Posts filed under 'folk'

Sonntagslächeln (Beirut, Owen Pallett, A Hawk And A Hacksaw)

Add comment September 1st, 2007

beirut.pngKaum jemand kann so schaurig-schöne Sachen im Dreivierteltakt produzieren wie Beirut-Songwriter Zach Condon. Die ersten Stücke der neuen Platte “Flying Club Cup”, die nun in der Blogosphäre auftauchen, versprechen viel Gutes (das ganze Album kann übrigens hier vorgehört werden [via]). So zum Beispiel der angenehm betrunken wirkende Heimorgel-Trompetenchanson “A Sunday Smile” (hier als mp3), eine “nice, rather simple introduction to the French sounds of The Flying Club Cup“. Denn für dieses Album hat sich Condon nach Frankreich begeben, um in jedem Song eine andere Stadt des Hexagons zu evozieren. Mit dabei sind auch Owen Pallett von Final Fantasy/Arcade Fire (hier noch ein Schnippsel von einem Livekonzert) und Heather Trost von A Hawk And A Hacksaw.

Diesen Herbst kommen Beirut dann nach Deutschland um ihr neues Werk vorzustellen:

  • 19. November: Hamburg, Fabrik
  • 20. November: Köln, Kulturkirche
  • 21. November: München, Elserhalle
  • 22. November: Schorndorf, Manufaktur

Und so sieht es dann so aus, wenn Zach Condon mit dem Kocani Orkestar auf der Bühne loslegt (via):


#60.9 - 60.10 - Zach Condon feat. Kocani Orkestar - Sunday
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Solo für Gesang und Schlagzeug (Nina Nastasia, Jim White)

Add comment August 31st, 2007

nastasia.pngObwohl die neuen Stücke der New Yorker Singer-Songwriterin Nina Nastasia (MySpace) auf “You Follow Me” aufgrund ihrer Instrumentierung zunächst recht einfach und transparent klingen (zu hören sind in erster Linie Gesang, gezupfte Gitarre und Schlagzeug), verbergen sich hinter dieser Einfachheit unglaublich komplexe Arrangements. Schlagzeuger Jim White, bekannt durch seine Arbeit in der australischen Experimentalband Dirty Three oder zusammen mit weirden Country/Folk-Künstlern wie Will Oldham oder Smog, ist nicht nur Begleitung, sondern neben dem an manchen Stellen atemberaubenden Gesang von Nastasia eigentlich als Solist anzusehen (”he alternately sounds like rolling thunder, fluttering birds’ wings, and everything in between” schreibt Brandon Lichtinger dazu). Er verschafft den Stücken immer wieder die nötige Tiefe, um aus schönen Folksongs merkwürdig ernste Folk-Kraut-Psychedelika zu formen. Dieser Kontrast ist ein Erlebnis: “Ausdrucksstark wirbelt, schleicht und stolpert Jim White um Nina Nastasia herum” beschreibt die Wirkung recht treffend. Martin Büsser bezeichnet das Werk als “Eine wirklich bewegende, aber wohl auch zum Geheimtipp verdammte Veröffentlichung.” Wer sich bewegen lassen möchte, kann sich “I Write Down Lists” schon einmal als mp3 herunterladen (via).

Tracklist:

  1. I’ve Been Out Walking
  2. I Write Down Lists
  3. Odd Said The Doe
  4. The Day I Would Bury You
  5. Our Discussion
  6. In The Evening
  7. There Is No Train
  8. Late Night
  9. How Will You love Me
  10. I Come After You

Erschienen am 1. Juni 2007 bei Fatcat.

Kanadaserie, Platz 1: Broken Social Scene

3 comments August 16th, 2007

kanada_11.pngNach einer kurzen Verschnaufpause findet die sommerliche Kanadaserie nun ihren Abschluss mit dem Spitzenreiter meiner Top Ten: Broken Social Scene. Im Vergleich zu den bisherigen Musikerkollektiven haben wir es mit dieser Supergruppe aus Toronto mit der “mother of them all” zu tun. Kaum vorstellbar, dass die Band einmal als Duo begann: 2001 nahmen Kevin Drew (zuvor bei KC Accidental) und Brendan Canning (aktiv unter anderem in den Bands By Divine Right, Blurtonia, Valley of the Giants, hHead und Len), allerdings mit zahlreichen Gastmusikern wie Justin Peroff (Junior Blue) oder Charles Spearin (Do Make Say Think, KC Accidental und Valley of the Giants), die später in Broken Social Scene eingemeindet werden sollten, ihr Debüt “Feel Good Lost” auf. Auf dem Album wird nur selten gesungen (”Passport Radio”) oder gesprochen (”Stomach Song”), es dominieren orchestrale Flächen, kunstvoll miteinander verwobende Jingle-Jangle-Gitarrenmelodien, Drones und ab und zu einmal ein Beat.

Um dieses Werk live aufführen zu können, holten sich die beiden weitere Musiker wie Andrew Whiteman (Que Vida und Apostle of Hustle), Jason Collett (Andrew Cash Band und Bird), Leslie Feist (Feist) und Emily Haines (Metric). Später kamen dann auch noch James Shaw (Metric), Evan Cranley (Stars und Gypsy Sol), Justin Peroff, John Crossingham, Amy Millan (Stars), Ohad Benchetrit (Do Make Say Think und The Hidden Camera, Sphyr), Martin Davis Kinack (Hayden und Transistor Sound & Lighting Co.), Jo-Ann Goldsmith, Torquil Campbell (Stars, Memphis), John Crossingham (Raising the Fawn), Lisa Lobsinger (Reverie Sound Revue) und Julie Penner (The FemBots, Do Make Say Think, Hylozoists und The Weakerthans) dazu und fertig war die 19-köpfige Unternehmung, die den kanadischen Indiepop mit dem Nachfolgewerk “You Forgot It in People” (2002/2003) eine neue Bedeutung geben sollte.

Wahrlich eine merkwürdige Dialektik, die hier am Werk ist: zunächst entsteht ein brilliantes und glasklares Album des Duos. Danach holen sie sich eine ganze Meute von Musikern, um die Stücke aufzuführen und stehen in diesem Moment vor dem ganz neuen Problem, wie man mit einem derart großen und multiinstrumentalischen Kollektiv umgeht, wie man es in die verhältnismäßig simplen und verständlichen Formen presst, die nach wie vor das Grundgerüst der Popmusik sind. An dieser Herausforderung sind Broken Social Scene gewachsen (und wachsen weiter), woraus dann letztlich ihre seltsame populär-avantgardistische Rolle entstanden ist. Klangschicht über Klangschicht sind in diesen Songs aufgetürmt, so dass der Hörer zum einen herausgefordert ist, will er die dahinterliegenden und sinngebenden Strukturen entschlüsseln, zum anderen wirkt diese muntere Genremischung dennoch an keiner Stelle gesucht oder allzu verkopft.

forgot.pngDas zweite Album der Band bedeutete den Durchbruch der Band, sowohl in den Augen der Kritiker als auch, was die Vermarktung betrifft. Nicht nur wurde es von vielen Kritikern als Album des Jahres gesehen, sondern es ist einer der seltenen Belege für einen plötzlichen Entwicklungssprung - nicht nur einer Band, sondern der Popmusik selbst. In dieser Hinsicht gehört dieses Album in eine Reihe mit Radioheads “OK Computer”, Pavements “Crooked Rain Crooked Rain” oder Sonic Youths “Daydream Nation”. Dass hier musikalisch eine echte Entwicklung geschehen ist, wird spätestens dann deutlich, wenn man versucht, die Musik von “You Forgot It in People” zu beschreiben: Folkiger Progrock? Athmosphärischer Postrock? Hippiesque Postelectronica? Experimenteller Dronepop? Krautrockiger Easy Listening-Sound? Charakteristisch für diese Musik sind nicht nur die langen Instrumentalpassagen, die feinen Bläserarrangements oder das pulsierende Schlagzeug, sondern ebenso der sphärische, oftmals unverständlich gelassene Gesang, dessen primäre Aufgabe nicht darin zu liegen scheint, dem Zuhörer die Songtexte zu vermitteln, sondern eher eine ganz spezifische Stimmung zu evozieren. Das Besondere an diesem Album ist, dass die Band nun einen Weg gefunden hat, das, was sie in ihrem Debüt an experimentellen Visionen skizziert hatte, mit den Mitteln des (mehr oder weniger) klassischen Songwritings und Orchestrierens auf eine ganz neue Weise ausdrücken. Eine Synthese, die überzeugt.

bss2.pngMittlerweile haben sie mit ihrem dritte Album “Broken Social Scene” (2005) eindrucksvoll demonstriert, dass sie nicht zu denjenigen Bands gehören, die aus dem Nichts heraus eine geniale Platte zaubern und dann ebenso schnell wieder verglühen - dass sie auf ihren Tourneen nicht auseinandergefallen sind, will bei dieser Gruppengröße wirklich etwas bedeuten. Aber was sag ich, selbst übertroffen haben sie sich mit diesem Album. Schon wieder. Nicht nur die RezensentIn in der Spex ist sich “so sicher wie selten, eine bedeutsame Platte gehört zu haben, dass ich es kaum in Worte fassen kann”, sondern auch Martin Büsser (vgl. auch seine interessante Analyse des neuen Kollektivdenkens in der Independent-Musik) erwähnt schwärmerisch “magische Momente, wie man sie vielleicht nur von einer Band wie Can her kennt, nämlich Passagen, bei denen man wesentlich mehr zu hören glaubt, als es tatsächlich zu hören gibt, bei denen sich die Summe aller Teile eben nicht mehr auf jene reduzieren lässt” bevor er zu seinem Gesamturteil kommt: “Faszinierende Platte”. Auch die Blogosphäre lobt dieses “FANTASTIC, yes, FANTASTIC, chaotic, beautiful, swirling, production-wise absolutely-spot-on, self-titled album” und Konzertbesucher wundern sich, dass “not even the magnitude of that show prepared me for how great this album is”. Und damit ist noch gar nichts gesagt über die diversen Soloprojekte der Bandmitglieder, die Zusammenarbeit mit anderen Musikgrößen wie J. Mascis oder über kunstvollen Neuinterpretationen von Kinderliedern.

Ich muss sagen, ich habe richtig Angst vor dem nächsten Album der Broken Social Scene. Wenn man die bisherige Entwicklung interpoliert, kann nicht weniger dabei herauskommen als eine Grenouillesche Musik, die so schön und gelungen ist, dass man sie gar nicht mehr anhören kann. Weil es lange nicht mehr vorgekommen ist, dass mir eine Band Angst macht, ist es mir nicht schwergefallen, diese Gruppe auf den ersten Platz zu setzen.

The End

Kanadaserie, Verschnaufpause

3 comments August 16th, 2007

Wer hat es auf den ersten Platz meiner kanadischen Indie-Top-Ten geschafft? In wenigen Stunden wird dieses Rätsel aufgelöst (komme jetzt leider nicht mehr dazu). Aber zuvor möchte ich noch einmal kurz auf die vielen anderen kanadischen Indie-Bands hinweisen, die ebenfalls sehr hörenswerte Musik machen, es aber wegen der Beschränkung auf zehn Bands nicht in meine Liste geschafft haben. Da wären zum Beispiel:

  • The Besnard Lakes, eine wundervolle Neo-Shoegazer-Band, denen mit “The Besnard Lakes are the Dark Horse” nicht nur ein sehr fantasievoller Albumtitel eingefallen ist, sondern die mit “Disaster” einen der düstersten Beach-Boys-Tracks aller Zeiten produziert haben. Auch diese Band gruppiert sich um ein Ehepaar: Jace Lasek und Olga Goreas. Und auch hier sind zahllose Verbindungen zu Bands wie den Stars, den Dears oder Godspeed You! Black Emperor auszumachen, die allesamt auch auf dem Album mitgespielt haben.
  • Young Galaxy, eine weitere Band aus dem Stars-Umfeld, die mit “Swing Your Heartache” eine großartige Kombination aus Herzschmerzcountry und Spacepop à la Air geschaffen haben (die restlichen Songs ihres Debüt-Albums “Young Galaxy” sind gut, aber nicht überragend). Im Mittelpunkt steht wieder ein Paar: Stephen Ramsay und Catherine McCandless und auch hier haben Musiker aus anderen Bands wie etwa den Besnard Lakes mitgewirkt.
  • The Dears, deren Musikstil mit dem Titel ihrer ersten EP aus dem Jahr 1995 ganz gut umschrieben ist: “Orchestral Pop Noir Romantique” und die wie so viele kanadische Bands eine schwer zu durchschauende und immer wieder wechselnde Mitgliederliste besitzen.
  • Death from Above 1979, einer der härteren Bands aus Toronto, die weniger orchestral und romantisch klingen, sondern stattdessen eine wilde Mischung aus Dancefloor und Postpunk spielen. Leider haben sich DFA1979 vor ziemlich genau einem Jahr aufgelöst.
  • Aber das sind noch längst nicht alle interessanten Bands der canadian invasion, sondern es gibt auch noch Malajube, You Say Party! We Say Die!, Final Fantasy oder Metric.

    Soviel erstmal für den Moment, morgen gibt es dann wie versprochen die Nummer 1! Wahrscheinlich wisst ihr sowieso schon, wer das sein wird. Oder?

Kanadaserie, Platz 2: Arcade Fire

1 comment August 15th, 2007

kanada_2.pngBühne frei für den Zweitplatzierten meiner kanadischen Indie-Top-Ten: die phänomenalen Arcade Fire. Wie unsere beiden vorangegangenen Bands stammt auch dieses siebenköpfige Rockorchester - Sänger Win Butler, seine Frau Régine Chassagne, Richard Reed Parry, der Bruder des Sängers William Butler, Tim Kingsbury, Sarah Neufeld und Jeremy Gara - aus Montréal in der französischsprachigen Provinz Québec. Eigentlich gibt es über diese Band gar nicht mehr viel zu erzählen, galten sie doch als Speerspitze der “canadian invasion” und veröffentlichten Anfang März dieses Jahres mit “Neon Bible” das absolute Konsensalbum des modernen Indierock. So zierten sie dann auch die Cover der einschlägigen Musikzeitschriften und erreichten dadurch sogar bei den musikalisch eher unbedarften frappacinoschlürfenden Bahnhofskiosksbesuchern zumindest einen unterbewussten Bekanntheitsgrad.

af1.pngDie große Leistung von Arcade Fire kann man eigentlich gar nicht genug würdigen, denn sie haben es mit diesem Album geschafft, trotz der hohen Erwartungen, die sich nach dem Vorgänger “Funeral” bei den Kritikern angesammelt hatten, wieder eine Platte herauszubringen, die von einer großen, wirklich überwältigenden Zahl von Rezensenten Lobeshymnen auszulösen. Dazu gehört natürlich auch die immer wieder von der Band demonstrierte Haltung, sich nicht ausverkaufen zu wollen, sondern der U2isierung des Indiepop irgendwie auszuweichen:

I don’t know if U2 started it, or The Stones or Oasis but a lot of bands think in terms of: ‘I’m going to be the biggest band in the world. Fuck all those bands who’ve got no ambition’. I think that’s a total crock of shit. (zitiert nach Intro)

Normalerweise müssten bei solchen Äußerungen spätestens seit der Kommerzialisierung von Kurt Cobain selig die Alarmglocken läuten. Nicht so bei Arcade Fire. Denn ihre Musik ist einfach so brilliant, dass man ihnen wahrscheinlich alles verzeihen würde. Bei anderen Künstlern gibt es manchmal so eine Art Beißhemmung. Man sagt: Klar, die Ablehnung des Kunstbetriebs, die sich hier zeigt, ist genau die raffinierte Version der Ausbeutung durch die Industrie. Aber jemanden, der es so gut meint und selbst nicht die Fähigkeiten hat, seine eigene Situation zu theoretisieren, darf man nicht auch noch in die Pfanne hauen. Genau dieses Muster gilt für Arcade Fire nicht. Aber was ist es dann, was Arcade Fire ausstrahlen, das sie auf diese Weise imprägniert?

Ich glaube, dass es möglicherweise so eine Art “neutrale Zone” ist, die sie mit ihrer Musik schaffen - mit den romantischen Songstrukturen, den an Kammermusikabende erinnernden Streichern, der immer etwas zittrigen Stimme von Win Butler, den Momenten, in denen sie im hämmernden Staccato durch die jüngste Popgeschichte sausen, aber immer wieder zurückfinden in die scheinbare Einfachheit einer gezupften Folkgitarre. In dieser neutralen Zone haben die Kritiker die Möglichkeit, sich für ein paar Songs ihrer gesellschaftlichen Funktion entledigen: müssen nicht mehr Kritiker sein, sondern können gemäß der kommunistischen Utopie auch einmal den Handwerker spielen, der von seinem Tagwerk heimkommt und zum Abschluss des Tages das Radio aufdreht, um sich an dem Zauber des Zusammenspiels der Instrumente zu erfreuen (es kann natürlich auch der frappacinoschlürfende Bahnhofskioskbesucher sein) und zuhört, wie diese Band aus dem fernen Kanada ihre Stücke spielt, bei denen es in immer neuen Variationen um “singularisierte Identitäten in der globalisierten Welt, um Intimes, vorgeführt in einem stets leicht skurrilen Zirkuszelt” (Kai Klintworth in Intro) geht. Entspannung ohne Erschlaffung. Man hat das Gefühl, einer Wahrheit auf der Spur zu sein, muss sich aber ausnahmesweise einmal nicht dazu überwinden, sie in Worte zu fassen, sondern kann sie dunkel lassen.

nb.pngDie Musik selbst wechselt immer wieder zwischen nostalgischen Beschwörungen einer unmöglichen Zukunft und der drastischen Darstellung des drohenden Untergangs (”Wenn uns das 21. Jahrhundert schon fressen wird, stolzieren wir eben als Marchingband in seinen schwarzen Rachen”, schreibt Dana Bönisch über das “Endzeit-Manifest” Neon Bible) - das alles aber gegossen in hymnische Formen, bei denen es mich nicht besonders wundern würde, wenn sie in fünfzig Jahren zusammen mit Bach und Buxtehude im Rahmen der Lübecker Kirchenmusikwochen gespielt würden (passend dazu schwört Oliver: “wenn ‘Intervention’ zu Beginn und zum Schluß gespielt wird, gehe ich auch wieder regelmäßig in die Kirche, großes Indianer-Ehrenwort!”). Manchmal sind es nur ganz kleine Verschiebungen, Wechsel zwischen Dur und Moll oder eine Melodie, die auf einmal in einem ganz anderen harmonischen Kontext auftaucht und einen von da an nie mehr loslässt. Um nur ein Beispiel zu geben: mich packt es immer wieder bei der zweite Hälfte des Refrains von “Rebellion (Lies)”, wenn der harmonische Hintergrund der Zeile “Every time you close your eyes” auf einmal nicht mehr auf dem Wechsel von Bb - Eb aufsitzt, sondern nun auf Bbm - Gb - Db - Ab. Die Mittel sind subtil, die Wirkung wundervoll (ein ähnliches Ding, freilich mit ganz anderer Bedeutung, haben die Doors in ihrer “Love Street” unternommen):
af_noten.png
Wer keine Lust hat, sich ans Klavier zu setzen und den Refrain nachzuspielen, kann sich hier das Original noch einmal ansehen und anhören (mp3-Stream, noch mehr Streams hier, außerdem einige B-Seiten):

