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Spacelagged Aliens (The Battles)

1 comment September 13th, 2007

Ganz gleich ob Math-Rock oder Prog-Groove, dieser Clip zu der neuen Single “Tonto” der Battles überzeugt mich. So muss Musik von Außerirdischen klingen, die von dem langen Hyperraumflug noch völlig spacelagged sind und trotzdem auf die Bühne müssen. (via)

Pop und Porno (Office)

Add comment September 12th, 2007

Ziemlich genial, dieses Video (via) von Adam Neustadter zum Song “Oh My God” der Chicagoer Rockband Office (mehr Musik hier). Diese hier noch kaum bekannte Band bringt zwar bereits seit 2000 Alben heraus, wird aber am 25. September ihre erstes Album bei einem “richtigen” Label (James Ihas Scratchie Records) veröffentlichen. Mir sind kaum schönere Darstellungen der ewigen Affinität von Pop- und Pornbusiness bekannt:

Tracklist “A Night at the Ritz”:

  1. Oh My
  2. The Big Bang Jump
  3. Company Calls
  4. Dominoes
  5. Possibilities
  6. Had a Visit
  7. Wound Up
  8. +/- Fairytale
  9. Paralyzed Prince
  10. Suburban Perfume
  11. The Ritz
  12. If You Don’t Know by Now
  13. Q&A

Reifeprüfung (Kanye West)

2 comments September 11th, 2007

west.pngHier nun der zweite Teil des Hiphop-Doppels, das an dieser Stelle begonnen hatte. Nach dem misslungenen Werk von 50 Cent geht es jetzt um Kanye Wests drittes Studioalbum “Graduation”, das, um es schon einmal vorweg zu sagen, rundum überzeugt. In diesem Album schafft es West, wirklich weirde Einflüsse zu einer ganz eigenen Art von Hiphop - “zwischen cool und progressiv” - zu formen, die vermutlich in den nächsten Jahren Schule machen wird. Die verarbeiteten Samples reichen dabei von Daft Punks “Harder, Better, Faster, Stronger” über “Long Red” von Mountain und “Kid Charlemagne” von Steely Dan bis hin zu “Sing Swan Song” aus dem Werk der deutschen Krautrocker Can. Diese Breite und Virtuosität zu überbieten, dürfte schwerfallen.

Der erste Song “Good Morning” ist mit seiner ultrapoppigen Melodieführung und Harmonik der perfekte Opener und legt den Grundstein für eine ganze musikalische Welt. Der Track wird dominiert von der schmachtenden, an die Beach Boys erinnernden Gesangslinie, die aus Elton Johns “Someone Saved My Life Tonight” entliehen wurde. Während sie bei Elton John ein kurzes Zwischenspiel darstellt, klingt sie bei West ambivalenter. Nicht mehr reine Essenz von Fröhlichkeit, sondern ein Ausflug in Dur-Harmoniken in einem ansonsten in Moll gehaltenen Track.

Der Text ist ein weiteres wundervolles Beispiel für die Selbstreflexivität von Kanye West. Diese Haltung ist eine der zentralen Ursachen dafür, dass zwischen ihm und 50 Cent Welten liegen. Viele mögen Wests Musterschüler- oder Strebereinstellung nicht. Immer wieder hat er zu öffentlichen Anlässen gezeigt, wie ehrgeizig er ist und wie schnell er frustriert ist, wenn er einmal nicht auf dem ersten Platz steht. Ich erinnere nur an die spektakuläre Aktion, mit der er auf der MTV Europe Music Awards-Feier gegen die Preisvergabe an Justice und Simian protestierte. Das Schöne an Wests Musik ist jedoch, dass er immer wieder offen und selbstkritisch, aber mit einem ausgeprägten Gespür für humoristische Distanz auf seine Fehler eingeht. Gerade in der Welt des Hiphop, die sich schon längst an die übertriebenen Aggrobiographien der Gangsta-Selbstdarsteller gewöhnt hat, überrascht diese ambivalente Haltung: “Kanye West is following his own awkward path to super-stardom; his “ego” may get the attention, but he’s laughing all the way to the bank” (popmatters).

