Dass die Russen unter dem Nordpol eine Flagge setzen wollen, um ihren Gebietsanspruch zu untermauern, kann man ja aus geopolitischen Erwägungen (Hint: Rohstoffe) vielleicht noch verstehen. Aber warum wollen diese quecksilberglänzenden Herren in dem neuen Caribou-Video zu “Melody Day” (Album: Andorra) in Gotland eine weiße Fahne hissen? Schon wiedereineKapitulation? Sachdienliche Hinweise bitte in die Kommentare.
Wie das WWW vor der Großen Abschaltung ausgesehen hat, kann man sich in diesem Werbevideo der Firma digital noch einmal vergegenwärtigen. Ganz und gar nicht digital treten Arcade Fire aus Montrealhier auf, mit Drehleier, Violine und einem großartigen Win Butler. Musikalisch nicht minder beeindruckend ist die neue EP der Yeah Yeah Yeahs, “Is Is”, die man wieder einmal bei 3voor12 vorhören kann. Oder aber die neue Platte von “Architecture in Helsinki”: sie erscheint offiziell erst Mitte August, kann aber hier bereits heute angehört werden. Ob diese Veröffentlichungen es aber in Listen wie diese (”10 landmark albums that made indie rock”) schaffen? Zu erwähnen ist auch das neue Netlabel WeePop-Records, das sich, wie unschwer zu erkennen ist, auf Twee-Pop und C86 spezialisiert hat und aucheiniges zum Download anbietet. So viel, dass man unbedingt eine 40 Gigabits-pro-Sekunden-Anbindung braucht, ist es nicht, aber es zählt ja nicht immer nur die Quantität. Zum Abschluss noch ein paar neue Bilder von Maximo Park:
Das Netlabel Wandering Ear hat sich mittlerweile einen guten Ruf für seine feinen Fieldrecordingreleases erarbeiten können. Gerade eben ist die siebte Veröffentlichung herausgekommen: “Edges: An Audio Portrait” von Lance Olsen. Darin begibt sich der Künstler auf die Spuren der Geschichte des Nanaimo Harbour auf Vancouver Island (Kanada). Das Album gibt es auf der Labelseite entweder komplett oder in einzelnen Tracks zum Herunterladen. Wie die anderen Releases steht auch “Edges” unter einer CC-Lizenz.
Nicht umsonst, sondern für 3 EUR erhältlich ist “The Hidden” von Mike Johnston (Bass, Shenhai, Flöte), Mike Gilmore (Vibraphon, Marimba, Saz, Guzheng, Percussion), Mike Khoury (Violine) und Kirk Lucas (Cello). Johnston und Gilmore entstammen der 70er und 80er Improjazz-Szene in Michigan und treten hier unterstützt von Khoury und Lucas als Kammerensemble auf. Diese Platte verbindet das avantgardistisch-improvisierte Jazz-Grundgerüst mit Einflüssen aus Asien, dem Nahen Osten und Afrika. Zwei Stücke daraus können auf dem Hidden-MySpace angehört werden.
Manchmal ist es doch so einfach. Während ix sich Gedanken darüber macht, warum er bei seinen Videoauftritten nicht auf den Punkt kommen kann (schließlich gibt es andere, die sehr wohl auf den Punkt kommen, aber dennoch damit bei ihrer Peer Group durchfallen), sondern um seine Punkte und Punchlines herumschwadroniert und -tänzelt, zeigen die White Stripes wie man musikalisch so sehr auf den Punkt kommt, dass gar keine Musik mehr übrig bleibt (Bericht). Die sind übrigens auch nicht mit 27 gestorben. Und jetzt machen sie halt so etwas. One more note!
“Hymne ist ja zunächst mal eine ganz bestimmte From des inhaltlichen Wollens.” So fängt der Begleittext zum Nationalhymnenprojekt von monochrom an. In diesem Projekt, dessen Videoaufzeichnungen nun online verfügbar sind, unternehmen die Künstler eine musikalische Reise, auf der sie die ganze Welt von A–Z durch ihre Hymnen betrachten. Und wozu das ganze? “Zum besseren Verständnis der österreichischen Identität.” Gleichzeitig wird auch der flüchtige Charakter der Nationalhymnen klar, denn:
Hymne ist Wehen. Sie ist der Wind, das Element, das alle anderen Elemente berührt, indem es quasi mit ihnen flirtet. Wind ist ja nicht sesshaft.
Außerdem empfehlenswert: Dieses Video mit ausgewählten Bildern von Cindy Sherman, deren Arbeiten zur Zeit im Berliner Martin-Gropius-Bau ausgestellt sind [via 5F]. Und dann noch dieser neue Clip der kanadischen Indieband The Besnard Lakes zu ihrem Song “For Agent 13″. Schließlich: diese Bildersammlung mit Schnappschüssen von dem Pitchfork Music Festival. Auf den polaroiden Bildern unter anderem: Girl Talk, GZA, Steve Malkmus (von den mittlerweile zu 40% reunierten Pavement), Of Montreal (hier das Video dazu), Jamie Lidell, De La Soul, Kim Gordon, Cappadonna, Voxtrot, Grizzly Bear. Wow. Da bleibt mir die Luft weg.
