Posts filed under 'drogen'

Der Mann, der zwei Musikgenres erfand (The 13th Floor Elevators, Roky Erickson, Primal Scream)

Add comment September 16th, 2007

hanf.pngGefragt danach, wo denn die psychedelische Rockmusik der 1960er und 1970er Jahre ihren Anfang genommen hat, würden wohl die meisten ohne mit der Wimper zu zucken antworten: San Francisco, Height/Ashbury. Tatsächlich waren es jedoch die 13th Floor Elevators aus dem texanischen Austin, die begonnen haben, Popmusik mit Drogenerfahrungen aller Art zu kreuzen und diesen Hybriden namens Psychedelic Rock heranzuzüchten, mit dem Bands wie die Grateful Dead, die Byrds oder Jefferson Airplane in den 1960ern auf diversen Hippiegatherings hausieren gingen. Die Elevators waren sogar die ersten, die ihre Musik als “psychedelisch” bezeichnet haben: Ihr erstes Album aus dem Jahr 1966 hieß “The Psychedelic Sounds Of The 13th Floor Elevators”.

Die Band schaffte es nur bis 1969, da ihre Bandleader, der geniale Roky Erickson, nach einer Verhaftung als psychisch krank (Diagnose: Schizophrenie) im Rusk State Mental Hospital wiederfand. Doch nach seiner Entlassung rappelte Roky sich wieder auf und erfand nebenbei mit dem Punk Rock ein neues Musikgenre. Über die Geschichte dieses Musikers hat Keven McAlester eine Dokumentation mit Titel “You’re Gonna Miss Me” gedreht. Hier der Trailer des Films sowie ein wundervoller Elevators-Song, der 1999 in der Cover-Version von Primal Scream eine Renaissance des Psychedelic Rock eingeleitet hat.


(Abbildung aus Wikipedia)

Kanadaserie, Platz 8: Black Mountain

Add comment August 8th, 2007

kanada_8.pngHeute geht es in die dritte Runde unserer virtuellen Kanadareise. Und praktischerweise können wir gleich in der pulsierenden Metropole Vancouver bleiben, der wir einen derart düsteren und sensiblen Künstler wie Circlesquare zu verdanken haben. Heute geht es aber sehr viel lebenslustiger weiter. Obwohl: drogenlastig bleibt es auch weiterhin, denn die heute zu besprechende Band ist nicht nur bekannt für ihren sehr an die 60s und 70s erinnernden Rocksound, sondern sie haben ihrem Debüt mit “Druganaut” auch noch einen recht eindeutigen Titel gegeben (und leiten ihren Bandnamen ab von “a Mountain full of hash”). Interessanterweise ist die Band Black Mountain, die aus Amber Webber (Gesang), Matt Camirand (Bass), Jeremy Schmidt (Keyboards), Joshua Wells (Schlagzeug) und Stephen McBean (Gesang und Gitarre) besteht, nur ein Teil eines viel umfassenderen Musiker- und Künstlerkollektivs, das sich Black Mountain Army nennt und aus dem zum Beispiel auch die avantgardistischen Pink Mountaintops, die Indiefolkband Jerk With A Bomb oder das Duo Amber & Josh hervorgegangen sind. Matt beschreibt die BMA als: “a bunch of drunks in Vancouver who live within two blocks of each other and are creative and try and include each other in their creativity”.

