October 1st, 2007

Der Preis wird in einer Marktwirtschaft durch den Preismechanismus von Angebot und Nachfrage bestimmt. Der zu einem Marktgleichgewicht führende Preis wird als Marktpreis oder Gleichgewichtspreis bezeichnet. Preise entstehen in einer Marktwirtschaft jedes Mal, wenn Käufer und Verkäufer einen Vertrag über den Austausch eines Gutes (einer Ware, Dienstleistung, Forderung etc.) schließen wollen. (Wikipedia)
Von wegen. Das neue Radiohead-Album “In Rainbows“, das ab dem 10. Oktober als Download erhältlich sein wird, kostet nicht mehr oder nicht weniger als man selbst dafür ausgeben will. (via)
September 1st, 2007
Gerade eben ist eine neue Musikvertriebsplattform an den Start gegangen: Justaloud (ein Projekt von edelight). Der Selbstbeschreibung nach geht es hier um eine “unabhängige Musikplattform auf der die Community den Preis der Songs bestimmt. Außerdem ist Justaloud ein Treffpunkt für Musiker und ihre Fans.” Das soll so ablaufen: der oder die KünstlerIn meldet sich (kostenlos) an und lädt ein paar Songs auf die Seite, die er darüber hinaus auch noch selbst gestalten kann. Der Preis für den Kauf eines Songs beginnt bei 0c und steigt dann mit jedem Einkauf bis 99c. Davon bekommt der Künstler nach Abzug von Steuern etc. 85%. Neben einem Blog gibt es auch noch einen Justaloud-eigenen TV-Kanal, auf dem man sich Interviews von Captain Karachoo mit diversen Stars wie Michelle Darkness, Revolverheld und Udo Lindenberg.
August 10th, 2007
Obwohl die heutige Band Wolf Parade genau am entgegengesetzten Ende Kanadas aktiv ist, nämlich in Montréal, lässt sich hier zumindest ein Muster erkennen, das auch die gestern vorgestellten New Pornographers sowie Black Mountain prägt: hinter der Band steht eine sehr viel größere Gemeinschaft von Musikern und Künstlern, was sich auch in zahlreichen Nebenprojekten ausdrückt. Wolf Parade gäbe es heute vermutlich gar nicht, wenn nicht Spencer Krug, Sänger, Songwriter und Keyboarder bei Frog Eyes, im Jahr 2003 gefragt worden wäre, ob er nicht im Vorprogramm von Arcade Fire auftreten wolle.
Vielleicht um seine Musikerbiographie genügend zu verästeln, veröffentlichte Krug 2005 als Sunset Rubdown (vgl. auch hier) ein weiteres Album. 2006 wurde Sunset Rubdown dann wiederbelebt, aber nicht mehr als Soloprojekt, sondern als Band, in der neben Krug auch noch Camilla Wynn Ingr von Pony Up! (siehe auch hier), Jordan Robson-Cramer von XY Lover und Magic Weapon sowie Michael Doerksen mitwirkten. Bislang haben Sunset Rubdown zwei Alben und eine EP veröffentlicht. Außerdem hat Spencer Krug in dem Instrumentaltrio Fifths of Seven (MySpace) gespielt, zusammen mit Beckie Foon, die wiederum den Bands A Silver Mt. Zion (eine der Godspeed-Nachfolgeprojekte), Set Fire to Flames und Esmerine angehörte, sowie Rachel Levine von Cakelk. Aber Spencer Krug wäre kein Kanadischer-Superindiemusiker, wenn er nicht auch in mindestens einer kanadischen Indie-Supergruppe mitspielen würde: Swan Lake. In diesem Projekt sind auch der gestern bereits erwähnte Dan Bejar dabei sowie Carey Mercer aus Krug’s erster Band Frog Eyes.