Wenn Hiphop das CNN der Black Community ist, könnte man Kanye West als den Blogger der Black Community bezeichnen. Und weil’s so viel über Kanye West aussagt, hier noch einmal das alternative Video von Zach Galifianakis und Will Oldham zu “Can’t Tell Me Nothing”:

Pornographieunterbrechung

2 comments September 10th, 2007

youporn.pngIch bin immer wieder gerührt davon, wie sehr man um meine Sittlichkeit bemüht ist. Nachdem flickr mir das nutzlose Betrachten von Bildern erotischen Inhalts erspart hat, sorgt nun Arcor dafür, dass mich Seiten wie sex.com, youporn.com oder privatamateure.com nicht mehr vom Bloggen abhalten. Wie unfreundlich von Heise und anderen, dahinter schnöde wirtschaftliche Interessen oder chinesische Wochen zu vermuten.

Sing mir von der Dialektik der Natur (The Mekons)

Add comment September 10th, 2007

mekons.pngDie Band The Mekons (Fansite) wird in der deutschsprachigen Blogosphäre bislang zu Unrecht ignoriert. Dabei ist nicht nur die geographische Vergangenheit der Band einigermaßen ungewöhnlich - begonnen haben sie als Punkband in Leeds, sind aber mittlerweile nahezu vollständig nach Chicago ausgewandert, sondern auch in ihren Texten zeigen sie eine beeindruckende Denkfreude und reflexive Distanz zu sich selbst und der eigene. Dies zeigt schon ihre erste Single “Never been in a Riot”, mit der sie sich über die naive Aggro-Haltung von The Clash (”White Riot“) lustig machten. Dies zeigt auch ihr aktuelles Album “Natural“, in dem sie auf musikalischem Weg die fundamentale Ambivalenz der Naturvorstellungen erforschen: auf der einen Seite das romantische Bild der Natur als Spiegel menschlicher Gefühlsregungen und als Ort der elementaren Geborgenheit und auf der anderen Seite die aufklärerisch-modernistische Idee der Natur als Gegner, Feind des Menschen, die es zu überwältigen, ordnen oder gar vernichten gilt (vgl. die Idee des “Gärtnerstaats” von Zygmunt Bauman): “the forces of nature recoiling at the sight of man’s folly and fighting back, then sifting through the wreckage of civilization” beschreibt Joshua Klein diese Haltung treffend. Zum Beispiel in dem Opener “Dark, Dark, Dark” (hier anzuhören):

The twisted trees sing
Dark, dark, dark
Broken branches hidden
Far down below

Die Reviewer, die den neuen “organischen” Sound der Mekons in den Vordergrund stellen, verpassen diese kunstvoll gesetzte Pointe, die sich aus dem Widerspruch zwischen den floralnaturistischen Hippiemelodien und der düster-pessimistischen Natur-Angst der Texte ergibt.

Now we sit and shiver
Watch the cold roll of the water
We wait for fire and in the night
The black mountain above the lake
The image is still…like a perfect mirror

So heißt es zum Beispiel in dem Song “Perfect Mirror”, einem Höhepunkt des Albums. Selten hat eine Popband derart eloquent die gesamte Dialektik der Natur als Ausgangspunkt genommen und nicht nur eine der beiden Seiten. Einen Track des Albums, “Dickie, Chalkie and Nobby” gibt es hier schon einmal zum Download als mp3. Dazu empfehle ich eine Fotografie von Myoung Ho Lee als visuelle Komponente.

Musik ist mittelmäßig

1 comment September 10th, 2007

Endlich konnte ein großer Sprachschwindel aufgedeckt werden. Das, was sich üblicherweise “Musikkritik” schimpft, ist in Wirklichkeit nicht viel mehr als Bandkritik, Konzertkritik oder Plattenkritik. Wie eine wirkliche Musikkritik aussieht, zeigt der Artikel “Pitchfork Gives Music 6.8″, der heute in The Onion veröffentlicht wurde (via). Musik als “a mode of creative expression consisting of sound and silence expressed through time” ist dem anonym bleibenden Rezensenten also trotz ihrer 7000jährigen Geschichte nur 6.8 von 10 Punkten wert? Da hat ja sogar Manu Chaos neuestes Werk “La Radiolina” mehr Punkte bekommen. Andererseits.

The Empire Brokeback

Add comment September 10th, 2007

Auf den Tag genau vor zwei Jahren gewann Ang Lee mit “Brokeback Mountain” in Venedig den Goldenen Löwen. Der Film führte einem Millionenpublikum die jahrelang verdrängte Wahrheit vor Augen, dass das Genre seit seiner Anfangszeit in seiner zum Klischee geronnenen hypervirilen Frontierstereophonie (Pat Garrett und Billy the Kid, Ethan Edwards und Martin Pawley oder Benjamin Trane und Joe Erin, um nur willkürlich drei Pärchen herauszugreifen) immer (mehr oder weniger deutlich erkennbare) queere Spuren aufweist. Folgerichtig sieht man diese Spuren auch dort, wo es um die last frontier geht:

Hmm, vielleicht doch zu billig und blöd, dieses Video. Deshalb hier lieber noch einmal der Originaltrailer:

These trousers were made for drumming

Add comment September 10th, 2007

Gerade habe ich bei René diese unglaublichen Schlagzeughosen gefunden. Das ideale Weihnachtsgeschenk. Bitte!

