Vorgestern hatte ich von Tickley Feather berichtet und musste feststellen, dass es über diese vielversprechende Künstlerin aus Philadelphia kaum Informationen im Netz gibt. Da liegt es doch nah, einfach einmal nachzufragen. Deshalb freue ich mich, euch hier die erste Episode des aktuellen POPLOG-Gesprächs präsentieren zu können. Ich habe davon abgesehen, das Interview zu übersetzen, da auf diese Weise doch zuviel verloren geht.
POPLOG: On the internet there’s almost no information about Tickley Feather. Could you tell us a bit about your life and your musical background?
Tickley Feather: I grew up in the woods down South and didn’t realize that you could make music without being a famous person. I only had access to top 40’s stuff or really really old stuff until I left for college. Then I was suprised to find out that there were “shows” to go to, where just any old pile up of bands could play. Trying to join up with other people’s projects kind of sucked me in for a while, but I never found exactly what I was looking for.
Somewhere in there, I took a friend’s advice and asked my mom to buy me a 4 track. And even though I’ve had it for a while, I didn’t really get hot and heavy for using it until I became a mother (4 years ago). I was pretty isolated during that time and became determined to soothe myself. I think thats when any fear of making horrible songs became less important, and I felt compelled to just go at it. So my barbaric solo style was born. A lot of my songs still end up having mistakes with the keyboarding, etc. I’m amazed that people can stomach it!
P: Is there a story behind the name “Tickley Feather”?
TF: Really, I wanted a name to put on a tape of my songs to send back home to my friends. I guess I wanted it to sound like a saucy hooker made the songs. I don’t know, it was just fun. I never really planned to take my music anywhere beyond that, but now that name is printed on my 2 little records. I’m still amazed.
P: How’s the music scene in Philadelphia at the moment?
I’m really lucky to be around some people who are making super special music. Amazing 4th dimension genius type stuff. This area is blossoming like an orchid right now.
P: I must confess: I don’t understand a word of what you’re singing (reminds me of the early Animal Collective). What are your lyrics about?
TF: I’ll just say this: sometimes the stars line up when I’m recording and a couple words that seem to go together will come out. But if that doesn’t happen, I fall back on the no holds barred rule. I’m a big fan of not making laws about what has to happen in a song. It sounds rough, I know.
P: Two EPs already. I feel there must be an album in the near distance, is that true?
TF: I am currently recording for a release on Paw Tracks.
P: Do you record your songs all by yourself? Could you elaborate a bit on the equipment you use?
My favorite object of music is my zoom effects box. Early on, my old boyfriend gave it to me to save me from singing into a metal salad bowl to make stuff sound better. It freed me.
I still use the cheap microphone my dad supplied me with and the same little Tascam my mom got me for most recording. I have 2 borrowed keyboards and one I own. I like to dabble with anything I can get my hands on. I have to be resourceful, due to not having any money.
P: Most blog entries about you assume your music has been recorded in the bedroom. What does that tell you about the blogger community?
TF: The term “bedroom” is an interesting modern way to put a certain type of music in its place, i guess. I think that says to me that the blogger community likes to use modern terms to describe things.
In my case, my livingroom is my bdroom???
And my recent recordings, for the record, have been done half in a leaky garage full of golf carts, and the other half in a tacky-looking farm house with a copperhead snake locked in the basement.
