glück habe ich dann doch noch mitbekommen, dass heute Blogday ist. Sagt zumindest diese Seite und ruft dazu auf, Teil von etwas Großem zu werden, indem man einen Beitrag des eigenen Blogs dafür verwendet, fünf neue Blogs zu empfehlen. Da ich gerade erst über die Frage geschrieben habe, wie man neue Blogs entdeckt, kommt mir das recht gelegen. Hier also meine Empfehlungen:
Architectures of Control in Design: In diesem Weblog geht es darum, wie mit Hilfe von Architektur und Design soziale Räume kontrollierbar gemacht werden. Wichtige Perspektiverweiterung für den nächsten Stadtspaziergang.
Winzerblog: Hier geht’s um die zweitwichtigste Sache der Welt: Wein. Guten Wein.
You Ain’t No Picasso: Spannendes englischsprachiges Musikblog mit viel guter Musik.
Wortfeld: Immer wieder querdenkerisches Weblog zu den Themen, die Blogger interessieren: Netzpolitik, Statistiken, neuen und alten Medien, Wissenspolitik.
Das Textdepot: Noch ein lesenswertes Blog, das zu Reflexionen über die neuen Medien und den Wandel von Marketing und Journalismus einlädt.
Ein wirklicher Dauerbrenner in der Blogosphäre ist die Frage: Wie finde ich interessante Weblogs? Eine der naheliegenden und nicht besonders spannenden Antworten auf diese Frage sind die diversen Blogcharts. So werden zum Beispiel in den deutschen Blogcharts Weblogs danach sortiert, wie häufig sie von anderen Weblogs verlinkt werden (ein ähnliches Modell verwendete das gerade eben geschlossene Projekt blogscout.de). Die Idee dahinter ist, dass ein Weblog umso wichtiger (die diesem Ranking zugrundeliegende Kennziffer ist die “Technorati Authority“) ist, je häufiger es von anderen Weblogs referenziert wird. Das Ergebnis sind eine Handvoll Blogs, die von sehr vielen anderen Weblogs immer wieder als Quelle zitiert werden und ein langer Schwanz von Weblogs, die nur selten Erwähnung finden. So gibt es zum Beispiel nur sechs Weblogs, die von mehr als 1000 anderen Blogs im letzten halben Jahr zitiert wurden.
Eine weitere Möglichkeit, gute Weblogs zu finden, setzt bei den einzelnen Beiträgen an. Auf Plattformen wie Digg, Yigg oder die von Robert Basic initiiertenBlogperlen (wobei nur letzteres System ausschließlich Weblog-Beiträge aufnimmt) können die Nutzer interessante Beiträge einstellen (bei Rivva geschieht dies automatisch), die dann wiederum von anderen Nutzern bewertet werden. So entsteht eine Rangfolge von Beiträgen, die viele Nutzer interessant finden bis hin zu Beiträgen, die nur ein geringes Interesse finden oder gar Spam-Beiträgen, die von den Nutzern als solche markiert und dann aussortiert werden. Die entstehende Ordnung ist jedoch ständig im Fluss, so dass sich hieraus bislang noch keine einigermaßen stabile Webloghierarchie herauslesen lässt.
Die dritte Möglichkeit sind die Blogrolls. Viele Weblogs haben auf ihren Seiten eine Liste von anderen Weblogs, die sie selbst interessant finden. Hier kann man entweder nach dem Schneeballprinzip vorgehen und sich immer wieder die Weblogs ansehen, die von Blogs erwähnt werden, die man bereits regelmäßig liest. Auf diese Weise kann sich der Radius immer weiter ausdehnen, während man aber auch auf relativ unbekannte Blogs stoßen kann.
Will man sich nicht nach diesem Zufallsprinzip durch die Blogrolls klicken, bietet sich schließlich eine weitere Option an: man analysiert die Blogrolls derjenigen Blogs, die in den oben erwähnten Blogcharts einen hohen Rang einnehmen (die sogenannten “A-Blogs”). Auf diese Weise erhält man eine Liste von Weblogs, die von vielen der A-Blogger als lesenswert betrachtet werden. Ich habe probeweise einmal die Blogrolls der Blogcharts-Topten analysiert und es finden sich die folgenden Weblogs, die dort immer wieder auftauchen:
Ich habe hinter die Blognamen die Technorati-Authority in Klammern angeführt. Auf diese Weise wird deutlich, dass man es nicht mit einer bloßen Kopie der Blogcharts zu tun hat, sondern dass auch kleine und sehr kleine Weblogs von den A-Bloggern gelesen werden. Vielleicht lassen sich auf diese Weise tatsächlich interessante neue Blogs kennenlernen?
