Posts filed under '90s'

And here they are, Jayne Mansfield …

1 comment October 9th, 2007

aachen.PNGEine der spannendsten Filmkritiken hat Uwe Nettelbeck mit “Titanic Revisited” verfasst. Der ganze Text richtet die Aufmerksamkeit nur auf die Rolle der Hände in dem Film. Wer den Text einmal durchgelesen hat, kann sich Titanic nie mehr ansehen, ohne auf krumme Hände, gerade Hände, junge Hände, alte Hände, flehende Hände, helfende Hände, liebende Hände usw. zu achten. Etwas ähnliches könnte passieren, wenn man mit den “fünfzig besten Brüsten der Filmgeschichte” in “dieser Serie” (gedacht als Beitrag zum National Breast Cancer Awareness Month) durch ist. Von Mae West, mit der die weiblichen Kurven auf die Leinwand kamen, über Jane Mansfields “beeindruckendes 40D-Profil” bis zu “Double Agent 73″ Chesty Morgan.

(Abbildung: Hans von Aachen, “Allegorie von Friede, Kunst und Reichtum”, 1602, Detail, Quelle: http://www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH)

Der Mann, der zwei Musikgenres erfand (The 13th Floor Elevators, Roky Erickson, Primal Scream)

Add comment September 16th, 2007

hanf.pngGefragt danach, wo denn die psychedelische Rockmusik der 1960er und 1970er Jahre ihren Anfang genommen hat, würden wohl die meisten ohne mit der Wimper zu zucken antworten: San Francisco, Height/Ashbury. Tatsächlich waren es jedoch die 13th Floor Elevators aus dem texanischen Austin, die begonnen haben, Popmusik mit Drogenerfahrungen aller Art zu kreuzen und diesen Hybriden namens Psychedelic Rock heranzuzüchten, mit dem Bands wie die Grateful Dead, die Byrds oder Jefferson Airplane in den 1960ern auf diversen Hippiegatherings hausieren gingen. Die Elevators waren sogar die ersten, die ihre Musik als “psychedelisch” bezeichnet haben: Ihr erstes Album aus dem Jahr 1966 hieß “The Psychedelic Sounds Of The 13th Floor Elevators”.

Die Band schaffte es nur bis 1969, da ihre Bandleader, der geniale Roky Erickson, nach einer Verhaftung als psychisch krank (Diagnose: Schizophrenie) im Rusk State Mental Hospital wiederfand. Doch nach seiner Entlassung rappelte Roky sich wieder auf und erfand nebenbei mit dem Punk Rock ein neues Musikgenre. Über die Geschichte dieses Musikers hat Keven McAlester eine Dokumentation mit Titel “You’re Gonna Miss Me” gedreht. Hier der Trailer des Films sowie ein wundervoller Elevators-Song, der 1999 in der Cover-Version von Primal Scream eine Renaissance des Psychedelic Rock eingeleitet hat.


(Abbildung aus Wikipedia)

Guten Morgen, ihr fluffy clouds (The Orb, Ricky Lee Jones, Ennio Morricone)

Add comment September 10th, 2007

Endlich merkt auch der Großraum München einmal wieder, dass das Prinzip Sonne immer noch ab und zu funktioniert. Zur Feier dieser Wetterverbesserung im Folgenden das Video zu “Little Fluffy Clouds” von The Orbs Album “The Orb’s Adventures Beyond the Ultraworld”. Darin erzählt uns die angenehm verschnupfte Ricky Lee Jones einiges über die Wolkenfarben und -formen des Arizoner Himmels. Die Verwendung verschiedenster Samples wie das erwähnte Jones-Interview, aber auch die Mundharmonika von “The Man With The Harmonica” aus dem “Once Upon a Time in the West”-Soundtrack von Ennio Morricone sowie ein paar Ausschnitte aus Steve Reichs “Electric Counterpoint” ermöglichten Alex Paterson und Martin Glover hier 1990 einen Track zu schaffen, der sich als wegweisend für das junge Subgenre des tanzbaren Ambient-Techno erweisen würde.