Für Panda Bear hat sie bereits eine Show eröffnet und demnächst wird sie in den USA im Vorprogramm von Animal Collective auftreten. Und das passt sehr gut zusammen, nicht nur was ihre aus dem Video ersichtliche Neigung zu Schmierereien in rot angeht. Nein, auch musikalisch passen die Folkdekonstruktivisten sehr gut zu der fremden ätherischen (ich schreib jetzt extra nicht federleichten) Mischung aus Kinderliedern, trashigen DIY-Aufnahmeartefakten und akustischer Songwritertradition, die Tickley Feather (bürgerlich: Annie Sachs) geschaffen hat. Ein Album hat sie noch nicht veröffentlicht (aber zwei halbe EPs hier und hier). In die Musikstücke auf ihrer MySpace-Seite hineinzuhören lohnt sich aber auf jeden Fall. Sie wirken alle eher wie Skizzen oder Fragmente, meistens bestehen sie nur aus ein oder zwei musikalischen Themen, die dann über gut zwei Minuten wiederholt werden. Der Gesang lässt sich dabei, auch darin passt sie gut zu dem Kollektiv, schwer bis gar nicht verstehen; auch, weil häufig mehrere Spuren übereinandergelagert werden und ziemlich stark verhallt und durchs Echogerät gejagt werden. Die musikalische Blogosphäre zeigt sich jedenfalls beeindruckt von diesen “sort of meandering non-song things you’d expect a sexy one-woman Panda Bear opener to do” (Phillyfuture), den “echoed layers of dreamy lo-fi bedroom psych-rock” (Crackers United) oder den “lo-fi lullabies for ghost dollhouses using discarded pieces of skin, flesh and heart” (20JFG). “Cute as pie“, indeed. Merkwürdig, dass die Blogger in ihren Beschreibungen immer im Schlafzimmer landen.
Mit dem Animal Collective, die übrigens wieder neue Erdbeerschmierereien veröffentlicht haben, hat es die amerikanische Postfolk-Bewegung mittlerweile bis in die oberen Ränge der Kritikercharts geschafft. Etwas im Schatten dieser Band steht jedoch der erst 26jährige Songwriter und Dichter Devendra Banhart, der “Gandalf of the Nu Beardie movement“. Am 25. September erscheint unter dem ebenso bildmächtigen wie kuriosen Titel “Smokey Rolls Down Thunder Canyon” seine neue Platte. Aber er hat versprochen, bis zum Herbst jeden Freitag neue Tracks auf seine Homepage zu stellen, so dass man sich bereits jetzt einen Eindruck von seinem neuen musikalischen Arbeitsprogramm machen kann. Schon jetzt kann man die rockige Nummer “Tonada Yanomaminista” anhören, die nicht nur durch den spitzen Schlussschrei einige Anleihen bei Jim Morrison und den Doors macht. Außerdem die Tiefe-suggerierende Pianonummer “Rosa” (auch diese ist gar nicht so weit entfernt von den “People are strange”-Doors). Die Musikbloggerszene zeigt sich überzeugt von diesen Appetithäppchen: “Really, nicely played Devendra”, schreibt das prefixmax und wünscht sich, die Strokes hätten mit ihrem letzten Album eine ähnliche Entwicklungsfähigkeit demonstriert; So Indie it hurts ist der Meinung, “these new songs make my love him even more”; Yiyo (Deaf Indie Elephants) ist besonders angetan von dem Titel: “como me agrada ese título”; aber nicht nur in Caracas, sondern auch in Münster findet man das Material “ausgesprochen gut”; und Gorilla vs. Bear meditiert über die Frage, was daran denn Space Reggae sein soll.
René hat ein absolut unglaubliches Mashup-Projekt entdeckt: CCC und Ill Chemist haben zusammen das Sgt.-Pepper-Album der Beatles komplett aus Samples bekannter Songs nachgestellt, aber im Unterschied zu Sample-Künstlern wie Girl Talk nicht danach klingt. Die Songs hören sich an wie fertige Produktionen, nur beschleicht einen dann immer wieder ein ganz merkwürdiges Gefühl, wenn man die Bestandteile in diesem ungewohnten Kontext wiederentdeckt. Letztlich das ja nichts ungewöhnliches, denn Popmusik besteht sowieso zu einem großen Teil aus Zitaten. Insofern ist es CCC und Ill Chemist hoch anzurechnen, diese Wahrheit so deutlich und dennoch so anhörbar zu demonstrieren. Subversion at its best. Wahrscheinlich werden sie damit rechtliche Probleme bekommen und die Songs früher oder später von ihrer Homepage nehmen müssen.