Weitere Tipps zum Thema findet man hier und hier. Einen anderen interessanten Ansatz verfolgt Stefan mit seiner Blog-Parade zum Thema “Show me your feed”, die letztlich zu einer Feed-Reader-Blogger-Map führen soll.
Die Weisheit der Massen (oder Ameisenintelligenz) sieht so aus:
Das ist nur ein Ausschnitt aus der Weltkarte, die Christian Lange im Rahmen des “Radical Maps”-Seminars aus den Daten von Googles Zeitgeist erstellt hat (via). Besonders schön ist seine Schlussfolgerung:
Die Suchthemen der unterschiedlichen Kulturen und Bewohner der heutigen Welt scheinen im Zeitalter des World Wide Webs für den hier untersuchten Augenblick relativ homogen zu sein. Kritisch betrachtet zeigt sich im Kontext eine gewisse Gleichschaltung westlicher Interessen und Lebensentwürfe. Bezeichnend ist eine bestimmte Vorliebe für Themen rund um Popkultur, Prominente und Berichterstattungen.
Einzig allein die Norweger interessierten sich im April mehr für »Love« als der Rest der Welt.
Heise online hat gerade eine Serie zum Thema “Freie Inhalte im Web” begonnen. Darin geht es um Open Source- und Open Access-Initiativen und alternative Lizenzierungsmodelle wie die Creative Commons Lizenz:
Eine dreiteilige Serie auf heise open spürt den freien Inhalten im Netz hinterher – von Unterhaltung und Bildung über Forschung und Lehre bis zu Bastelanleitungen, Strickmustern und Fotosammlungen. Die Artikel zeigen, wie viel freien Content es im Netz schon gibt – und an welchen Stellen noch gewaltige Lücken klaffen.
Im bereits erschienenen ersten Teil geht es um “Freie Musik, Filme und Bücher”. Erwähnt werden auch die für Musiker interessanten Initiativen Freesound, ccMixter, Jamendo, Magnatune, Gratisvibes und Musopen. Empfehlenswerte Lektüre. Morgen wird die Serie mit dem Thema “Forschung und Lehre” fortgesetzt, am 13. August folgen dann “Bastelanleitungen und Strickmuster bis Fotosammlungen”. Dann lasst mal die Nadeln klappern.
Der TV-Blogger hat heute mit Hilfe des Internetarchivs in die Vergangenheit der Fernsehsenderhomepages geblickt. Das hat mich inspiriert, auch einmal die Jugendsünden der Musikmagazine unter die Lupe zu nehmen.
Beginnen wir bei Intro. Die allererste Seite lässt bei mir schon einmal den Browser einfrieren: irgendein Java-Fehler. Aber diese hier von April 1998 funktioniert. Ich weiß nicht, ob dieser rote Hintergrund tatsächlich so gedacht ist (wenn ja: mutige Farbgebung), oder ob hier nur eine Grafik fehlt, aber die Marmorimitation (METAL70.GIF) der Navigationsleisten ist (ebenso wie das Frame-basierte Layout) schon einmal ein ganz typisches Element aus einer Zeit, in der man auch seine Worddokumente und Emails mit raffinierten mehr oder weniger fotorealistischen Hintergründen versehen hat (ich sage nur: Stationary). Wahrscheinlich haben bei den oberen Navigationsbuttons auch noch die kleinen Lämpchen beim Klicken geleuchtet.
Die Spex-Seite lässt sich sogar bis zum Oktober 1997 zurückverfolgen. Allerdings zeigt sich die erste Homepage doch eher etwas abweisend. Statt Poptheorie gibt es unter dem roten Spex-Logo nur einen banalen Satz in bestem Hausmeisterdeutsch “Bis auf weiteres hat die Redaktion diese Web-Site geschlossen.” Das bleibt dann auch eine ganze Weile so, bis die Seite dann 1999 ein Flash-Intro bekam, das jedoch leider für das Archiv verloren gegangen ist. Auf der eigentlichen Seite begrüßt die Redaktion ihre Leser mit der wunderbaren Dathschen Grußformel:
“Anstelle des üblichen nichtssagenden Webseiten-Opener-Vorgeplänkels, das uns, wie wir erfahren haben, unsere treuesten und wertvollsten Leser zu kosten droht, weil sie sogar an den Stellen, die einfach nur Grußformeln bringen sollen, Informationen über Tourneen und T-Shirt-Preise verlangen und sich ärgern, wenn da, wo “hallo” steht, bloß “hallo” steht …”
Leider sind die Grafiken nicht im Internetarchiv, so dass kein Urteil über Farben, Formen etc. möglich ist.