Sommerdieb (Len, Broken Social Scene)

Add comment August 17th, 2007

len.pngAls ich heute meinen Broken Social Scene-Beitrag fertiggeschrieben habe, bin ich über den Bandnamen Len gestolpert (Broken Social Scenes Brendan Canning hatte damit etwas zu tun). Da war doch irgendetwas, oder? Diesmal kein Ehepaar, sondern Geschwister: Marc und Sharon Constanzo, genau. Langsam ist dann die Erinnerung zurückgekehrt, schließlich ist “Steal My Sunshine” (1999) nach wie vor einer der Sommersongs überhaupt (wenn man nicht im Sinne eines Freudschen Verhörers den Refrain als “still bisexual” missversteht). Vielleicht traut sich der Sommer tatsächlich noch einmal her, wenn wir alle nur laut genug singen:

I know it's up for me
If you steal my sunshine
Making sure I'm not in too deep
If you steal my sunshine
Keeping versed and on my feet

Archäologie der Musikpresse (Intro, Spex, Musikexpress)

Add comment August 9th, 2007

intro.pngDer TV-Blogger hat heute mit Hilfe des Internetarchivs in die Vergangenheit der Fernsehsenderhomepages geblickt. Das hat mich inspiriert, auch einmal die Jugendsünden der Musikmagazine unter die Lupe zu nehmen.

Beginnen wir bei Intro. Die allererste Seite lässt bei mir schon einmal den Browser einfrieren: irgendein Java-Fehler. Aber diese hier von April 1998 funktioniert. Ich weiß nicht, ob dieser rote Hintergrund tatsächlich so gedacht ist (wenn ja: mutige Farbgebung), oder ob hier nur eine Grafik fehlt, aber die Marmorimitation (METAL70.GIF) der Navigationsleisten ist (ebenso wie das Frame-basierte Layout) schon einmal ein ganz typisches Element aus einer Zeit, in der man auch seine Worddokumente und Emails mit raffinierten mehr oder weniger fotorealistischen Hintergründen versehen hat (ich sage nur: Stationary). Wahrscheinlich haben bei den oberen Navigationsbuttons auch noch die kleinen Lämpchen beim Klicken geleuchtet.

Die Spex-Seite lässt sich sogar bis zum Oktober 1997 zurückverfolgen. Allerdings zeigt sich die erste Homepage doch eher etwas abweisend. Statt Poptheorie gibt es unter dem roten Spex-Logo nur einen banalen Satz in bestem Hausmeisterdeutsch “Bis auf weiteres hat die Redaktion diese Web-Site geschlossen.” Das bleibt dann auch eine ganze Weile so, bis die Seite dann 1999 ein Flash-Intro bekam, das jedoch leider für das Archiv verloren gegangen ist. Auf der eigentlichen Seite begrüßt die Redaktion ihre Leser mit der wunderbaren Dathschen Grußformel:

“Anstelle des üblichen nichtssagenden Webseiten-Opener-Vorgeplänkels, das uns, wie wir erfahren haben, unsere treuesten und wertvollsten Leser zu kosten droht, weil sie sogar an den Stellen, die einfach nur Grußformeln bringen sollen, Informationen über Tourneen und T-Shirt-Preise verlangen und sich ärgern, wenn da, wo “hallo” steht, bloß “hallo” steht …”

Leider sind die Grafiken nicht im Internetarchiv, so dass kein Urteil über Farben, Formen etc. möglich ist.

Zuletzt noch ein Blick auf den Musikexpress: Die früheste Seite von Januar 1999 besteht aus Frames. Mehr kann man nicht sagen, da die eigentlichen Seiten nicht im Archiv sind. Den Jahrtausendwechsel feierte die Seite mit dem Satz “Diese Webpräsenz ist noch im Aufbau”. 2001 tut sich dann wieder etwas: mehrere Monate lang werden die Inhalte der kommenden Printausgaben angekündigt, jeweils mit der Einleitung: “Hier entsteht der Online-Auftritt von MUSIKEXPRESS” (perpetual beta, schon damals?) Die Seite ist schlicht: wenig Grafiken, wenig Farben; könnte auch heute so irgendwo im Netz stehen.

Ich denke, die These, früher sei alles besser gewesen, kann damit zumindest für diese Beispiele als widerlegt gelten. Oder?

50 x Sex (IFC, Nerve)

Add comment August 4th, 2007

Willkommen im Poplog-Nachtprogramm. Sexszenen gab es in dem Filmrätsel, das jetzt schon einige Tage durch die Blogosphäre tobt, bislang noch nicht. Dabei sind sie es doch, die häufig darüber entscheiden, ob ein Film als Skandal in die Geschichte eingehen wird (man denke an Donald Sutherland und Julie Christies Sexszene in “Wenn die Gondeln Trauer tragen” von Nicolas Roeg) oder nicht. Für Leute die von Sexszenen nicht genug bekommen können, hat IFC News in Kooperation mit Nerve jetzt eine Hitliste der 50 besten davon erstellt. Von 1896 bis 2006. Und woran erkennt man eine gute filmische Sexszene? Die Autoren drücken es nach vielen “durchgearbeiteten Nächten” so aus: “we just know it when we see it, whether it shocks us, titillates us, turns us on, breaks our hearts or confounds our expectations.” Hier gibt’s die Plätze 50-46, 45-41, 40-36, 35-31, 30-26, 25-21, 20-16, 15-11, 10-6, 5-1. Ein beachtlicher Teil davon sogar mit Videoausschnitten. Was ist eure Nummer eins? (via)