Social Networking ist schon seit längerem in die Welt der Musik eingedrungen (ich erinnere nur an last.fm, imeem oder Rhapsody). Diese Plattformen ermöglichen unter anderem:
Menschen mit einem ähnlichen Musikgeschmack zu finden,
sich aufgrund der bisher gehörten Musik Empfehlungen zu bekommen,
eigene Playlisten zu erstellen, die dann von anderen Nutzern (oder einem selbst) angehört werden können.
Es geht also vor allem um das Entdecken des musikalischen Raums. Die luxemburger Plattform Jamendo versucht dagegen, neben den erwähnten Eigenschaften, auch einen neuen Vertriebsweg für Musiker zu schaffen, die Creative Commons-lizensierte Musik anbieten. Dabei kann man sich als Nutzer sogar Alben mit einer der sechs CC-Varianten aussuchen, zum Beispiel wenn man Musik sucht, die man zu einem Remix verarbeiten will. Der Zugang zu der Musik ist dabei für den Nutzer in jedem Fall kostenlos: man kann sich also einzelne Tracks oder ganze Alben anhören oder herunterladen (zum Beispiel mit BitTorrent oder eMule). Das Schöne ist: man kann auf der Seite des Künstlers per PayPal bei Gefallen einen beliebigen Betrag spenden. Die Spender werden dann mit Betrag auf der Seite angezeigt, was einen milden sozialen Druck zu erzeugen scheint, der die Beträge etwas höher ausfallen lässt als bei anderen Spendenfunktionen. Außerdem gibt es die mittlerweile schon üblichen Community-Funktionen, mit denen man sich Künstler empfehlen lassen (basierend auf iRATE), Rezensionen schreiben und sogar lokale Musiker finden kann, auf deren Konzerte man vielleicht gehen möchte. Mit Foren, Wikis und einem anscheinend offenen API (sowie einem Corporate-Weblog) scheinen die Beteiligungsmöglichkeiten hier aber noch deutlich größer als in anderen Musikcommunities. Die Künstler können sich darüberhinaus auch noch in einem optionalen Programm einschreiben, mit dem sie je nach Zugriffszahlen an 50% der Jamendo-Werbeeinnahmen beteiligt werden. Die Statistiken der Seite sind jedenfalls recht beeindruckend: auf knapp 150000 Nutzer kommen zur Zeit über 4000 veröffentlichte Alben.
Zum Testen hier einmal etwas finnische Ambientsounds von Project Divinity:
Einen auf den ersten Blick sehr brauchbaren Ratgeber zum Thema “Wie mache ich Musik mit dem Computer” gibt es hier unter der CC-Lizenz zum kostenlosen Download (auch die QuarkXPress-Quellen zum Remixen). Die Autoren Michael W. Dean und Chris Caulder äußern sich in diesem “guide to making a living making music out of your backpack, from everywhere, and everywhere” mit vielen praktischen Tipps und weiterführenden Links unter anderem zu folgenden Themen:
Songwriting
Ausstattung
Technologie
Computeroptimierung
ACID
SoundForge
Reisetipps für Rucksackmusiker
“soft skills to pay the bills”
Abgerundet wird der Band noch mit einigen Interviews mit mehr oder weniger erfolgreichen DIY-Musikern. Und wem das ganze brauchbar erscheint, der kann der Emailadresse “99cent@kittyfeet.com” auf PayPal etwas spenden.
Zur Zeit scheint es en vogue zu sein, den Untergang, das Sterben, die Ablösung, die Entvölkerung, die Kriminalisierung oder das Ausknipsen der virtuellen Realitätsumgebung “Second Life” zu prognostizieren. Wobei es natürlich auch gemäßigte Stimmen gibt wie Thomas Gigold, der Second Life lediglich im “Tal der Enttäuschungen”, einer ganz normalen Phase des Hype-Zyklus, sieht. Ich sehe das auch nicht so dramatisch und freue mich nach wie vor über die auch in Second Life deutlich zu erkennende Ökonomie des Long Tail. Ein Beispiel dafür ist die Nutzung dieser “Umgebung” (gibt es dafür einen besseren Begriff?) durch Künstler. Ein wunderbares Beispiel dafür ist der folgende Machinima-Clip von Robbie Dingo, der das Gemälde “Sternennacht” (1889) von Vincent van Gogh dreidimensional in den virtuellen Raum zeichnet. Auch wenn es also tatsächlich allmählich dunkel wird in Second Life, ist das nicht nicht schlimm, weil man dann erst die Sterne so richtig leuchten sieht.