Im Kühlschrank brennt kein Licht (Intelligent Life)

Add comment September 9th, 2007

Man kann auch ohne Kühlschrank leben. Meint zumindest Intelligent Life, die ansprechende neue Zeitschrift aus der Economist-Familie. Aber Vorsicht: “My mother tells me that I smell, my hair looks crap and I’ll never get a boyfriend.” Eines der letzten großen Abenteuer der urbanen Zivilisation?

Keine 50 Cent wert (50 Cent)

9 comments September 9th, 2007

50c.pngDer “Chartbattle” ist eines der älteren Rituale der Musikindustrie. Zwei in der Masse der Musikhörer bekannte Musiker oder Bands treten gegeneinander an und veröffentlichen am selben Tag ihr neues Album. Gewonnen hat derjenige, der am meisten Exemplare verkaufen kann. Am Montag werden die beiden Hiphopper Kanye West und 50 Cent in den Ring steigen (in Deutschland ist dieses lächerliche Minidrama zum Glück schon am Freitag gelaufen), um es zwischen sich “auszumachen”. Letzterer hat sogar damit gedroht, seine Karriere zu beenden, falls Herr West in den Verkaufszahlen vorne liegt. Wobei: es gibt sicher genügend Rechentricks, um diese Drohung nicht wahr machen zu müssen. Mitleid verdient allerdings, wer dieses Spektakel ernst nimmt oder gar mit dem Begriff “Ehre” atavistisch aufzuladen versucht.

Doch nun zu dem was zählt: zur Musik. 50 Cents drittes Album “Curtis” (hier kann man einmal hineinhören) wirkt wie der verzeifelte (und damit nicht mehr witzige) Versuch, seine alten Erfolgsthemen noch einmal in den Mittelpunkt zu stellen: Waffen, Frauen und Geld. Obwohl mit Justin Timberlake, Timbaland, Mary J. Blige oder Eminem zahlreiche prominente Gastmusiker mit dabei sind (was daran ein Zeichen von Erweiterung des Horizonts sein soll, bleibt mir unerklärlich), steckt nicht mehr in diesem Album als eine klebrig-nostalgische Verklärung des Ghettothemas in einer banalen und eindimensionalen musikalischen Aufmachung. Vielleicht lag dem Album sogar noch die Hoffnung zugrunde, dem dramatisch an Bedeutung verlierenden Gangstarismus noch einmal eine neue Wendung oder vielleicht auch nur ein paar neue Hooks zu verpassen - an dieser Aufgabe ist der Multimillionär Curtis James Jackson III jedoch ziemlich eindrucksvoll gescheitert (merke: es überleben natürlich nicht immer nur die Guten). Man kann das höflich formulieren wie Herr Merkt: “Man müsste lügen, wenn man leugnen wollte, dass hierbei einige amtliche Stücke heraussprangen, aber gemessen an den Ansprüchen, die nicht zuletzt “Curtis” selbst an seiner Musik weckt, ist das einfach zu wenig.” Man kann aber auch einfach feststellen, dass man die Erwartungen für das nächste 50 Cent-Album getrost ein in den Boden rammen darf, wenn man überhaupt noch darauf warten sollte.

Tracklisting “Curtis”:

  1. Intro
  2. My Gun
  3. Man Down
  4. I’ll Still Kill
  5. I Get Money
  6. Come & Go
  7. Ayo Technology
  8. Follow My Lead
  9. Movin’ on Up
  10. Straight to the Bank
  11. Amusement Park
  12. Fully Loaded Clip
  13. Peep Show
  14. Fire
  15. All of Me
  16. Curtis 187
  17. Touch the Sky