Second Wave of Shoegazing (Sky Drops, Citizens Here and Abroad, Asobi Seksu, Serena Maneesh, Beautiful Noise, Slowdive)

3 comments July 24th, 2007

Langsam aber sicher kündigt sich ein Shoegazer-Revival in der Indieszene an. Klar ist auch nach dem Ende von My Bloody Valentine (und später dann auch von Slowdive) einiges passiert, aber einen Bewegungscharakter wie um 1990 herum hat diese Musikrichtung trotz Highlights wie Godspeed You! Black Emperor bis in die jüngste Gegenwart nicht mehr erreicht. Zu stark war wohl in den letzten Jahren der Postpunk-Trend von Bands wie Franz Ferdinand, Interpol oder der Libertines. Jetzt scheint es wieder soweit zu sein. Lasst uns die Second Wave of Shoegazing einläuten.

Und auf welche Bands muss man jetzt achtgeben? Zum Beispiel auf die Sky Drops aus dem “Ersten Staat der USA” Delaware (Hauptstadt? Dover!), der mir bislang nicht durch seine besonders intensive Musikszene aufgefallen ist (nicht verwechseln mit der norwegischen Band des gleichen Namens), vielleicht mit Ausnahme der Adult-Popgröße “Bullette”. Nein, die Sky Drops die ich meine (und die Peter meint) machen interessanten Noisepop, der die verzerrten Gitarren von Slowdive als Stilelement aufnimmt (z.B. hier), dabei aber sehr viel trockener klingt.

Als zweites hätte ich (danke, CIC) eine Kapelle mit dem schönen Namen “Citizens Here and Abroad” im Angebot, die aus genau dem entgegengesetzten Teil der Staaten kommen: aus San Francisco nämlich. Klar, dass das sehr viel blumiger und mehr nach Weltraum klingt als in dem “First State”. Der Ferne Osten ist schließlich um die Ecke. Aber die Lärmteppiche bekommen sie auch wunderbar hin (ganz ohne Lou Reeds geheimes “Ostrich Tuning”.

Der dritte Hinweis geht in Richtung Asobi Seksu, die US-japanische Band aus Brooklyn, New York, die eine bonbonsüße Spielart des Shoegaze abliefern: klingende Gitarren und dazu der helle Kindersopran von Sängerin Yuki Chikudate (manche finden sie verführerisch oder möchten ihr dafür gleich einen Antrag machen), aber immer mit den typischen konstanten Gitarrenflächen und vor allem durch Bassbewegungen variierten harmonischen Grundlagen (z.B. in Thursday oder New Years).

Aber auch in Europa wird wieder fleißig auf die Schuhe geguckt beim Gitarrenmusizieren. Bestes Beispiel dafür sind die Norweger Serena Maneesh, die eine angefolkte Version des Ganzen anbieten. Aber dann immer wieder mit sehr viel Melancholie und geisterhaft langsam umherziehenden Stimmen à la Ride (nach uliuli wird hier “gezerrt, gewabert, gespaced, gefeedbackt, gehauen und gemelodiert”), vielleicht steckt das ja hinter ihrem merkwürdigen MySpace-Spruch: “URGH URP URK WHAT A WONDERFÜL WORLD”.

Und zum Schluss darf natürlich der Hinweis auf die Dokumentation “Beautiful Noise” nicht fehlen, bei der allerdings noch unklar ist, wann und ob wir sie in Old Europe zu sehen bekommen. Aber die in dem Film von Eric Green und Sarah Ogletree vorkommenden Namen klingen schon einmal vielversprechend:

Kevin Shields und Debbie Googe von My Bloody Valentine, Jim Reid und Douglas Hart von The Jesus And Mary Chain, Cocteau Twins, Robert Smith (The Cure), Bobby Gillespie (Primal Scream), David Pearce (Flying Saucer Attack), Ian Masters (Pale Saints), Martin Carr (Boo Radleys), Produzent Alan Moulder und Creation-Chef Alan McGee. Shoegaze-Fans wie Billy Corgan, Trent Reznor und Wayne Coyne von The Flaming Lips (nach Intro).