bm1.pngDoch nun zur Musik ihres Albums “Black Mountain” (2005; der Nachfolger soll Anfang 2008 erscheinen). Eines ist klar: wir befinden uns hier ein gutes Stück entfernt von den kalten Großstadtsounds eines Circlesquare oder den unerwarteten Drum-and-Bass-Beats und ausgefeilten rhythmischen Konstellationen von The Most Serene Republic. Bei Black Mountain geht es konservativ zur Sache: der Maßstab sind die großen Rockbands der späten 60er und 70er Jahre. So erinnert “Modern Music” immer wieder an Velvet Underground, leitet dann aber über in einen Bulldozer-schweren Black-Sabbath-Riffrock. Aber der wohl wichtigste Einfluss scheint die Band Ten Years After zu sein, die immer wieder schwebende und leicht bekömmliche Orgelpassagen mit energetischem Bluesrock vermischt haben. Ganz deutlich meine ich diesen Einfluss in “Don’t Run Our Hearts Around” herauszuhören. Manchmal knüpfen sie dann auch an die psychedelische Tradition von Pink Floyd an und reduzieren den Sound nur noch auf leise Orgelklänge im Hintergrund (”Set Us Free”). Trotzdem verwenden sie ein avantgardistisches Element dann doch hin und wieder: ein sehr frei intonierendes Saxophon, mit dem sie zum Beispiel in “No Hits” an den frühen Freejazz des ESP-Labels erinnern. Das erwähnte “Druganaut” (hier als mp3) nimmt dagegen Funk- und Soul-Einflüsse (Curtis Mayfield) in sich auf, die dann mit schrägen Gitarrensoli und nostalgisch aus der Vergangenheit gegriffenen Led Zeppelin-Riffs kombiniert werden. Doch Black Mountain beziehen sich nicht einfach nur auf die Woodstock-Seeligkeit, sondern spielen eine Musik, in der das Altamont-Desaster und die Schattenseiten der Hippieära mitgedacht sind: “The most interesting part of the albums are certain touches that seem un-sinister turned druggy and sinister, such as hand claps and tasteful female backing vocals” (Song of the Day).

Besonders gelungen ist die hauptsächlich von Amber gesungene Gitarrenballade “Heart of Snow” (hier als mp3), die aus mehrmaligen Wechseln zwischen ruhigen Folkpassagen und rockigen Instrumentalteilen besteht. Fast am besten gefällt mir aber immer noch “No Satisfaction”, weil die Idee zunächst allzu frech bei den Rolling Stones geklaut wirkt, dann aber deutlich wird, dass dieser einfach gestrickte Song mit seinem Chorgesang, der etwas schiefen Flötenmelodie, dem hämmernden Klavier und dem stampfenden Beat eine sehr warme, ehrliche und runde Angelegenheit ist. Aber halt, bevor es jetzt Rockismus-Vorwürfe hagelt: in der ersten Nummer zeigen Black Mountain mit ironischen Textzeilen wie “1 2 3 - another pop explosion / 1 2 3 - another hit recording” wie sehr sie sich dann doch trotz aller musikalischen Nähen zum Blut-Schweiß-und-Tränen-Rock der 70er in der Gegenwart verorten und immer die Möglichkeit offen lassen, ihre Songs als Kommentar zu den Erwartungen an eine Rockband im 21. Jahrtausend zu lesen. So etwas weiß ich zu schätzen und setze diese Band deshalb auf Platz acht meiner Top Ten.

Zum Abschluss hier noch das Druganaut-Video (via):

Alles Gute zum Melody Day (Caribou, The Stars, Harry Potter)

Add comment July 18th, 2007

Wenn man mit Freunden in der kanadischen Wildnis Drogen nimmt, so kann es nicht nur passieren, dass man ganze Breitwände voller Farben sieht oder eine Eingebung, wie der bald erscheinende Wälzer “Harry Potter and the Deathly Hollows” enden wird. Nein, unter Umständen findet man eine Lösung auf die schwierige Aufgabe, sich einen neuen Künstlernamen ausdenken zu müssen, da der Besitzer des alten Namens vor Gericht dagegen vorging. So geschehen im Fall des promovierten Mathematikers Daniel V. Snaith, der 2004 nicht mehr Manitoba hieß, sondern Caribou. Die Assoziationen (Wildnis, Kanada, plätschernde Flüsse, Wälder) blieben aber in etwa dieselben, was auch für die Musik gilt. Am 31. Juli wird mit “Melody Day” die erste Vorabsingle des neuen Albums erscheinen, im August dann das Album “Andorra” mit den folgenden Tracks, die übrigens auf der CitySlang-Seite (wie bereits im Fall des neuen Stars-Albums) alle schon jetzt angehört werden können. Zwar nicht in voller Länge, aber für einen ersten Eindruck ist das ausreichend.

  1. Melody Day (Zuhören auf MySpace)
  2. Sandy
  3. After Hours
  4. She’s the One
  5. Desiree
  6. Eli
  7. Sundialing
  8. Irene
  9. Niobe

Und dann steht im September dann noch der ein oder andere Gig in Deutschland auf dem Plan:

  • Sep 20: Postbahnhof Berlin
  • Sep 21: Studio 672 Köln
  • Sep 22: Karlstorbahnhof Heidelberg
  • Sep 24 - Orangehouse München

[via Brooklyn Vegan]


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