Bloggertreffen in München

6 comments September 7th, 2007

Robert Basic hatte zum Treffen gerufen, Marc war für die Auswahl der Location zuständig und so kam es dann zustande, das erste Münchener Bloggertreffen. Auch mir ging es so wie Robert, dass ich in den knapp vier Stunden mit sehr viel weniger Bloggern und Gründern ins Gespräch gekommen bin als ich mir das eigentlich gewünscht hätte. Aber dennoch konnte ich einige wichtige Erkenntnisse mitnehmen: auf der huettenhilfe-Seite gibt es angeblich ein sehr gutes Rezept für einen Bohnensalat, die Blogosphäre ist entgegen anderer Beobachtungen zumindest in München männlich, ein großer Teil der Blogger sind tatsächlich Technik-Geeks und lassen für ein Nokia N800 alles stehen und liegen und man kann Blogs mittlerweile schon zum Geburtstag geschenkt bekommen. Ein paar spannende Anregungen für die Weiterentwicklung der metaroll konnte ich auch mit nach Hause nehmen. Jedenfalls scheint es Konsens zu sein, dass so eine Veranstaltung wiederholt werden muss.

Weitere Berichte gibt es hier, hier, hier, hier, hier (mit schönen Bildern) und hier.

Mudrische Kommunikation und das Dilemma des Agenten (David Hasselhoff)

2 comments September 6th, 2007

Ihr habt das POPLOG-Wunschkonzert gewählt und mich dazu verdonnert, mich mit The Hoff auseinanderzusetzen. Ich will dabei gar kein Wort über Hasselhoffs Privatleben verlieren, über das sich die Blogosphäre immer wieder gerne unterhält. Auch seine Fernsehserien sind hier nicht Thema. Mir geht es im Folgenden allein um seine musikalischen künstlerischen Äußerungen.

Eigentlich ist es menschlich absolut zu verstehen. Fast jeder Junge (wie sieht’s in dieser Beziehung eigentlich mit den Mädchen aus?) hat eine Phase in seinem Leben, in der er davon träumt, als Geheimagent in einem Luxuswagen von einem exotischen Schauplatz zum nächsten zu eilen und eine Frau nach der anderen zu verführen. Der gute alte James Bond-Komplex. Irgendwann kommt dann aber der Moment, in dem einem klar wird, dass diese Berufsbeschreibung mit der Realität eines Verwaltungsangestellten im Nachrichtendienst nur wenig zu tun hat (vgl. den Bildband von Andreas Magdanz). Das falsche Bild ist eine Illusion, die von der Unterhaltungsindustrie zu Unterhaltungszwecken produziert wurde, was sonst. Wenn man nun aber selbst so sehr in die Unterhaltungsindustrie verstrickt ist, dass man gar keine Distanz mehr zu ihr besitzt, kann es dazu kommen, dass dieser helle Moment verpasst wird. Das zumindest waren meine ersten Gedanken, als ich mir gerade das Video zu David Hasselhoffs Comeback “Secret Agent Man” (2006) angesehen habe.

Schon die ersten Sekunden des Videos sind eine Aufzählung aller gängigen Klischees des Genres Agenten-Film: Fadenkreuze, psychedelische Farbenspiele, Licht/Schatten-Motive, Frauenumrisse mit Revolvern, Hasselhoff in Anzug, Durchladen einer Waffe, Flammen, nackte Frauenbeine, Fernglas, Gadgets (Uhr mit grünem Strahlenirgendwas), prüde angedeutete Sexualkontakte und die Fahrt auf einem Motorrad. Dazu eine Intromusik, die sich deutlich (oder schamlos) von dem James-Bond-Theme inspirieren ließ. Nach diesem spektakulären sinnfreien Symbolreigen fängt Hasselhoff vor blauschwarzem Hintergrund dann an zu singen: “There’s a man who leeeeeaves a life of tanger” (so klingt es zumindest). Nur eine Verbalisierung der einführenden Bildsymbolik? Oder lässt sich in dieser ausdrücklichen Ultramaskulinität ein Ansatzpunkt für die Kritik des offensichtlich maskulinen Bias des Genres finden? Ich lasse diese Frage einmal offen. Jedenfalls macht Hasselhoffs Artikulation deutlich, dass es hier nicht nur um die gewöhnliche Gefahr (”danger”) geht, der man sich mit jeder Straßenüberquerung aussetzt, sondern um eine existentielle GEFAHR in Großbuchstaben, die so hart ist, dass der stimmhafte alveolare Plosivlaut “d” nicht mehr ausreicht, sondern zum stimmlosen interdentalen “tanger” werden muss.