Wie ging es mit dem Arcade Fire-Konzert 2003 weiter (wie gut die Band heute live klingt, kann man hier erleben)? Spencer Krug rief seinen Freund Dan Boeckner an, der Sänger, Songwriter und Gitarrist bei Atlas Strategic war und später zusammen mit seiner Frau die Handsome Furs (siehe auch hier) begründete (außerdem spielte er zeitweise bei den Islands mit): “He called Dan Boeckner. “I heard you play guitar,” he said, “I heard you go twang twang real good. And sing. Squawk squawk, mumble mumble. Come make a band with me. We have a show in three weeks.” Krug und Boeckner schrieben also einige Songs für den Gig, zunächst mit einem Drumcomputer. Schließlich entschieden sie sich aber dafür, das Gerät durch Arlen Thompson zu ersetzen, der immerhin auch einmal bei einem Song von Arcade Fire getrommelt hatte. 2004 kam auch noch Hadji Bakara hinzu und 2005 Dante DeCaro (zuvor bei Hot Hot Heat) als zweiter Gitarrist. Kompliziert genug? Ich denke schon. Deshalb habe ich mir die Mühe gemacht, dieses Netzwerk einmal mit Paint (womit denn sonst) aufzumalen, so dass das Muster deutlicher wird:

Die erste EP “Wolf Parade” nahmen sie noch als Trio in Eigenregie auf, bei der zweiten EP “Wolf Parade” war Hadji Bakara schon dabei. Isaac Brock (Modest Mouse) ließ sich von der Band überzeugen und brachte Sub Pop dazu, Wolf Parade unter Vertrag zu nehmen. Er produzierte dann zunächst noch eine weitere (Promo-)EP mit dem Titel “Wolf Parade” und schließlich das erste Album der Band, “Apologies to the Queen Mary“, das 2005 veröffentlicht wurde. Besonders faszinierend ist, wie die beiden Songwriter Krug und Boeckner auf diesem Album zusammenwirken. Zum einen wechseln sich Krug-Songs und Boeckner-Songs einigermaßen gleichmäßig ab, aber auch in den einzelnen Songs bekommt man nach mehrmaligem Anhören den Eindruck, als würden sie sich gegenseitig kommentieren (wenn sie sich nicht sowieso dabei sind, sich gegenseitig Textzeilen an den Kopf zu werfen, respektive zu schreien). Musikalisch bewegt sich das Album zwischen 70er Artrock à la David Bowie/Brian Eno, den wohl unvermeidlichen Modest Mouse-Inspirationen sowie dem Postrock-/Postpunkidiom des beginnenden 21. Jahrhunderts.
Nach den beiden ersten Songs, dem metallisch schroffen, ziemlich harten “You Are a Runner and I Am My Father’s Son” (mp3) und dem folkigen “Modern World” mit seinen akustischen Gitarren und der melancholischen Stimmung, nimmt die Platte mit “Grounds for Divorce”, einem der besten Songs mit dem typisch exaltiert-abgehackten Gesang Krugs und vielen übereinandergelegten singenden Gitarren- und Keyboard-Melodien wieder Fahrt auf. Zudem findet man hier textliche Highlights wie “Said you hate the sound / Of the busses on the ground / Said you hate the way they scrape their brakes all over town / Said pretend it’s wales / And keeping their voices down / Such were the grounds for divorce i know”. An anderen Stellen erinnern Wolf Parade an Suede (”Fancy Claps”) oder sogar etwas an Nirvana (”It’s A Curse”). Durch das ganze Album zieht sich das Thema der Geister, die zum Beispiel in der von einem heulend-pfeifenden Theremin begleiteten Ballade “Same Ghost Every Night” mit dem lyrischen Ich auf merkwürdige Weise sprechen: “When you’re on your own / Spread out on the mat / Dead”. “Shine A Light” (mp3), eine hymnische Erinnerung an das Spannungsfeld zwischen verpassten Möglichkeiten und dem Pulsieren in den Adern, das einen daran erinnert, dass man noch lebt (”we’re chain chain chain chain, chained to the life”), gehört sicher zu den besten Liedern des Albums und vielleicht sogar zu dem Besten, was in den letzten Jahren im kanadischen Indiepop entstanden ist. Aber auch mit “I’ll Believe In Anything” ist der Band ein moderner Klassiker gelungen, der mit wilden Drums, Spielzeugsynths eine hypnotische Macht über den Zuhörer gewinnt.
Gerade hat die Band die Aufnahmen zu ihrem zweiten Album abgeschlossen; ein konkreter Veröffentlichungstermin wurde jedoch noch nicht genannt. Hier kann man zumindest drei neue Songs schon einmal als Livemitschnitte anhören. Aber mittlerweile ist man sich gar nicht mehr sicher, ob zum Beispiel Sunset Rubdown ein Wolf Parade-Nebenprojekt darstellt, oder ob es sich vielleicht schon umgekehrt verhält und Wolf Parade nur ein Anhängsel von Sunset Rubdown ist. Am 9. Oktober erscheint jedenfalls das dritte Album der Band, “Random Spirit Lover“. Den Track “Up on Your Leopard, Upon the End of Your Feral Days” kann man sich bereits jetzt herunterladen und anhören.