Zuletzt noch ein Blick auf den Musikexpress: Die früheste Seite von Januar 1999 besteht aus Frames. Mehr kann man nicht sagen, da die eigentlichen Seiten nicht im Archiv sind. Den Jahrtausendwechsel feierte die Seite mit dem Satz “Diese Webpräsenz ist noch im Aufbau”. 2001 tut sich dann wieder etwas: mehrere Monate lang werden die Inhalte der kommenden Printausgaben angekündigt, jeweils mit der Einleitung: “Hier entsteht der Online-Auftritt von MUSIKEXPRESS” (perpetual beta, schon damals?) Die Seite ist schlicht: wenig Grafiken, wenig Farben; könnte auch heute so irgendwo im Netz stehen.
Ich denke, die These, früher sei alles besser gewesen, kann damit zumindest für diese Beispiele als widerlegt gelten. Oder?
Social Networking ist schon seit längerem in die Welt der Musik eingedrungen (ich erinnere nur an last.fm, imeem oder Rhapsody). Diese Plattformen ermöglichen unter anderem:
Menschen mit einem ähnlichen Musikgeschmack zu finden,
sich aufgrund der bisher gehörten Musik Empfehlungen zu bekommen,
eigene Playlisten zu erstellen, die dann von anderen Nutzern (oder einem selbst) angehört werden können.
Es geht also vor allem um das Entdecken des musikalischen Raums. Die luxemburger Plattform Jamendo versucht dagegen, neben den erwähnten Eigenschaften, auch einen neuen Vertriebsweg für Musiker zu schaffen, die Creative Commons-lizensierte Musik anbieten. Dabei kann man sich als Nutzer sogar Alben mit einer der sechs CC-Varianten aussuchen, zum Beispiel wenn man Musik sucht, die man zu einem Remix verarbeiten will. Der Zugang zu der Musik ist dabei für den Nutzer in jedem Fall kostenlos: man kann sich also einzelne Tracks oder ganze Alben anhören oder herunterladen (zum Beispiel mit BitTorrent oder eMule). Das Schöne ist: man kann auf der Seite des Künstlers per PayPal bei Gefallen einen beliebigen Betrag spenden. Die Spender werden dann mit Betrag auf der Seite angezeigt, was einen milden sozialen Druck zu erzeugen scheint, der die Beträge etwas höher ausfallen lässt als bei anderen Spendenfunktionen. Außerdem gibt es die mittlerweile schon üblichen Community-Funktionen, mit denen man sich Künstler empfehlen lassen (basierend auf iRATE), Rezensionen schreiben und sogar lokale Musiker finden kann, auf deren Konzerte man vielleicht gehen möchte. Mit Foren, Wikis und einem anscheinend offenen API (sowie einem Corporate-Weblog) scheinen die Beteiligungsmöglichkeiten hier aber noch deutlich größer als in anderen Musikcommunities. Die Künstler können sich darüberhinaus auch noch in einem optionalen Programm einschreiben, mit dem sie je nach Zugriffszahlen an 50% der Jamendo-Werbeeinnahmen beteiligt werden. Die Statistiken der Seite sind jedenfalls recht beeindruckend: auf knapp 150000 Nutzer kommen zur Zeit über 4000 veröffentlichte Alben.
Zum Testen hier einmal etwas finnische Ambientsounds von Project Divinity:
Wie das WWW vor der Großen Abschaltung ausgesehen hat, kann man sich in diesem Werbevideo der Firma digital noch einmal vergegenwärtigen. Ganz und gar nicht digital treten Arcade Fire aus Montrealhier auf, mit Drehleier, Violine und einem großartigen Win Butler. Musikalisch nicht minder beeindruckend ist die neue EP der Yeah Yeah Yeahs, “Is Is”, die man wieder einmal bei 3voor12 vorhören kann. Oder aber die neue Platte von “Architecture in Helsinki”: sie erscheint offiziell erst Mitte August, kann aber hier bereits heute angehört werden. Ob diese Veröffentlichungen es aber in Listen wie diese (”10 landmark albums that made indie rock”) schaffen? Zu erwähnen ist auch das neue Netlabel WeePop-Records, das sich, wie unschwer zu erkennen ist, auf Twee-Pop und C86 spezialisiert hat und aucheiniges zum Download anbietet. So viel, dass man unbedingt eine 40 Gigabits-pro-Sekunden-Anbindung braucht, ist es nicht, aber es zählt ja nicht immer nur die Quantität. Zum Abschluss noch ein paar neue Bilder von Maximo Park: