Ganz gleich ob Math-Rock oder Prog-Groove, dieser Clip zu der neuen Single “Tonto” der Battles überzeugt mich. So muss Musik von Außerirdischen klingen, die von dem langen Hyperraumflug noch völlig spacelagged sind und trotzdem auf die Bühne müssen. (via)
Obwohl die neuen Stücke der New Yorker Singer-Songwriterin Nina Nastasia (MySpace) auf “You Follow Me” aufgrund ihrer Instrumentierung zunächst recht einfach und transparent klingen (zu hören sind in erster Linie Gesang, gezupfte Gitarre und Schlagzeug), verbergen sich hinter dieser Einfachheit unglaublich komplexe Arrangements. Schlagzeuger Jim White, bekannt durch seine Arbeit in der australischen Experimentalband Dirty Three oder zusammen mit weirden Country/Folk-Künstlern wie Will Oldham oder Smog, ist nicht nur Begleitung, sondern neben dem an manchen Stellen atemberaubenden Gesang von Nastasia eigentlich als Solist anzusehen (”he alternately sounds like rolling thunder, fluttering birds’ wings, and everything in between” schreibt Brandon Lichtinger dazu). Er verschafft den Stücken immer wieder die nötige Tiefe, um aus schönen Folksongs merkwürdig ernste Folk-Kraut-Psychedelika zu formen. Dieser Kontrast ist ein Erlebnis: “Ausdrucksstark wirbelt, schleicht und stolpert Jim White um Nina Nastasia herum” beschreibt die Wirkung recht treffend. Martin Büsser bezeichnet das Werk als “Eine wirklich bewegende, aber wohl auch zum Geheimtipp verdammte Veröffentlichung.” Wer sich bewegen lassen möchte, kann sich “I Write Down Lists” schon einmal als mp3 herunterladen (via).
Hier nur eine kurze Ankündigung in eigener Sache. Morgen findet in Regensburg das Plac.Art.X-Kopfhörerfestival in der Galerie Leerer Beutel statt. Zahlreiche Künstler aus dem In- und Ausland werden dort ihre Werke für Kopfhörer vorstellen: Walter Cianciusi (Italien), El Lazo Invisible (Mexiko), This Window (UK), chiste (Chile), John Kannenberg (USA), transponderfish (Deutschland), miulew (Sweden), christiaan cruz (USA), benedike koehler (Deutschland), JanedaPain (USA), gintas k (Litauen), little_johnny_anger ( - ), tbttbc (Belgien), Eartrumpet (UK), Jori Tokyo (Deutschland), { brad brace } (USA), bryce beverlin II (USA), phog masheeen (USA), nathalie fougeras (Frankreich), ookoi (Frankreich/Niederlande) usr/sbin (USA). Auch ich werde mit von der Partie sein und mein Stück “School’s Out What Did You Expect” per Shoutcast-Stream performen. Zu hören sind Field Recordings von Münchener Schulhöfen während der 2007er Sommerferien. Hier der Flyer zu der Veranstaltung als pdf.
Will Oldham, auch bekannt als Palace Brothers, Palace Songs, Palace Music und Bonnie ‘Prince’ Billy, ist vermutlich eine der schillerndsten Persönlichkeiten der amerikanischen alt-country-Szene. Er bezieht sich immer wieder auf Country und Folk, verarbeitet diese Einflüsse jedoch auf seine ganz eigene Art, deren Grundlage die scheinbar einfache und ehrliche, aber dennoch unberechenbare Ästhetik des Do-It-Yourself liefert, die jedoch selbst vor dem Hintergrund der Popindustrie stattfindet und insofern eine Ehrlichkeit inszeniert, die immer schon Reaktion und Gegenentwurf ist. Mittlerweile hat er bereits zehn Alben aufgenommen, einer seiner Songs wurde von Johnny Cash gespielt, Björk zählt zu seinen Fans und vor kurzem ist Oldham sogar, man rätselt immer noch, wie es dazu kam, in dem Video zu “Can’t Tell Me Nothing” von Kanye West aufgetreten (für ein unterhaltsames Interview mit Oldham vgl. diesen Beitrag).
Jetzt hat er unter dem Namen Bonnie ‘Prince’ Billy an die Aufgabe gewagt, “Can’t Take That Away” von Mariah Carey in einer schlicht-elektronischen Karaokeversion zu covern (mp3 gibt’s hier, hier oder hier). Je öfter ich den Song anhöre, desto stärker habe ich das Gefühl, dass es absolut stimmig ist, was Oldham hier durchzieht. Mit dünner Stimme, Drumcomputerbeats, Pizzicatostreichern aus dem Synth gegen die Stimmgewalt und geballte Marketingmaschine einer Mariah Carey anzutreten (unterstützt durch Studioflügel und Symphonieorchester) - eine herrliche Idee. Aber zugleich erweist er Mariah Carey damit auch noch einen Dienst, indem er demonstriert, dass in der von ihr (mit-)geschriebenen Schnulze, wenn man sie bis auf die wesentlichen Bestandteile entkleidet, ein wunderbarer Song steckt. Und dass kann ihr tatsächlich niemand wegnehmen.
Ulrich Maiss (aka Cellectric), deutscher Cellist, wird am 24. November in Berlin das 64 Minuten dauernde Stück “CelloMachine” aufführen. Das Stück ist eine Variation über Lou Reeds Metal Machine Music, das seinerzeit (1975) den Beginn des Industrial markierte. Wie im Vorbild soll es auch in Maiss’ Version mit viel Tremolo und Feedback zur Sache gehen: “It is very loud. It is an extreme piece of performing art”. Auch Lou Reed hat gefallen an dem Projekt gefunden: “It’s like a rock approach to the cello - if you thought of the cello as a guitar with a feedback: off you go!”. Maiss’ Vorbereitungen für die Konzerte (ein bisschen ähnelt das Ganze dem Trainingsplan für einen Marathonlauf) dokumentiert er in seinem Podcast und außerdem per Video:
Vorgestern hatte ich von Tickley Feather berichtet und musste feststellen, dass es über diese vielversprechende Künstlerin aus Philadelphia kaum Informationen im Netz gibt. Da liegt es doch nah, einfach einmal nachzufragen. Deshalb freue ich mich, euch hier die erste Episode des aktuellen POPLOG-Gesprächs präsentieren zu können. Ich habe davon abgesehen, das Interview zu übersetzen, da auf diese Weise doch zuviel verloren geht.
POPLOG: On the internet there’s almost no information about Tickley Feather. Could you tell us a bit about your life and your musical background?
Tickley Feather: I grew up in the woods down South and didn’t realize that you could make music without being a famous person. I only had access to top 40’s stuff or really really old stuff until I left for college. Then I was suprised to find out that there were “shows” to go to, where just any old pile up of bands could play. Trying to join up with other people’s projects kind of sucked me in for a while, but I never found exactly what I was looking for.
Somewhere in there, I took a friend’s advice and asked my mom to buy me a 4 track. And even though I’ve had it for a while, I didn’t really get hot and heavy for using it until I became a mother (4 years ago). I was pretty isolated during that time and became determined to soothe myself. I think thats when any fear of making horrible songs became less important, and I felt compelled to just go at it. So my barbaric solo style was born. A lot of my songs still end up having mistakes with the keyboarding, etc. I’m amazed that people can stomach it!
P: Is there a story behind the name “Tickley Feather”?
TF: Really, I wanted a name to put on a tape of my songs to send back home to my friends. I guess I wanted it to sound like a saucy hooker made the songs. I don’t know, it was just fun. I never really planned to take my music anywhere beyond that, but now that name is printed on my 2 little records. I’m still amazed.
P: How’s the music scene in Philadelphia at the moment?
I’m really lucky to be around some people who are making super special music. Amazing 4th dimension genius type stuff. This area is blossoming like an orchid right now.
P: I must confess: I don’t understand a word of what you’re singing (reminds me of the early Animal Collective). What are your lyrics about?
TF: I’ll just say this: sometimes the stars line up when I’m recording and a couple words that seem to go together will come out. But if that doesn’t happen, I fall back on the no holds barred rule. I’m a big fan of not making laws about what has to happen in a song. It sounds rough, I know.
P: Two EPs already. I feel there must be an album in the near distance, is that true?
TF: I am currently recording for a release on Paw Tracks.
P: Do you record your songs all by yourself? Could you elaborate a bit on the equipment you use?
My favorite object of music is my zoom effects box. Early on, my old boyfriend gave it to me to save me from singing into a metal salad bowl to make stuff sound better. It freed me.
I still use the cheap microphone my dad supplied me with and the same little Tascam my mom got me for most recording. I have 2 borrowed keyboards and one I own. I like to dabble with anything I can get my hands on. I have to be resourceful, due to not having any money.
P: Most blog entries about you assume your music has been recorded in the bedroom. What does that tell you about the blogger community?
TF: The term “bedroom” is an interesting modern way to put a certain type of music in its place, i guess. I think that says to me that the blogger community likes to use modern terms to describe things.
In my case, my livingroom is my bdroom???
And my recent recordings, for the record, have been done half in a leaky garage full of golf carts, and the other half in a tacky-looking farm house with a copperhead snake locked in the basement.
René hat ein absolut unglaubliches Mashup-Projekt entdeckt: CCC und Ill Chemist haben zusammen das Sgt.-Pepper-Album der Beatles komplett aus Samples bekannter Songs nachgestellt, aber im Unterschied zu Sample-Künstlern wie Girl Talk nicht danach klingt. Die Songs hören sich an wie fertige Produktionen, nur beschleicht einen dann immer wieder ein ganz merkwürdiges Gefühl, wenn man die Bestandteile in diesem ungewohnten Kontext wiederentdeckt. Letztlich das ja nichts ungewöhnliches, denn Popmusik besteht sowieso zu einem großen Teil aus Zitaten. Insofern ist es CCC und Ill Chemist hoch anzurechnen, diese Wahrheit so deutlich und dennoch so anhörbar zu demonstrieren. Subversion at its best. Wahrscheinlich werden sie damit rechtliche Probleme bekommen und die Songs früher oder später von ihrer Homepage nehmen müssen.
Christoph Braun empfiehlt auf spex.de, in die neue Remix-Sammlung Surf Boundaries Addendum des Gitarristen und Laptopkünstlers Christopher Willits aus San Francisco (schon wieder Kalifornien) hineinzuhören, die es hier zum kostenlosen Download gibt. Darauf findet man neben diesen zwei Tracks auch noch drei Videos:
The Dead Texan (Kranky) remix of “Colors Shifting”
To Rococo Rot’s Robert Lippok (Domino) remix of “Yellow Spring”
Ich empfehle, dazu diese, diese und diese Bilder auf sich wirken zu lassen [danke, Urban Desire, information aesthetics, Surveillance Studies]. Und wer mit langsam mäandernden, schwebenden Ambientklängen und Elektrogeraschel nichts am Hut hat, der wird vielleicht bei MC Winkel fündig. Keine Surfmusik, aber immerhin was mit Strand.
Seit 1994 ist der von der Fluxus-Bewegung inspirierte Gintas Kraptavicius (kurz: Gintas K) in der experimentellen Musikszene Litauens zu Hause. Nicht nur war er Mitglied der Litauischen Industrialband “Modus” (zwei Alben gibt es hier und hier zum Download), sondern hatte auch auf dem Radiosender “Kapsai” eine eigene Alternative-Sendung mit dem Titel “The Ways and Mistaken Pathways“. Seit 1999 arbeitet er vor allem als Soundkünstler mit minimalistischen Sounds von der guten alten Sinuswelle bis zu Lärm, digitalen Artefakten (”glitches”), Mikrowellen und Vibrationen. Gerade ist seine achte Veröffentlichung “13 Tracks” auf dem New Yorker Label Percepts erschienen, die (wie sollte es sonst seine) auch 13 Stücke enthält. Das erste Mal präsentiert wurde das Werk auf der Transmediale.07.