In der soziologischen Theoriebildung ist Vertrauen schon seit langem ein Dauerbrenner (z.B. in der Variante von Vertrauen als sozialem und ökonomischem “Schmierstoff”). Aber auch die Popkultur hat sich diesem Thema immer wieder angenähert. Die definitive Erklärung des wichtigen Begriffs der Vertrauensinflation hat meines Wissens Andy Kaufman in seinem Stück “I trusted you” geliefert. Hier der Auftritt in der TV-Show “The Midnight Special“:
Eine der spannendsten Filmkritiken hat Uwe Nettelbeck mit “Titanic Revisited” verfasst. Der ganze Text richtet die Aufmerksamkeit nur auf die Rolle der Hände in dem Film. Wer den Text einmal durchgelesen hat, kann sich Titanic nie mehr ansehen, ohne auf krumme Hände, gerade Hände, junge Hände, alte Hände, flehende Hände, helfende Hände, liebende Hände usw. zu achten. Etwas ähnliches könnte passieren, wenn man mit den “fünfzig besten Brüsten der Filmgeschichte” in “dieser Serie” (gedacht als Beitrag zum National Breast Cancer Awareness Month) durch ist. Von Mae West, mit der die weiblichen Kurven auf die Leinwand kamen, über Jane Mansfields “beeindruckendes 40D-Profil” bis zu “Double Agent 73″ Chesty Morgan.
(Abbildung: Hans von Aachen, “Allegorie von Friede, Kunst und Reichtum”, 1602, Detail, Quelle: http://www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH)
Gefragt danach, wo denn die psychedelische Rockmusik der 1960er und 1970er Jahre ihren Anfang genommen hat, würden wohl die meisten ohne mit der Wimper zu zucken antworten: San Francisco, Height/Ashbury. Tatsächlich waren es jedoch die 13th Floor Elevators aus dem texanischen Austin, die begonnen haben, Popmusik mit Drogenerfahrungen aller Art zu kreuzen und diesen Hybriden namens Psychedelic Rock heranzuzüchten, mit dem Bands wie die Grateful Dead, die Byrds oder Jefferson Airplane in den 1960ern auf diversen Hippiegatherings hausieren gingen. Die Elevators waren sogar die ersten, die ihre Musik als “psychedelisch” bezeichnet haben: Ihr erstes Album aus dem Jahr 1966 hieß “The Psychedelic Sounds Of The 13th Floor Elevators”.
Die Band schaffte es nur bis 1969, da ihre Bandleader, der geniale Roky Erickson, nach einer Verhaftung als psychisch krank (Diagnose: Schizophrenie) im Rusk State Mental Hospital wiederfand. Doch nach seiner Entlassung rappelte Roky sich wieder auf und erfand nebenbei mit dem Punk Rock ein neues Musikgenre. Über die Geschichte dieses Musikers hat Keven McAlester eine Dokumentation mit Titel “You’re Gonna Miss Me” gedreht. Hier der Trailer des Films sowie ein wundervoller Elevators-Song, der 1999 in der Cover-Version von Primal Scream eine Renaissance des Psychedelic Rock eingeleitet hat.
Kaum ist man mal eine Weile weg, schon überschlagen sich die Ereignisse. Nachdem Police die sicher auch finanziell bemerkbaren Freuden des Reunion-Geschäftes genießen durften, haben sich nun auch die Jungsrocker Van Halen zu diesem Schritt entschieden. Doch es ist nicht so einfach, wie es scheint, denn an dieser Stelle muss die Frage kommen: welche Van Halen? Schließlich gab es die ein oder andere Band, die unter diesem Namen über die Bühnen gehüpft ist und deren zentralen Akteure nun so überhaupt nichts mehr miteinander zu tun haben wollen. Im aktuellen Fall geht es um die Dave Lee Roth-Halens, die im Herbst durch einige nordamerikanische Großstädte touren werden. Dementsprechend ist weder Sammy Hagar mit dabei, noch Gründungsbassist Michael Anthony, der durch Eddie Van Halens minderjährigen Sohn Wolfgangersetzt wurde. Feine Augen wollen bemerkt haben, dass diese Ersetzung auch auf dem auf der Webseite abgebildeten Plattencover von “Van Halen I” stattgefunden hat.
