So, und jetzt bitte alle man raten, an welchem Tag Telepolis auf meine Seite verlinkt hat (und das, kurz nachdem der Berechnungsmodus für die blogscout-Toplistegeändertverbessert wurde, was für manchen eine freudige Überraschung bedeutete)
Hier gibt’s alte Demobänder der beiden Blursongs “Parklife” und “Boys & Girls” lange her, aber die Songs klingen immer noch frisch (wobei sie heute einen leichten ziegenkäsigen Nachgeschmack haben).
Ganz neu und ganz innovativ ist dagegen Seeqpod, eine Suchmaschine für mp3-Dateien im Netz. Martin Weigert ist begeistert; für ihn ist es neben Mediamaster “der aus Usersicht bisher innovativste Web-2.0-Dienst dieses Jahres”.
Aufgewärmt wird zur Zeit (und da beteilige ich mich gerne) das 90er-Genre des Shoegazer-Pop. Jetzt hat sich aber herausgestellt, dass My Bloody Valentine gar nicht ernst gemeint war, sondern nur ein harmloser Ulk. D’oh, alles umsonst.
Kein Revival, sondern neu ist der Song “Run Away” von den Super Furry Animals, die sich mit ihrem Album “Hey Venus!” für den Scheußlichstes-Albumcover-des-Jahres-Preis bewerben. Etwas älter, aber sehr schön ist die Liveversion von “Fake Empire”, die The National in der Lettermanshow spielten. Ebenso das Video zu “Hold Music” von Architecture in Helsinki.
Die Musikindustrie dürfte allerdings angesichts dieses Urteils mal wieder ins Schwitzen kommen. Für Udo Vetter ist das immerhin “ein erster Ansatz, um die unsägliche Verfolgungsmaschinerie auszubremsen.”
Außerdem noch ein interessantes Weblog (”Architecture of Control”) zu asozialem Design, zum Beispiel über Sitzgelegenheiten, die durch ihre Gestalt Herumlungerer, Liebespaare und andere Ärgernisse unmöglich machen. Dazu nostalgische Geburtstagsgrüße zu 20 Jahren Nethack und japanische Smileys, die nicht horizontal, sondern vertikal angeordnet sind (oder war’s genau umgekehrt?). Und am Ende bekommt MC Winkel für den Gebrauch eines gebrauchten Spitznamens eine Abmahnung. Und ich hab einen Ohrwurm.
Alle Kurzmitteilungen wie immer ohne Anspruch auf Zusammenhang.
Wer ein auf Symbian basierendes Mobiltelefon besitzt (auf meinem Nokia E61 läuft es einwandfrei), der kann mit Scenetone nicht nur einen nostalgischen Ausflug in die Anfangszeit der Computermusik machen, sondern hat darüber hinaus eine tolle Möglichlichkeit, ganz viel Musik auf ganz wenig Platz unterzubringen. Das Geheimnis liegt in den alten Dateiformaten SID (benannt nach dem legendären C-64-Soundchip MOS 6581 Sound Interface Device) und MOD (das klassische Trackerformat auf dem Amiga), die auch bei ganz langen Songs meistens deutlich unter 1MB Speicher benötigen. Der Klang klingt natürlich nicht wie die Wiener Symphoniker, aber darum geht es schließlich nicht: man hört und soll hören, dass es sich um Computermusik (Chiptunes) handelt (Scenetone kann sogar wav-Dateien daraus machen, die man dann als Klingelton verwenden kann). Und wo bekommt man die hier so hochgelobten Dateien her? Zum einen gibt es so ziemlich jeden jemals veröffentlichten C-64 Track in der High Voltage Sid Collection (HVSC). Dort kann man sich, wenn gewünscht, die gesamte Sammlung auf den Rechner oder aufs Telefon laden und mal eben durchhören (kleiner Hinweis: aktuell sind es gut 33.000 Songs). Natürlich gibt’s auch Programme für PC, Mac und Linux, die mit SIDs etwas anfangen können. Eine wunderbare Auswahl rarer und beeindruckender MODs gibt es hier oder hier. Dann mal viel Spaß dabei, zu erkunden, wie die Vergangenheit klingt.
Christoph Braun empfiehlt auf spex.de, in die neue Remix-Sammlung Surf Boundaries Addendum des Gitarristen und Laptopkünstlers Christopher Willits aus San Francisco (schon wieder Kalifornien) hineinzuhören, die es hier zum kostenlosen Download gibt. Darauf findet man neben diesen zwei Tracks auch noch drei Videos:
The Dead Texan (Kranky) remix of “Colors Shifting”
To Rococo Rot’s Robert Lippok (Domino) remix of “Yellow Spring”
Ich empfehle, dazu diese, diese und diese Bilder auf sich wirken zu lassen [danke, Urban Desire, information aesthetics, Surveillance Studies]. Und wer mit langsam mäandernden, schwebenden Ambientklängen und Elektrogeraschel nichts am Hut hat, der wird vielleicht bei MC Winkel fündig. Keine Surfmusik, aber immerhin was mit Strand.
