Kaum jemand kann so schaurig-schöne Sachen im Dreivierteltakt produzieren wie Beirut-Songwriter Zach Condon. Die ersten Stücke der neuen Platte “Flying Club Cup”, die nun in der Blogosphäre auftauchen, versprechen viel Gutes (das ganze Album kann übrigens hier vorgehört werden [via]). So zum Beispiel der angenehm betrunken wirkende Heimorgel-Trompetenchanson “A Sunday Smile” (hier als mp3), eine “nice, rather simple introduction to the French sounds of The Flying Club Cup“. Denn für dieses Album hat sich Condon nach Frankreich begeben, um in jedem Song eine andere Stadt des Hexagons zu evozieren. Mit dabei sind auch Owen Pallett von Final Fantasy/Arcade Fire (hier noch ein Schnippsel von einem Livekonzert) und Heather Trost von A Hawk And A Hacksaw.
Diesen Herbst kommen Beirut dann nach Deutschland um ihr neues Werk vorzustellen:
19. November: Hamburg, Fabrik
20. November: Köln, Kulturkirche
21. November: München, Elserhalle
22. November: Schorndorf, Manufaktur
Und so sieht es dann so aus, wenn Zach Condon mit dem Kocani Orkestar auf der Bühne loslegt (via):
Die Musik kommt von Air. Der Text von Jarvis Cocker. Der Beat von Tony Allen (The Good, The Bad and The Queen). Produziert wurde das Ganze von Nigel Godrich (Radiohead, Beck, Travis, Pavement). Das Hauchen kommt von Jane Birkin. Diese ganz spezielle federleicht vorgetragene Melancholie von Serge Gainsbourg (”Je suis venu te dir’que je m’en vais”, remember?). Eine todsichere Angelegenheit also, Charlotte Gainsbourgs aktuelles Album “5:55“, aus dem jetzt der Titeltrack als Single ausgekoppelt wurde, unter anderem mit Remixes der Black Ghosts und von Metronomy (Video). Und so wurde Charlotte zu einer massenkompatiblen Ikone der frankophilen Indieszene wie zuvor bereits Daft Punk oder Air. Im Zweifelsfall trifft man sich beim kleinsten gemeinsamen Nenner: dem Sex-Appeal, der einem aus ihrem “leggy press photo” entgegenstrahlt.
Hier Gainsbourg im Video:
Einer der ganz großen Pioniere der elektronischen Musik in Frankreich ist mittlerweile fast in Vergessenheit geraten: Richard Pinhas, der nicht nur mit der Elektrorockgruppe Heldon (vorher: Schizo) eine ganz eigene Musik zwischen Progrock, Krautrock, Ambient und Minimal-Music im Stil von Terry Riley schuf, sondern auch für seine Zusammenarbeit mit dem Philosophen Gilles Deleuze bekannt war (Pinhas führt mit Webdeleuze eine der interessantesten Webseiten über Deleuze). Seine dritte Soloplatte “Iceland” gilt als seine beste, ich höre gerade die Zusammenarbeit mit dem französisch-katalanischen Künstler PascalComelade, “Oblique Sessions II” (1999) mit großem Genuss rauf und runter. Auf dieser Seite gibt’s nicht nur ein Interview mit Pinhas, sondern auch eine mp3-Aufnahme einer seiner Projekte mit Deleuze.
Hier gibt’s ein paar schöne Tracks der christlichen Vorzeigeelektroniker Justice, die sich gerade auf ihrer Welttournee befinden, zum Herunterladen und hier gibt es nochmal dasselbe für die US-Vorzeigebritpopper Voxtrot (Blog):
Apnée ist ein auf Specialten.tv ausgestrahlter Kurzfilm von Claude Chabot (Musik: Stéphane Scott), der mit einer beeindruckenden Zeitverzerrung arbeitet. Während im Fokus die Zeit stehenbleibt, läuft sie in der Umgebung weiter, so dass daraus in den Augen des Betrachters eine Geschichte entsteht. Eine Art filmisches Wurmloch. Jedenfalls sehr beeindruckend anzusehen.
Jetzt weiß ich, warum ich gestern immer so ein komisches Gefühl hatte, als bei der Fernsehausstrahlung von Bertoluccis Dreamers die Doors im Hintergrund liefen. Heute vor 36 Jahren ist Jim Morrison in Paris gestorben. Danke an den Schockwellenreiter für die Erinnerung. Deshalb auch von dieser Stelle ein Video eines ihrer besten Songs als Tribut:
Sehr schöne Idee, diese Konzerte zum Mitnehmen (concerts à emporter) der Blogotheque. In der 10. Ausgabe waren die New Yorker GrizzlyBear dran, die durch die Straßen von Paris bummelten und währenddessen Lieder wie “The Knife” zum besten gaben. Das sah dann so aus (Band + The Knife + Straßen von Paris):
Und nun zum zweiten Teil des Experiments. Man nehme wieder die grundlegende Konfiguration, Band (diesmal allerdings Beirut statt den Grizzly Bears) + The Knife + Straßen von Paris, füge aber die ein oder andere Flasche Wein dazu. Das sieht dann so aus. Der Unterschied ist klar erkennbar, stimmts?