Wenn man mit Freunden in der kanadischen Wildnis Drogen nimmt, so kann es nicht nur passieren, dass man ganze Breitwände voller Farben sieht oder eine Eingebung, wie der bald erscheinende Wälzer “Harry Potter and the Deathly Hollows” endenwird. Nein, unter Umständen findet man eine Lösung auf die schwierige Aufgabe, sich einen neuen Künstlernamen ausdenken zu müssen, da der Besitzer des alten Namens vor Gericht dagegen vorging. So geschehen im Fall des promovierten Mathematikers Daniel V. Snaith, der 2004 nicht mehr Manitoba hieß, sondern Caribou. Die Assoziationen (Wildnis, Kanada, plätschernde Flüsse, Wälder) blieben aber in etwa dieselben, was auch für die Musik gilt. Am 31. Juli wird mit “Melody Day” die erste Vorabsingle des neuen Albums erscheinen, im August dann das Album “Andorra” mit den folgenden Tracks, die übrigens auf der CitySlang-Seite (wie bereits im Fall des neuen Stars-Albums) alle schon jetzt angehört werden können. Zwar nicht in voller Länge, aber für einen ersten Eindruck ist das ausreichend.
Heute erreicht mich eine nette Mail, in der unser fast aller Lieblingsband The Stars, bekanntgeben, dass ihr Album zwar erst am 21. September in den Läden steht, aber bereits ab heute hier heruntergeladen (für faire 8,98€) und in Ausschnitten angehört werden kann. Nach ein paar lobenden Worten für die studentischen Musikblogger, deren Arbeit nur noch schwer von der eines “Redakteurs bei einer großen Hochglanz-Illustrierten” zu unterscheiden ist, folgt dann eine kurze Bestandaufnahme der Musikindustrie gegen Ende der 00er Jahre.
Aber jetzt und hier ist diese neue, digitale Zeitrechnung am Werk und die erfordert ebenso neues, schnelleres Denken. Wir können nur hoffen, dass Ihr, mit einem klaren und legalen Download Angebot eben nicht in die nächste Filesharer Bude rennt und das Album umsonst aus dem Netz saugt, sondern dass Ihr die Mühen und das Herzblut, die wir in die Produktion dieser Platte gesteckt haben wertschätzt und Euch dafür entscheidet, die Leute, die diese Musik und diese Songs erschaffen haben zu unterstützen.
Und natürlich hoffen wir, dass Ihr mit diesen Songs genau so viel Freude habt wie wir.
Obwohl “Herzblut” für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr rockistisch klingt (in der englischen Version kommt das gar nicht vor): wir werden mit den Songs Freude haben.
Irgendwie muss ich bei dem Albumtitel an den verbreiteten Elternspruch denken: “In deinem Zimmer sieht es aus, als ob dort eine Bombe eingeschlagen hätte”. Ob die Stars “In Our Bedroom After The War“, den Titel ihres lang erwarteten nächsten Studioalbums (25. September) so verstanden wissen wollen, weiß ich nicht, aber es ist doch eine große Freude, endlich etwas mehr über diese kanadische Lieblingsband zu erfahren. Gerade auch nachdem die letzte Veröffentlichung, die unter ihren Namen gelaufen ist - “Do You Trust Your Friends?” - eher eine durchwachsene Sache gewesen ist. Und Arts & Craft verstehen es, die Freude auf dieses Album noch dadurch zu steigern, dass sie schon einmal den ersten Track davon (”The Night Starts Here”) als Download anbieten.
Track Listing:
The Beginning After The End
The Night Starts Here
Take Me To The Riot
My Favourite Book
Midnight Coward
The Ghost Of Genova Heights
Personal
Barricade
Window Bird
Bitches In Tokyo
Life 2: The Unhappy Ending
Today Will Be Better, I Swear!
In Our Bedroom After The War
So etwas erlebt man nicht jeden Tag. Die Geburt eines neuen Akronyms. Und dann noch so eines! TBTF, der Titel der Vorabsingle von Kevin Drews neuem Werk “Spirit If …” bezieht sich nämlich nicht auf den Kult-Internet-Newsletter “Tasty Bits from the Technology Front” und auch nicht auf das “Tampa Bay Technology Forum“, sondern ist eher als Kompliment an das weibliche (?) Geschlecht gedacht, heißt es doch im Chorus des Songs: “You are too beautiful to fuck”.
Die Torontoer Band Rock Plaza Central (Homepage, Myspace) hat nach neun Jahren wieder ein Album (”Are We Not Horses?”) herausgebracht. Einen Song daraus (”My Children, Be Joyful”) gibt’s bei Music for Robots als Download.