Bei dem Bandnamen Love of Diagrams könnte man zunächst denken: da ist mal wieder jemand auf den zur Zeit so gut rollenden Math-Rock-Zug aufgesprungen. Weit gefehlt. LoD ist eine klassische (d.h. sehr nach den 1980ern klingende) New-Wave-Indieband aus Melbourne (Australien). Irgendwo zwischen U2, Blondie, B-52s und Siouxsie & the Banshees - besonders der kräftige Bass von Antonia Sellbach ist klasse. Aber “Words suck! Let’s draw!“. Hier kommt “Pyramid” (mp3s gibts hier) aus dem ersten Album “Mosaic” (bis auf das dämliche Ende überzeugend):
Obwohl die neuen Stücke der New Yorker Singer-Songwriterin Nina Nastasia (MySpace) auf “You Follow Me” aufgrund ihrer Instrumentierung zunächst recht einfach und transparent klingen (zu hören sind in erster Linie Gesang, gezupfte Gitarre und Schlagzeug), verbergen sich hinter dieser Einfachheit unglaublich komplexe Arrangements. Schlagzeuger Jim White, bekannt durch seine Arbeit in der australischen Experimentalband Dirty Three oder zusammen mit weirden Country/Folk-Künstlern wie Will Oldham oder Smog, ist nicht nur Begleitung, sondern neben dem an manchen Stellen atemberaubenden Gesang von Nastasia eigentlich als Solist anzusehen (”he alternately sounds like rolling thunder, fluttering birds’ wings, and everything in between” schreibt Brandon Lichtinger dazu). Er verschafft den Stücken immer wieder die nötige Tiefe, um aus schönen Folksongs merkwürdig ernste Folk-Kraut-Psychedelika zu formen. Dieser Kontrast ist ein Erlebnis: “Ausdrucksstark wirbelt, schleicht und stolpert Jim White um Nina Nastasia herum” beschreibt die Wirkung recht treffend. Martin Büsser bezeichnet das Werk als “Eine wirklich bewegende, aber wohl auch zum Geheimtipp verdammte Veröffentlichung.” Wer sich bewegen lassen möchte, kann sich “I Write Down Lists” schon einmal als mp3 herunterladen (via).
Ich geb’s zu: die Überschrift “Strandträume” ist Kitsch. Da sind wir uns wahrscheinlich alle einig. Aber sie passt so wunderbar zu der Band, auf die ich nun hinweisen will: Die australischen Surf-Legenden “Tim Gaze Band” (Homepage 1996). Gerade ist die Platte “Band on the Run” aus dem Jahr 1979 (damals der Soundtrack zu einem eher weniger erfolgreichen Surf-Film mit Rabbit Bartholomew) wieder aufgelegt worden und auf iTunes oder Napster verfügbar. Und es lohnt sich wirklich, da einmal hineinzuhören. Zwar ist der Chorus auf den Gitarren etwas zu dick aufgetragen und die die Mischung aus Westcoast und Softsoul ist nicht mehr zeitgemäß, aber dennoch eine interessante Mischung aus der Leichtigkeit der Surfmusik (z.B. “Rivers” mit seinen Anklängen an “Hotel California” von den Eagles), langen psychedelischen Songs à la Pink Floyd (”Bermuda”, “Oceans”) und tanzbaren Discosongs (”Brothers and Sisters”, “Mauritius”). Am besten sind sie in den Liedern, die einfach nur Popsongs sein wollen und nichts mehr (”Lazy Day Fever”, ein wirklich runder Song!) Tim Gaze, der zuvor bei “Tamam Shud” spielte, ist an der Leadgitarre zu hören, Robbie France-Shaw am Schlagzeug, Harry Curtis am Bass, Peter Bolton am Synthesizer und Annette Henery singt die Hintergrundstimme. Hier kann man einen zweiminütigen Ausschnitt aus jedem Song anhören. Und hier ist der sehr stimmungsvolle Anfang einer Dokumentation über australische Surfmusik, in der auch Tim Gaze vorkommt. Leider bricht der Film (bei mir) nach der Hälfte ab:
Pop oder Anti-Pop? Oder auch nur eine äußerst unterhaltsame und seltsame Demonstration einer Ästhetik des Scheußlichen? Egal, das “Buttons”-Video der australischen Popsängerin Sia (Furler), die zuvor auch schon für Crisp und Zero 7 gesungen hatte, ist sehenswert. Der oder die ein oder andere kennt Sia vielleicht schon im Spiderman-Kostüm, aber was sie hier mit ihrem Gesicht (viel mehr ist in dem Video nicht zu sehen) anstellt, ist beeindruckend (oder: “a bit mental“. Wer noch mehr will, kann auf ihrer Homepage noch einige weitere Songs und Gymnastikübungen ansehen. So muss Pop aussehen.