Ach ja, bevor ich’s vergesse: Im August und November sind sie endlich wieder einmal in Deutschland auf Tour, nachdem die letzten Konzerte wegen einer Erkrankung des Sängers abgesagt wurde (Tickets 22-24 EUR zzgl. VVK):

  • 22. August 2007: Köln, Palladium (Support: Herman Düne)
  • 8. November 2007: Berlin, Columbiahalle
  • 11. November 2007: München, TonHalle

Wir sehen uns in der neutralen Zone. (Bild: “Arcade Fire”, Wikipedia)

Mariah ohne Mariah (Will Oldham, Mariah Carey)

Add comment August 11th, 2007

Will Oldham, auch bekannt als Palace Brothers, Palace Songs, Palace Music und Bonnie ‘Prince’ Billy, ist vermutlich eine der schillerndsten Persönlichkeiten der amerikanischen alt-country-Szene. Er bezieht sich immer wieder auf Country und Folk, verarbeitet diese Einflüsse jedoch auf seine ganz eigene Art, deren Grundlage die scheinbar einfache und ehrliche, aber dennoch unberechenbare Ästhetik des Do-It-Yourself liefert, die jedoch selbst vor dem Hintergrund der Popindustrie stattfindet und insofern eine Ehrlichkeit inszeniert, die immer schon Reaktion und Gegenentwurf ist. Mittlerweile hat er bereits zehn Alben aufgenommen, einer seiner Songs wurde von Johnny Cash gespielt, Björk zählt zu seinen Fans und vor kurzem ist Oldham sogar, man rätselt immer noch, wie es dazu kam, in dem Video zu “Can’t Tell Me Nothing” von Kanye West aufgetreten (für ein unterhaltsames Interview mit Oldham vgl. diesen Beitrag).

Jetzt hat er unter dem Namen Bonnie ‘Prince’ Billy an die Aufgabe gewagt, “Can’t Take That Away” von Mariah Carey in einer schlicht-elektronischen Karaokeversion zu covern (mp3 gibt’s hier, hier oder hier). Je öfter ich den Song anhöre, desto stärker habe ich das Gefühl, dass es absolut stimmig ist, was Oldham hier durchzieht. Mit dünner Stimme, Drumcomputerbeats, Pizzicatostreichern aus dem Synth gegen die Stimmgewalt und geballte Marketingmaschine einer Mariah Carey anzutreten (unterstützt durch Studioflügel und Symphonieorchester) - eine herrliche Idee. Aber zugleich erweist er Mariah Carey damit auch noch einen Dienst, indem er demonstriert, dass in der von ihr (mit-)geschriebenen Schnulze, wenn man sie bis auf die wesentlichen Bestandteile entkleidet, ein wunderbarer Song steckt. Und dass kann ihr tatsächlich niemand wegnehmen.

Kanadaserie, Platz 6: Wolf Parade

Add comment August 10th, 2007

kanada_6.pngObwohl die heutige Band Wolf Parade genau am entgegengesetzten Ende Kanadas aktiv ist, nämlich in Montréal, lässt sich hier zumindest ein Muster erkennen, das auch die gestern vorgestellten New Pornographers sowie Black Mountain prägt: hinter der Band steht eine sehr viel größere Gemeinschaft von Musikern und Künstlern, was sich auch in zahlreichen Nebenprojekten ausdrückt. Wolf Parade gäbe es heute vermutlich gar nicht, wenn nicht Spencer Krug, Sänger, Songwriter und Keyboarder bei Frog Eyes, im Jahr 2003 gefragt worden wäre, ob er nicht im Vorprogramm von Arcade Fire auftreten wolle.

wp1.pngVielleicht um seine Musikerbiographie genügend zu verästeln, veröffentlichte Krug 2005 als Sunset Rubdown (vgl. auch hier) ein weiteres Album. 2006 wurde Sunset Rubdown dann wiederbelebt, aber nicht mehr als Soloprojekt, sondern als Band, in der neben Krug auch noch Camilla Wynn Ingr von Pony Up! (siehe auch hier), Jordan Robson-Cramer von XY Lover und Magic Weapon sowie Michael Doerksen mitwirkten. Bislang haben Sunset Rubdown zwei Alben und eine EP veröffentlicht. Außerdem hat Spencer Krug in dem Instrumentaltrio Fifths of Seven (MySpace) gespielt, zusammen mit Beckie Foon, die wiederum den Bands A Silver Mt. Zion (eine der Godspeed-Nachfolgeprojekte), Set Fire to Flames und Esmerine angehörte, sowie Rachel Levine von Cakelk. Aber Spencer Krug wäre kein Kanadischer-Superindiemusiker, wenn er nicht auch in mindestens einer kanadischen Indie-Supergruppe mitspielen würde: Swan Lake. In diesem Projekt sind auch der gestern bereits erwähnte Dan Bejar dabei sowie Carey Mercer aus Krug’s erster Band Frog Eyes.

Wie ging es mit dem Arcade Fire-Konzert 2003 weiter (wie gut die Band heute live klingt, kann man hier erleben)? Spencer Krug rief seinen Freund Dan Boeckner an, der Sänger, Songwriter und Gitarrist bei Atlas Strategic war und später zusammen mit seiner Frau die Handsome Furs (siehe auch hier) begründete (außerdem spielte er zeitweise bei den Islands mit): “He called Dan Boeckner. “I heard you play guitar,” he said, “I heard you go twang twang real good. And sing. Squawk squawk, mumble mumble. Come make a band with me. We have a show in three weeks.” Krug und Boeckner schrieben also einige Songs für den Gig, zunächst mit einem Drumcomputer. Schließlich entschieden sie sich aber dafür, das Gerät durch Arlen Thompson zu ersetzen, der immerhin auch einmal bei einem Song von Arcade Fire getrommelt hatte. 2004 kam auch noch Hadji Bakara hinzu und 2005 Dante DeCaro (zuvor bei Hot Hot Heat) als zweiter Gitarrist. Kompliziert genug? Ich denke schon. Deshalb habe ich mir die Mühe gemacht, dieses Netzwerk einmal mit Paint (womit denn sonst) aufzumalen, so dass das Muster deutlicher wird:
Landkarte
Die erste EP “Wolf Parade” nahmen sie noch als Trio in Eigenregie auf, bei der zweiten EP “Wolf Parade” war Hadji Bakara schon dabei. Isaac Brock (Modest Mouse) ließ sich von der Band überzeugen und brachte Sub Pop dazu, Wolf Parade unter Vertrag zu nehmen. Er produzierte dann zunächst noch eine weitere (Promo-)EP mit dem Titel “Wolf Parade” und schließlich das erste Album der Band, “Apologies to the Queen Mary“, das 2005 veröffentlicht wurde. Besonders faszinierend ist, wie die beiden Songwriter Krug und Boeckner auf diesem Album zusammenwirken. Zum einen wechseln sich Krug-Songs und Boeckner-Songs einigermaßen gleichmäßig ab, aber auch in den einzelnen Songs bekommt man nach mehrmaligem Anhören den Eindruck, als würden sie sich gegenseitig kommentieren (wenn sie sich nicht sowieso dabei sind, sich gegenseitig Textzeilen an den Kopf zu werfen, respektive zu schreien). Musikalisch bewegt sich das Album zwischen 70er Artrock à la David Bowie/Brian Eno, den wohl unvermeidlichen Modest Mouse-Inspirationen sowie dem Postrock-/Postpunkidiom des beginnenden 21. Jahrhunderts.

Nach den beiden ersten Songs, dem metallisch schroffen, ziemlich harten “You Are a Runner and I Am My Father’s Son” (mp3) und dem folkigen “Modern World” mit seinen akustischen Gitarren und der melancholischen Stimmung, nimmt die Platte mit “Grounds for Divorce”, einem der besten Songs mit dem typisch exaltiert-abgehackten Gesang Krugs und vielen übereinandergelegten singenden Gitarren- und Keyboard-Melodien wieder Fahrt auf. Zudem findet man hier textliche Highlights wie “Said you hate the sound / Of the busses on the ground / Said you hate the way they scrape their brakes all over town / Said pretend it’s wales / And keeping their voices down / Such were the grounds for divorce i know”. An anderen Stellen erinnern Wolf Parade an Suede (”Fancy Claps”) oder sogar etwas an Nirvana (”It’s A Curse”). Durch das ganze Album zieht sich das Thema der Geister, die zum Beispiel in der von einem heulend-pfeifenden Theremin begleiteten Ballade “Same Ghost Every Night” mit dem lyrischen Ich auf merkwürdige Weise sprechen: “When you’re on your own / Spread out on the mat / Dead”. “Shine A Light” (mp3), eine hymnische Erinnerung an das Spannungsfeld zwischen verpassten Möglichkeiten und dem Pulsieren in den Adern, das einen daran erinnert, dass man noch lebt (”we’re chain chain chain chain, chained to the life”), gehört sicher zu den besten Liedern des Albums und vielleicht sogar zu dem Besten, was in den letzten Jahren im kanadischen Indiepop entstanden ist. Aber auch mit “I’ll Believe In Anything” ist der Band ein moderner Klassiker gelungen, der mit wilden Drums, Spielzeugsynths eine hypnotische Macht über den Zuhörer gewinnt.

Gerade hat die Band die Aufnahmen zu ihrem zweiten Album abgeschlossen; ein konkreter Veröffentlichungstermin wurde jedoch noch nicht genannt. Hier kann man zumindest drei neue Songs schon einmal als Livemitschnitte anhören. Aber mittlerweile ist man sich gar nicht mehr sicher, ob zum Beispiel Sunset Rubdown ein Wolf Parade-Nebenprojekt darstellt, oder ob es sich vielleicht schon umgekehrt verhält und Wolf Parade nur ein Anhängsel von Sunset Rubdown ist. Am 9. Oktober erscheint jedenfalls das dritte Album der Band, “Random Spirit Lover“. Den Track “Up on Your Leopard, Upon the End of Your Feral Days” kann man sich bereits jetzt herunterladen und anhören.