Zur Feier der Meldung - und weil es zudem zu den diversen Nichtraucherschutzgesetzesänderungen von gestern passt - hier noch eine Aufnahme des ultimativen Poser-Tapping-Solos “Eruption”:
Es ist ein wichtiges Datum im immerwährenden Popkalender, so wichtig, dass es auch an den diversen Werbeleinwänden in den U-Bahnhöfen immer wieder eingeblendet wird: heute vor 30 Jahren ist Elvis Aaron Presley in Memphis gestorben. Jenseits der üblichen hochkulturellen Würdigungen des zweiten großen Popstars nach Enrico Caruso - die Tagesschau skizziert die verschiedenen Elvis-Fantypen, die FAZ sieht Elvis eher als ersten Punk denn als Messias, die Welt lobt die “deutsche” Elvis-Comicanthologie von Reinhard Kleist und Titus Ackermann und die taz widmet sich dem philippinischen Elvis sowie den chinesischen Vorbehalte gegen den obszönen Amerikaner - wird Elvis aber auch in der Blogosphäre gefeiert: So erinnert sich zum Beispiel Diddy Wah daran, wie er Elvis auf einer Klassenfahrt in Australien kennengelernt und als echte Alternative zu den New Kids on the Block empfunden hat. Zur Feier des Tages stellt er außerdem sechs Elvis-Interviews vor. 500Beine ruft sich die Fahrt im grün-weißen Bus zum Heartbreak-Hotel ins Gedächtnis, während René einen Quarter in die YouTubebox wirft und für uns alle Elvis mit seiner Version von “My Way” spielt. The Big Leather Couch postet ein paar Elvis-Songs und außerdem eine Liste all seiner Veröffentlichungen. Nur 11 Songs nennt Roman. Aber die haben es in sich, denn es sind Lieder, “welche ad hoc die Liebe zu diesem Künstler auszulösen vermögen”. Eine Elvis-Miniserie gibt es beim Schockwellenreiter (”Elvis lebt”, siehe auch hier) und hier ein original Elvis-Piano zum Ersteigern (Anfangsgebot 250.000 USD). Lokale Elvis-Veranstaltungshinweise hat der Münchenblogger. Besonders hervorzuheben ist das Gedenkangebot von Julia, die sich die Mühe gemacht hat, einige Elvissongs ins Deutsche zu übersetzen. Außerdem gibt es, wie sollte es anders sein, eine Blogparade zum Thema Elvis. Fröhliches Gedenken! (Bild: “Elvis Presley”, Wikipedia)
“I can’t listen to it now without getting all dewy-eyed. And if I play it on the radio, I have to segue it into the front of another record because I can’t speak after I’ve heard it” sagte der großartige John Peel. Jetzt ist Feargal Sharkey, der vor knapp dreißig Jahren mit seinen Undertones den Song “Teenage Kicks” aufgenommen hat, 49 Jahre alt geworden. Herzlichen Glückwunsch (via).
Willkommen im Poplog-Nachtprogramm. Sexszenen gab es in dem Filmrätsel, das jetzt schon einige Tage durch die Blogosphäre tobt, bislang noch nicht. Dabei sind sie es doch, die häufig darüber entscheiden, ob ein Film als Skandal in die Geschichte eingehen wird (man denke an Donald Sutherland und Julie Christies Sexszene in “Wenn die Gondeln Trauer tragen” von Nicolas Roeg) oder nicht. Für Leute die von Sexszenen nicht genug bekommen können, hat IFC News in Kooperation mit Nerve jetzt eine Hitliste der 50 besten davon erstellt. Von 1896 bis 2006. Und woran erkennt man eine gute filmische Sexszene? Die Autoren drücken es nach vielen “durchgearbeiteten Nächten” so aus: “we just know it when we see it, whether it shocks us, titillates us, turns us on, breaks our hearts or confounds our expectations.” Hier gibt’s die Plätze 50-46, 45-41, 40-36, 35-31, 30-26, 25-21, 20-16, 15-11, 10-6, 5-1. Ein beachtlicher Teil davon sogar mit Videoausschnitten. Was ist eure Nummer eins? (via)