Der Text beginnt zwar in einer fast schon feierlichen Würdigung des Agentenlebens, nimmt aber schnell deutliche kulturkritische Töne an. Zunehmend wird die Vereinzelung des Agenten angesprochen (”to everyone he meets, he stays a stranger”), die ständig presente Todesnähe, im Chorus dann das in der literarischen Romantik äußerst beliebte Thema des Namensverlusts (vgl. zu diesem Thema auch: Christian Davidowski: “Die Musilsche Moderne als literarisches Feld. Ursprungssuche und Namensverlust im epischen Frühwerk”, in: Béhar, Pierre / Roth, Marie-Louise (Hgg.): Musil an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Internationales Kolloquium – Saarbrücken 2001, Frankfurt a.M.: Lang 2005, S. 139-152) sowie das direkt auf die Frankfurter Schule zurückzuführende Motiv der Reduktion auf eine Nummer (”they’ve given you a number and taken away your name”). Letztere Halbzeile wird dann sogar noch einmal gesprochen wiederholt, um die Wichtigkeit der Aussage zu unterstreichen.

Doch im Verhältnis von Text und Gestik liegt ein Bruch. Im Unterschied zu der modernistischen Evokation des kalten und in doppelter Weise menschenfeindlichen Agentenlebens beschwört Hasselhoff insbesondere mit seinen an fernöstliche Mudras gemahnenden Handbewegungen eine noch verborgene geistige Welt, die jenseits der notwendigen Oberflächlichkeit (vgl. hierzu auch den in seiner Bedeutung für das Thema immer noch unterschätzten und nur mehr antiquarisch zu beschaffenden Roman “Loyalties” von Raymond Williams) des Agenten liegt. Die fernöstlichen Mudras (dt. “Siegel”) dienen aber nicht nur den bereits aus der lateinischen Wortursprung von sigillum (dt. “Bildchen”) ableitbaren praktisch-kommunikativen Zwecken der symbolischen Darstellung von Geistesbewegungen (oder -nichtbewegungen), sondern drücken mit der Doppelbedeutung des “Siegels” zugleich das Abgeschlossen-und-nicht-mehr-einsehbar-Sein des yogisch-tantrischen Körpers aus und außerdem die gleichzeitig standfindende Kommunikation mit einem Höheren (auch unser Briefsiegel schließt ab und verbindet im gleichen Moment).

mudra1.pngDoch welche Mudra zeigt Hasselhoff hier mit seiner linken Hand? Interessanterweise ist es gerade die “Benennungsgeste” (karana), die von einer relativ horizontal gehaltenen Hand mit mehr oder weniger ausgestreckten Zeige- und kleinem Finger (den beiden “Yak-Hörner”) ausgeführt wird. Dieser ausgeklügelten Verschränkung von Bild- und Textebene muss an dieser Stelle Bewunderung ausgesprochen werden, insbesondere, da die nur mit einigem Geheimwissen zu entschlüsselnde mudrische Kommunikation den kryptographischen Kommunikationsbeziehungen des Agenten sehr ähnelt. Hasselhoff steht hier nicht nur als Agentenimpersonator vor uns, sondern gleichzeitig als dessen reflexive Instanz, die das grundlegende Dilemma des Agenten klar benennt und zumindest auf symbolischer Ebene mit einer alten tibetischen Mudra zu beheben versucht.

mudra2.pngIn einem nächsten Schritt verwandelt sich jedoch die Handhaltung und geht über in eine Geste, die nur oberflächlich der Victory-Geste ähnelt. Tatsächlich handelt es sich hier um die von Papst Innozenz III (1198-1216) vorgeschriebene christliche Geste der Segensgewährung, wie sie auch in zahlreichen Christusdarstellungen aus dem 12.-15. Jahrhundert zu entdecken ist (vgl. dazu auch die aufschlussreiche Handreichung “Die liturgische Körpersprache: Gebärden, Gesten und Bewegung”). Aus dieser Handhaltung spricht wieder ganz klar der reflexive Hasselhoff, der sich in eine Schutzmacht des Agenten verwandelt und versucht, ihm (also: sich selbst) in seiner existentiellen Lebensbedrohung Trost auszusprechen. Natürlich verweisen die drei ausgestreckten Finger auf nichts anderes als auf die Dreifaltigkeit. In diesem Kontext besonders spannend sind jedoch die beiden gebogenen Finger, die auf die menschliche und göttliche Natur Christi verweisen - auch hier also ein Bezug auf die für Mudras allgemein typische Dialektik von Abschließung und Öffnung. Dazu passt hervorragend der gesungene Text “a pretty face can hide an evil mii-hind”, der nicht nur auf die existentielle Kategorie des Bösen rekurriert, sondern auch die Problematik der wahren Erkenntnis kurz aber prägnant formuliert.

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