Bruno Latour besteht schon seit längerem darauf, auch die Beiträge von Dingen und Tieren zur Herstellung und Reproduktion menschlicher Sozialität und Wissensordnungen zu berücksichtigen. Hinter den großen Unterscheidungen wie Natur/Kultur stecken für die Actor-Network-Theory tatsächlich hybride Netzwerke, in denen zahlreiche Akteure menschlicher, tierischer oder dinglicher Art immer wieder neue Verbindungen eingehen und so dafür sorgen, dass das entsteht (und sich immer wieder leicht verändert), was wir als Wirklichkeit empfinden. In der digitalen Welt hat der Aufstand der Dinge längst begonnen, was vielebereitsschmerzlich erfahren mussten. Am 29. Juli 2007 um 16:30 kommt in der Wiederholung des 3Sat-Magazins “Neues” eine Dokumentation über das “Internet der Dinge“, in dem es vor allem um die RFID-Vernetzung von Gegenständen wie Skipässen, Büchern oder Luftfracht geht. Den Beitrag gibt’s hier bereits jetzt zum Anschauen. [via rabenhorst]
Dass die Kommunikation mit Elektronengehirnen problematisch sein kann, hat nicht nur der sympathische Lampengrinser HAL 9000 demonstriert. Auch die Windows-Spracherkennung kann tückisch sein, wie dieses Video zeigt:
Vielleicht hatte der sadistische HAL 9000 ja auch seine Dioden im Spiel, als es galt, sich das neue Animal Collective-(immerhin lautDiederichsen die “beste Band der Welt”)-Cover auszudenken. Denn der Entwurf für “Strawberry Jam”, den es hier zu bewundern gibt, dürfte es in der Tat zu einem der Favoriten für die Kategorie “best album with the worst cover art” machen. Aber in der letzten Zeit scheint es insgesamt einen Trend zur bewussten Hässlichkeit in der Covergestaltung zu geben.
Wie klingt Pi? Wie die Eulersche Zahl? Auf dieser Seite von Tom Dukich findet man die Antwort auf die Frage nach dem Klang der “fünf magischen Konstanten”. Und man hat darüber hinaus die Gelegenheit, zur Eulerschen Zahl Samba zu tanzen. Das sollte doch einen Besuch wert sein.
Im September gibt es gleich zwei Veröffentlichungen des Berliner Zeitkratzer-Ensembles um Reinhold Friedl auf dem Asphodel-Label. Zum einen die 2002er Aufführung von Metal Machine Music, dem avantgardistischen Noise-Werk von Lou Reed aus dem Jahr 1975, das damals eigentlich nur missverstanden wurde und nach drei Wochen vom Markt genommen wurde. Die überwiegend elektrische MMM wurde nun von den Zeitkratzern in eine Kammermusik-Variante übertragen. Mit der zweiten Veröffentlichung “Xenakis [a]live!” verbeugen sich Friedl und das Zeitkratzer-Ensemble vor dem griechischen Komponisten und Electronica-Pionier Iannis Xenakis (1922-2001). Auch hier bestand die größte Herausforderung darin, die elektronisch erzeugten Studio-Sounds mit den Mitteln klassischer Instrumente neu zu erfinden. Leider konnte ich keine Videos der Stücke finden, stattdessen aber dieser Mittschnitt vom Etnafest im Januar:
Ohne größeren Wirbel zu verursachen, hat der deutsche Popelektroniker Ulrich Schnauss sein neues Album “Goodbye” veröffentlicht. Damit kann die Trilogie, die mit “Far Away Trains Passing By” begonnen hat und mit “A Strangely Isolated Place” fortgeführt wurde, abgeschlossen gelten. Das neue Album hat Schnauss in relativer Abgeschiedenheit in seiner Heimatstadt Kiel aufgenommen. Ein Stilmittel, das er damit perfektioniert hat, ist das Übereinanderschichten von unzähligen Audiospuren um eine gewaltige Orchestralität zu schaffen - Eric Schneider spricht von einer “more-is-more aesthetic”, die sich nicht so sehr an dem Dancefloor, als vielmehr an Shoegazerbands wie My Bloody Valentine, Chapterhouse oder M83. Aber zugleich bewahrt er sich eine Leichtigkeit, so dass man sich dennoch nicht erschlagen fühlt.
In der 20. Ausgabe (gerade ist übrigens die Doppelnummer 21+22 herausgekommen) des österreichischen Retrocomputing-Magazins Lotek64 ist ein schönes Interview mit Joachim Wijnhofen alias Yogi Bear, der neben Rob Hubbard, Martin Galway, Ben Daglish, Jeroen Tel und Chris Hülsbeck wohl zu den Meistern der klassischen 8bit-SID-Musik gehört. Über das “illustre Banana Team”, seine erste Szenegruppe sagt er heute:
Das waren wirklich Lamer-Zeiten. Abgekackte Demos haben wir gemacht: ein Koala-Bild, ’ne gerippte Musik drunter und ein Border-Effekt, und das haben wir wirklich toll gefunden! Wir wussten noch nicht mal, was Crunching ist, da wurde ein PRG von 170 Blocks draus!