Ich geb’s zu: die Überschrift “Strandträume” ist Kitsch. Da sind wir uns wahrscheinlich alle einig. Aber sie passt so wunderbar zu der Band, auf die ich nun hinweisen will: Die australischen Surf-Legenden “Tim Gaze Band” (Homepage 1996). Gerade ist die Platte “Band on the Run” aus dem Jahr 1979 (damals der Soundtrack zu einem eher weniger erfolgreichen Surf-Film mit Rabbit Bartholomew) wieder aufgelegt worden und auf iTunes oder Napster verfügbar. Und es lohnt sich wirklich, da einmal hineinzuhören. Zwar ist der Chorus auf den Gitarren etwas zu dick aufgetragen und die die Mischung aus Westcoast und Softsoul ist nicht mehr zeitgemäß, aber dennoch eine interessante Mischung aus der Leichtigkeit der Surfmusik (z.B. “Rivers” mit seinen Anklängen an “Hotel California” von den Eagles), langen psychedelischen Songs à la Pink Floyd (”Bermuda”, “Oceans”) und tanzbaren Discosongs (”Brothers and Sisters”, “Mauritius”). Am besten sind sie in den Liedern, die einfach nur Popsongs sein wollen und nichts mehr (”Lazy Day Fever”, ein wirklich runder Song!) Tim Gaze, der zuvor bei “Tamam Shud” spielte, ist an der Leadgitarre zu hören, Robbie France-Shaw am Schlagzeug, Harry Curtis am Bass, Peter Bolton am Synthesizer und Annette Henery singt die Hintergrundstimme. Hier kann man einen zweiminütigen Ausschnitt aus jedem Song anhören. Und hier ist der sehr stimmungsvolle Anfang einer Dokumentation über australische Surfmusik, in der auch Tim Gaze vorkommt. Leider bricht der Film (bei mir) nach der Hälfte ab:
Das Netlabel Wandering Ear hat sich mittlerweile einen guten Ruf für seine feinen Fieldrecordingreleases erarbeiten können. Gerade eben ist die siebte Veröffentlichung herausgekommen: “Edges: An Audio Portrait” von Lance Olsen. Darin begibt sich der Künstler auf die Spuren der Geschichte des Nanaimo Harbour auf Vancouver Island (Kanada). Das Album gibt es auf der Labelseite entweder komplett oder in einzelnen Tracks zum Herunterladen. Wie die anderen Releases steht auch “Edges” unter einer CC-Lizenz.
Nicht umsonst, sondern für 3 EUR erhältlich ist “The Hidden” von Mike Johnston (Bass, Shenhai, Flöte), Mike Gilmore (Vibraphon, Marimba, Saz, Guzheng, Percussion), Mike Khoury (Violine) und Kirk Lucas (Cello). Johnston und Gilmore entstammen der 70er und 80er Improjazz-Szene in Michigan und treten hier unterstützt von Khoury und Lucas als Kammerensemble auf. Diese Platte verbindet das avantgardistisch-improvisierte Jazz-Grundgerüst mit Einflüssen aus Asien, dem Nahen Osten und Afrika. Zwei Stücke daraus können auf dem Hidden-MySpace angehört werden.
Anfangs hat es doch einigeein bisschen verwirrt, dass Cate Blanchett eine der Bob-Dylan-Rollen in seiner filmischen Biographie “I’m Not There” übernehmen sollte. Wenn man die ersten Ausschnitte daraus sieht, merkt man, dass hier wirklich eine passende Schauspielerin gefunden wurde.
Im September gibt es gleich zwei Veröffentlichungen des Berliner Zeitkratzer-Ensembles um Reinhold Friedl auf dem Asphodel-Label. Zum einen die 2002er Aufführung von Metal Machine Music, dem avantgardistischen Noise-Werk von Lou Reed aus dem Jahr 1975, das damals eigentlich nur missverstanden wurde und nach drei Wochen vom Markt genommen wurde. Die überwiegend elektrische MMM wurde nun von den Zeitkratzern in eine Kammermusik-Variante übertragen. Mit der zweiten Veröffentlichung “Xenakis [a]live!” verbeugen sich Friedl und das Zeitkratzer-Ensemble vor dem griechischen Komponisten und Electronica-Pionier Iannis Xenakis (1922-2001). Auch hier bestand die größte Herausforderung darin, die elektronisch erzeugten Studio-Sounds mit den Mitteln klassischer Instrumente neu zu erfinden. Leider konnte ich keine Videos der Stücke finden, stattdessen aber dieser Mittschnitt vom Etnafest im Januar:
Herzlichen Glückwunsch zum 60. Geburtstag, Arlo Guthrie! Ich weiß nicht, wie oft ich Alice’s Restaurant gesehen habe, wie oft ich mich über die Lyrics des Motorcycle Songs amüsiert habe oder wie oft ich kurz vor dem Einschlafen mich von der City of New Orleans in den Schlaf schaukeln ließ.