Gruseln im Kollektiv (Animal Collective, Timothy Saccenti)

2 comments August 9th, 2007

peacebone.pngDie nächste Single der New Yorker Animal Collective wird “Peacebone” heißen und am 21. August erscheinen. Und wer bereits einmal das Cover gesehen hat (siehe Bild), der wird sich vermutlich fragen, wie denn bloß das dazugehörige Video aussehen könnte. Plötzlich sind auf YouTube zumindest schon einmal ein paar Making-Of-Filmchen aufgetaucht, in denen man zumindest einen ersten Eindruck davon bekommen kann, um was es in dem von Timothy Saccenti (u.a. tätig für The Battles, TV on the Radio, LCD Soundsystem, Peaches) gedrehten Video grob gehen wird (via).
[Videos leider nicht mehr auf YouTube]
Mein Fazit nach mehrmaligem Sichten des Materials: Wenn es um das gruseligste Musikvideo geht, können die Herren Tare, Bear, Deakin und Geologist künftig ein Wort mitreden. Wenn auch gruselig auf eine andere Art.

Einladung in die Höhle (The Cave Singers)

1 comment August 5th, 2007

cavesingers.png Wie cool ist das? Eine Band, die ein Blog als Homepage hat. Und dann nicht ein gewöhnliches Text-Video-Undsoweiterblog, sondern so ein richtig altmodisches Fotoblog, wie sie seit dem Aufkommen von Flickr zur Rarität geworden sind. Aber davon ganz abgesehen machen The Cave Singers aus Seattle richtig spannenden Postfolk (”They are 4 kinds of awesome” beschreibt Dawn das ganz richtig), bei dem die sich immer wieder wiederholenden Melodiefragmente nach einer Weile eine wunderbar einlullende Wirkung entfalten (”A song that requires only a few moments before sweeping you away“). Ein Soundtrack zum Cocooning. Die Assoziation drängt sich auch Chris auf, der vermutet, “that this song will end up on an indie film soundtrack at some point in 2008″. Die aktuelle Single “Seeds of Night” gibt es auf der Seite des Labels zum kostenlosen Download in voller Länge und Qualität oder für 3 US-Dollar als 7″, das Album “Invitation Songs” steht ab 25. September in den Plattenläden.

Dies ist kein Musikvideo (Devendra Banhart, The Stranglers, Jim Morrison)

5 comments August 4th, 2007

Ich hatte ja bereits von Devendra Banharts nächsten Album berichtet. In der Zwischenzeit ist seine neue Homepage fertig geworden, auf der man sich das Menu erst einmal freischaufeln muss - typisch Messie. Dort angekommen, kann man nicht nur zwei neue Tracks von “Smokey Rolls Down Thunder Canyon” ansehen (es handelt sich um das Tropicana-inspirierte “So Long Old Bean” und die schlichte dylanesque Folkballade “Seahorse” mit der Anfangszeile “I’m high, I’m happy and I’m free”, das sich nach zwei Minuten in “Golden Brown” von den Stranglers verwandelt und später noch in einem Doorslastigen Improvisationsteil mündet), sondern auch ein Video zu dem acht Minuten langen “Seahorse”. Die Anmerkung “This is not a music video” lässt sich auch als Warnung verstehen, denn was den Betrachter auf dem Video erwartet, ist einigermaßen merkwürdig (Messerwerfen, Löten, Herumalbern mit der Schrotflinte, Superstar in Unterhose spielen) und vor allem: sehr bartlastig (wie wär’s mit einem Devendra-Bart, Julie?) Erinnert etwas an Laurel Canyon, das Setting, ist aber sehr viel überzeugender. Auch der Rest der Blogosphäre zeigt sich begeistert über den “Weird shit, great song“, den diese “langhaarigen hippies” da geschaffen haben. Besonders groß ist die Begeisterung darüber, dass anscheinend auch der mexikanische Schauspieler Gael García Bernal mit von der Partie ist. So indie it hurts fasst auch meine Erwartungen an das Album gut zusammen: “These songs are so good by themselves and in crappy myspace compressed quality, I can’t imagine how phenomenal this record is going to be as a whole.”
Naja, seht selbst:

(via)

Das aktuelle POPLOG-Gespräch: Tickley Feather

Add comment August 3rd, 2007

Tickley Feather - Foto von Kimber VansantVorgestern hatte ich von Tickley Feather berichtet und musste feststellen, dass es über diese vielversprechende Künstlerin aus Philadelphia kaum Informationen im Netz gibt. Da liegt es doch nah, einfach einmal nachzufragen. Deshalb freue ich mich, euch hier die erste Episode des aktuellen POPLOG-Gesprächs präsentieren zu können. Ich habe davon abgesehen, das Interview zu übersetzen, da auf diese Weise doch zuviel verloren geht.