Ganz zum Schluss, quasi als Nachspeise, noch einen absoluten Klassiker: “Shine” von Slowdives 1991er EP “Hold Your Breath”:

Angekommen (Cate Blanchett, Bob Dylan)

Add comment July 15th, 2007

Anfangs hat es doch einige ein bisschen verwirrt, dass Cate Blanchett eine der Bob-Dylan-Rollen in seiner filmischen Biographie “I’m Not There” übernehmen sollte. Wenn man die ersten Ausschnitte daraus sieht, merkt man, dass hier wirklich eine passende Schauspielerin gefunden wurde.

[via YesButNow]

It had to be Götz (Götz Alsmann)

Add comment July 12th, 2007

alsmann.jpgIch habe heute leider gar keine Zeit zum Bloggen, aber das hier musste einfach sein, schließlich haben wir nicht viele Jazzer hier im Land, die bereits auf Blue Note veröffentlicht haben: Alles Gute zum Fünfzigsten, lieber Götz “Götzimausi” Alsmann!

Read my Unterwäsche (Lucien Febvre, James Burke, Marco Mostert, Pulp)

Add comment July 10th, 2007

Eine der schönsten Hypothesen der Geschichtswissenschaft ist die Erklärung der Entstehung der Schriftlichkeit aus dem Geist der Unterhose. Diese These, zum ersten Mal von Lucien Febvre und Henri-Jean Martin in “L’apparition du livre” beschrieben, dann von James Burke in der vierten Episode von “Connections” (1978) und aktuell wieder von dem niederländischen Historiker Marco Mostert aus Utrecht. Vereinfacht geht es darum, dass mit der Verstädterung und dem zunehmenden Gebrauch von Unterwäsche aus Leinen auch entsprechend viele zerschlissene Leinenreste verfügbar waren, die eine billige Alternative zum Pergament darstellten. Je mehr Unterhosen, desto mehr Bücher. Dass mit der Unterwäsche auch neue Möglichkeiten des Entkleidens möglich wurden, spielt bei Febvre, Burke und Mostert keine große Rolle, aber bei Pulp, die diesem Thema ein ganzes Lied gewidmet haben:

[via BoingBoing, Omni Brain]

Ein Koala-Bild, ne gerippte Musik drunter und ein Border-Effekt (Yogi Bear, Philip Glass, Rob Hubbard)

Add comment July 6th, 2007

In der 20. Ausgabe (gerade ist übrigens die Doppelnummer 21+22 herausgekommen) des österreichischen Retrocomputing-Magazins Lotek64 ist ein schönes Interview mit Joachim Wijnhofen alias Yogi Bear, der neben Rob Hubbard, Martin Galway, Ben Daglish, Jeroen Tel und Chris Hülsbeck wohl zu den Meistern der klassischen 8bit-SID-Musik gehört. Über das “illustre Banana Team”, seine erste Szenegruppe sagt er heute:

Das waren wirklich Lamer-Zeiten. Abgekackte Demos haben wir gemacht: ein Koala-Bild, ’ne gerippte Musik drunter und ein Border-Effekt, und das haben wir wirklich toll gefunden! Wir wussten noch nicht mal, was Crunching ist, da wurde ein PRG von 170 Blocks draus!

[via gulli]

Smile mit Lewis Shiner

Add comment July 3rd, 2007

Lewis Shiner ist nicht nur einer der besten Sciencefiction-Autoren der Gegenwart und Gewinner des World Fantasy Award, sondern in seinen Werken spielt auch die Popmusik immer wieder eine zentrale Rolle. Vielleicht erinnert sich der/die ein oder andere noch an den Anfang seines preisgekrönten Romans “Glimpses” (auf Deutsch: Schattenklänge):

Once upon a time there was going to be a Beatles album called Get Back. They tried to record it in January of 1969, first at Twickenham Film Studios, then in the basement of Apple Corps at 3 Savile Row. Their own overpriced 24-track dream studio wasn’t finished and they had to bring in a mobile unit. So there they were, under bright lights, using rented gear, with cameras filming every move they made.

Jetzt hat Shiner sich in einem Manifest dafür ausgesprochen, ältere Werke, die nicht mehr in Druck verfügbar sind, im Internet zu “befreien”. Passenderweise hat er gleich einmal mit seinen kurzen Texten angefangen. Darunter auch ein sehr lesenswerter Beitrag über Brian Wilson.

[via BoingBoing]

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