In Edward Elgars 2. Symphonie kommen keine schmutzigen Wörter vor; das sagt zumindest iTunes. Man kann diese Platte also getrost zu Weihnachten verschenken, ohne dass es dabei zum Eklat kommt wie beim letzten Mal. Mit diesem 50 Cent oder wie der nochmal geheißen hat.
Ab und zu muss man auch einmal dorthin gehen, wo es richtig weh tut. Heute: Rüdiger Hoffmann. Den meisten dürfte er als Koh-mi-dien bekannt sein, dessen Auftritte als Padaborner Langsamdenker (”Ja, haalloo erstmaal! Ich weiß gar nicht, ob Sie’s wussten”) zu jeder Best-of-Comedy-Gala gehören. Jetzt hat er eine Rock-Platte herausgebracht, wenn auch die lapidare Beschreibung auf Wikipedia das wahre Ausmaß des Grauens, das den Hörer hier erwartet, noch verbirgt:
Am 31. August 2007 brachte Hoffmann sein erstes rein musikalisches Album “Sex oder Liebe” auf den Markt. Neben normalen Pop-Songs besingt er auch härtere Rythmen. Der Song “Testosteron” ist an die Band “Rammstein” angelehnt.
Das Konzept ist immerhin fast schon mutig, denn die komisierenden, aber selten überzeugenden Texte Hoffmanns passen überhaupt nicht zu der einwandfrei à la Westernhagen produzierten völlig unironischen und absolut belanglosen Musik. Wer mit der Komik Otto Waalkes sozialisiert wurde, hat ein Grundprinzip auswendig gelernt: komisches Liedgut erkennt man in der Regel durch die betont stümperhafte oder gar fragmentarische musikalische Untermalung. “Sex oder Liebe” verabschiedet sich von diesem Prinzip und wirkt wie der Versuch, zwei Zielgruppen gleichzeitig zu bedienen: massenindustrialisierte Radiopophörer, die Lust auf ein paar erfrischend freche Deutschrocknummern haben (”eine gewöhnungsbedürftige, aber durchaus gelungene Mischung“) sowie juvenile Comedy-Fans, die alle Songtexte auswendig lernen werden, um sie auf dem Schulhof zum Besten zu geben. Ob das funktionieren wird, ist noch nicht abzusehen, aber ich befürchte es.