Dass die Kommunikation mit Elektronengehirnen problematisch sein kann, hat nicht nur der sympathische Lampengrinser HAL 9000 demonstriert. Auch die Windows-Spracherkennung kann tückisch sein, wie dieses Video zeigt:
Vielleicht hatte der sadistische HAL 9000 ja auch seine Dioden im Spiel, als es galt, sich das neue Animal Collective-(immerhin lautDiederichsen die “beste Band der Welt”)-Cover auszudenken. Denn der Entwurf für “Strawberry Jam”, den es hier zu bewundern gibt, dürfte es in der Tat zu einem der Favoriten für die Kategorie “best album with the worst cover art” machen. Aber in der letzten Zeit scheint es insgesamt einen Trend zur bewussten Hässlichkeit in der Covergestaltung zu geben.
Wie klingt Pi? Wie die Eulersche Zahl? Auf dieser Seite von Tom Dukich findet man die Antwort auf die Frage nach dem Klang der “fünf magischen Konstanten”. Und man hat darüber hinaus die Gelegenheit, zur Eulerschen Zahl Samba zu tanzen. Das sollte doch einen Besuch wert sein.
Während ich darauf warte, dass ich zu Grand Central eingeladen werde und mich darüber wundere, dass Mattel’s Onlineplattform Barbie Girls das neue Second Life oder World of Warcraft wird und zwei Weine aus Übersee die bekanntesten Weinmarken der Welt sind, kommt mit “To Blog or Not to Blog - That’s the Question” des ZeelandersMaurits Fondse eine erstklassige Hookline dahergetubed und verschafft mir einen neuen Ohrwurm:
Erotik, Sex, Vampire, Parties, spanische bis japanische Musik, geheimnisvolle Frauen - die Kurzzusammenfassung eines Quentin Tarantino-Films? In diesem Fall nicht. Stattdessen geht es um das berühmt-berüchtigte Transgender-Frühwerk “FlamingCreatures” (download) des US-amerikanischen Off-Regisseurs Jack Smith (1932-1989). Dieser Film wurde so ziemlich überall dort, wo er gezeigt wurde, sofort verboten (und dürfte es in den USA sogar immer noch sein). Dank ubuweb können wir nun nachvollziehen, warum Smith als einer der Begründer der Camp-Ästhetik gilt. Faszinierend ist auch sein Einsatz von Musik in der langen Schlussszene des Films, wo der Soundtrack eines alten Hollywood-Ali-Baba-Films gleichzeitig mit zeitgenössischer Radiopopmusik läuft - ein verstörender Effekt. Zu den Bewunderern von Smiths Arbeiten gehören unter anderem Laurie Anderson, Robert Wilson und John Waters.
In der 20. Ausgabe (gerade ist übrigens die Doppelnummer 21+22 herausgekommen) des österreichischen Retrocomputing-Magazins Lotek64 ist ein schönes Interview mit Joachim Wijnhofen alias Yogi Bear, der neben Rob Hubbard, Martin Galway, Ben Daglish, Jeroen Tel und Chris Hülsbeck wohl zu den Meistern der klassischen 8bit-SID-Musik gehört. Über das “illustre Banana Team”, seine erste Szenegruppe sagt er heute:
Das waren wirklich Lamer-Zeiten. Abgekackte Demos haben wir gemacht: ein Koala-Bild, ’ne gerippte Musik drunter und ein Border-Effekt, und das haben wir wirklich toll gefunden! Wir wussten noch nicht mal, was Crunching ist, da wurde ein PRG von 170 Blocks draus!