July 29th, 2007
Noch ein Mashup-Projekt: Simon Iddol (zuvor René aufgefallen durch “Stuck in the Eighties” oder durch “Superseven” - was für eine Produktivität!) entdeckte im Netz das obskure Werk “Hot Boppin’ Instrumentals“, auf dem 27 Instrumentaloldies versammelt sind - Northern Sound bis Popcorn-Soul überwiegend aus den 60s. Einige der Stücke gefielen ihm dann so gut, dass er Lust bekam, sie mit zeitgenössischen Melodien und Rhythmen zu mischen. Das Ergebnis ist die Compilation “Forgotten Hits“, an der neben Iddol selbst zehn weitere Mashup-Künstler mitwirkten: Apollo Zero, ToToM, Electro Sound, LDM101, Zamali, DJ Earlybird, Lobsterdust, Copycat, RIAA sowie der World Famous Audio Hacker. Die Vorlagen reichen von Depeche Mode über Christina Aguilera bis zu Rick James. Ein Mashupalbum, das auch den Großeltern gefallen dürfte. Wer damit immer noch nicht genug Mashup-Klänge hat oder grundlegendere Informationen über das Geschäft des Mashuppens braucht, kann sich auch noch hier bedienen.
July 28th, 2007
René hat ein absolut unglaubliches Mashup-Projekt entdeckt: CCC und Ill Chemist haben zusammen das Sgt.-Pepper-Album der Beatles komplett aus Samples bekannter Songs nachgestellt, aber im Unterschied zu Sample-Künstlern wie Girl Talk nicht danach klingt. Die Songs hören sich an wie fertige Produktionen, nur beschleicht einen dann immer wieder ein ganz merkwürdiges Gefühl, wenn man die Bestandteile in diesem ungewohnten Kontext wiederentdeckt. Letztlich das ja nichts ungewöhnliches, denn Popmusik besteht sowieso zu einem großen Teil aus Zitaten. Insofern ist es CCC und Ill Chemist hoch anzurechnen, diese Wahrheit so deutlich und dennoch so anhörbar zu demonstrieren. Subversion at its best. Wahrscheinlich werden sie damit rechtliche Probleme bekommen und die Songs früher oder später von ihrer Homepage nehmen müssen.
July 27th, 2007
Wer ein auf Symbian basierendes Mobiltelefon besitzt (auf meinem Nokia E61 läuft es einwandfrei), der kann mit Scenetone nicht nur einen nostalgischen Ausflug in die Anfangszeit der Computermusik machen, sondern hat darüber hinaus eine tolle Möglichlichkeit, ganz viel Musik auf ganz wenig Platz unterzubringen. Das Geheimnis liegt in den alten Dateiformaten SID (benannt nach dem legendären C-64-Soundchip MOS 6581 Sound Interface Device) und MOD (das klassische Trackerformat auf dem Amiga), die auch bei ganz langen Songs meistens deutlich unter 1MB Speicher benötigen. Der Klang klingt natürlich nicht wie die Wiener Symphoniker, aber darum geht es schließlich nicht: man hört und soll hören, dass es sich um Computermusik (Chiptunes) handelt (Scenetone kann sogar wav-Dateien daraus machen, die man dann als Klingelton verwenden kann). Und wo bekommt man die hier so hochgelobten Dateien her? Zum einen gibt es so ziemlich jeden jemals veröffentlichten C-64 Track in der High Voltage Sid Collection (HVSC). Dort kann man sich, wenn gewünscht, die gesamte Sammlung auf den Rechner oder aufs Telefon laden und mal eben durchhören (kleiner Hinweis: aktuell sind es gut 33.000 Songs). Natürlich gibt’s auch Programme für PC, Mac und Linux, die mit SIDs etwas anfangen können. Eine wunderbare Auswahl rarer und beeindruckender MODs gibt es hier oder hier. Dann mal viel Spaß dabei, zu erkunden, wie die Vergangenheit klingt.
July 25th, 2007
Christoph Braun empfiehlt auf spex.de, in die neue Remix-Sammlung Surf Boundaries Addendum des Gitarristen und Laptopkünstlers Christopher Willits aus San Francisco (schon wieder Kalifornien) hineinzuhören, die es hier zum kostenlosen Download gibt. Darauf findet man neben diesen zwei Tracks auch noch drei Videos:
- The Dead Texan (Kranky) remix of “Colors Shifting”
- To Rococo Rot’s Robert Lippok (Domino) remix of “Yellow Spring”
Ich empfehle, dazu diese, diese und diese Bilder auf sich wirken zu lassen [danke, Urban Desire, information aesthetics, Surveillance Studies]. Und wer mit langsam mäandernden, schwebenden Ambientklängen und Elektrogeraschel nichts am Hut hat, der wird vielleicht bei MC Winkel fündig. Keine Surfmusik, aber immerhin was mit Strand.