POPLOG: On the internet there’s almost no information about Tickley Feather. Could you tell us a bit about your life and your musical background?

Tickley Feather: I grew up in the woods down South and didn’t realize that you could make music without being a famous person. I only had access to top 40’s stuff or really really old stuff until I left for college. Then I was suprised to find out that there were “shows” to go to, where just any old pile up of bands could play. Trying to join up with other people’s projects kind of sucked me in for a while, but I never found exactly what I was looking for.
Somewhere in there, I took a friend’s advice and asked my mom to buy me a 4 track. And even though I’ve had it for a while, I didn’t really get hot and heavy for using it until I became a mother (4 years ago). I was pretty isolated during that time and became determined to soothe myself. I think thats when any fear of making horrible songs became less important, and I felt compelled to just go at it. So my barbaric solo style was born. A lot of my songs still end up having mistakes with the keyboarding, etc. I’m amazed that people can stomach it!

P: Is there a story behind the name “Tickley Feather”?

TF: Really, I wanted a name to put on a tape of my songs to send back home to my friends. I guess I wanted it to sound like a saucy hooker made the songs. I don’t know, it was just fun. I never really planned to take my music anywhere beyond that, but now that name is printed on my 2 little records. I’m still amazed.

P: How’s the music scene in Philadelphia at the moment?

I’m really lucky to be around some people who are making super special music. Amazing 4th dimension genius type stuff. This area is blossoming like an orchid right now.

P: I must confess: I don’t understand a word of what you’re singing (reminds me of the early Animal Collective). What are your lyrics about?

TF: I’ll just say this: sometimes the stars line up when I’m recording and a couple words that seem to go together will come out. But if that doesn’t happen, I fall back on the no holds barred rule. I’m a big fan of not making laws about what has to happen in a song. It sounds rough, I know.

P: Two EPs already. I feel there must be an album in the near distance, is that true?

TF: I am currently recording for a release on Paw Tracks.

P: Do you record your songs all by yourself? Could you elaborate a bit on the equipment you use?

My favorite object of music is my zoom effects box. Early on, my old boyfriend gave it to me to save me from singing into a metal salad bowl to make stuff sound better. It freed me.
I still use the cheap microphone my dad supplied me with and the same little Tascam my mom got me for most recording. I have 2 borrowed keyboards and one I own. I like to dabble with anything I can get my hands on. I have to be resourceful, due to not having any money.

P: Most blog entries about you assume your music has been recorded in the bedroom. What does that tell you about the blogger community?

TF: The term “bedroom” is an interesting modern way to put a certain type of music in its place, i guess. I think that says to me that the blogger community likes to use modern terms to describe things.
In my case, my livingroom is my bdroom???
And my recent recordings, for the record, have been done half in a leaky garage full of golf carts, and the other half in a tacky-looking farm house with a copperhead snake locked in the basement.

(Foto: Kimber Vansant)

Süß wie Kuchen (Tickley Feather, Animal Collective, Panda Bear)

1 comment August 1st, 2007

tickley.png Für Panda Bear hat sie bereits eine Show eröffnet und demnächst wird sie in den USA im Vorprogramm von Animal Collective auftreten. Und das passt sehr gut zusammen, nicht nur was ihre aus dem Video ersichtliche Neigung zu Schmierereien in rot angeht. Nein, auch musikalisch passen die Folkdekonstruktivisten sehr gut zu der fremden ätherischen (ich schreib jetzt extra nicht federleichten) Mischung aus Kinderliedern, trashigen DIY-Aufnahmeartefakten und akustischer Songwritertradition, die Tickley Feather (bürgerlich: Annie Sachs) geschaffen hat. Ein Album hat sie noch nicht veröffentlicht (aber zwei halbe EPs hier und hier). In die Musikstücke auf ihrer MySpace-Seite hineinzuhören lohnt sich aber auf jeden Fall. Sie wirken alle eher wie Skizzen oder Fragmente, meistens bestehen sie nur aus ein oder zwei musikalischen Themen, die dann über gut zwei Minuten wiederholt werden. Der Gesang lässt sich dabei, auch darin passt sie gut zu dem Kollektiv, schwer bis gar nicht verstehen; auch, weil häufig mehrere Spuren übereinandergelagert werden und ziemlich stark verhallt und durchs Echogerät gejagt werden. Die musikalische Blogosphäre zeigt sich jedenfalls beeindruckt von diesen “sort of meandering non-song things you’d expect a sexy one-woman Panda Bear opener to do” (Phillyfuture), den “echoed layers of dreamy lo-fi bedroom psych-rock” (Crackers United) oder den “lo-fi lullabies for ghost dollhouses using discarded pieces of skin, flesh and heart” (20JFG). “Cute as pie“, indeed. Merkwürdig, dass die Blogger in ihren Beschreibungen immer im Schlafzimmer landen.

[via GvB]

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