Okay, einfach einmal die merkwürdigen Zeichnungen ignorieren und ebenfalls den komischen Break überhören. Dann ist es einer der besten Songs des Jahres 2006. Eine klasse Mischung aus Jingle-Jangle und Rock-änd-rrrroll. Bei den mehrstimmigen Passagen im Chorus hört man dann noch ganz klar heraus, was die Band früher einmal für Musik gemacht hat. Außerdem bemerkenswert: die Tonfolge mit der der Gesang in den Strophen beginnt, scheint eine ganz übliche Vertonungsvariante für Automobilsongs zu sein. Arcade Fire’s Keep the Car Running fängt natürlich fast genauso an.
Ach ja, live gibt’s das auch, aber leider nur in miserabler Qualität:
J. Tyler Helms hat es wieder getan. Nach dem brillianten Fanvideo für “My Body is a Cage” von Arcade Fire, mit dem er sogar Bruce Springsteen schwer beeindruckte (mich wiederum beeindruckt die Vorstellung eines Springsteen, der Youtube-Videos anguckt), hat er sich jetzt an einen der neuen Radiohead-Songs (”All I Need“) gewagt:
Bei dem Bandnamen Love of Diagrams könnte man zunächst denken: da ist mal wieder jemand auf den zur Zeit so gut rollenden Math-Rock-Zug aufgesprungen. Weit gefehlt. LoD ist eine klassische (d.h. sehr nach den 1980ern klingende) New-Wave-Indieband aus Melbourne (Australien). Irgendwo zwischen U2, Blondie, B-52s und Siouxsie & the Banshees - besonders der kräftige Bass von Antonia Sellbach ist klasse. Aber “Words suck! Let’s draw!“. Hier kommt “Pyramid” (mp3s gibts hier) aus dem ersten Album “Mosaic” (bis auf das dämliche Ende überzeugend):
“Jemand sehr nettes und großzügiges” hat fragmente die Aufnahme eines neuen Songs von The Cure zur Verfügung gestellt. Der Song den sehr Cure-igen Titel “A Boy I Never Knew” und lässt sich als traurige, monoton-expressive Midtemponummer bezeichnen - was über einen Cure-Song wohl nicht besonders viel aussagt. Aber immerhin wird Robert Smith persönlich mit der Bemerkung zitiert, es handle sich hier um einen der depressivsten Lieder, die er je geschrieben hat. Wer den Text nachlesen will, kann das bei Gone With My Wind tun, hier eine kurze Kostprobe:
I’d love to watch him dream, love to see him sleep
To have his arms around me, feel him as he breathes
Hold his hands in mine, sense his perfect trust
I’d give all I ever had for a moment of his love
Das Stück wurde anscheinend bereits für die letzte Platte “The Cure” (2004) aufgenommen, hat es aber nicht mehr auf das Album geschafft. Daneben gibt es auch noch einen Videomitschnitt davon (mit enttäuschender Tonqualität):
Am Dienstag hat David Gahan (Depeche Mode) im New Yorker Apple Store ein paar Lieder aus seiner neuen CD “Kingdom” präsentiert (hier gibt’s ein paar Fotos dazu). Die Setlist für den Abend sah so aus:
Saw Something
Kingdom
Deeper And Deeper
Use You
Endless
A Little Lie
Miracles
Da das Ganze in einem Apfelladen stattgefunden hat, darf man wohl davon ausgehen, dass dieses Konzert früher oder später auch auf iTunes verfügbar sein wird. Damit kann sich Gahan aber Zeit lassen, denn zunächst will schließlich das am Montag veröffentlichte Album “Kingdom” sorgfältig durchgehört werden. Zum Beispiel der Titeltrack:
Der Preis wird in einer Marktwirtschaft durch den Preismechanismus von Angebot und Nachfrage bestimmt. Der zu einem Marktgleichgewicht führende Preis wird als Marktpreis oder Gleichgewichtspreis bezeichnet. Preise entstehen in einer Marktwirtschaft jedes Mal, wenn Käufer und Verkäufer einen Vertrag über den Austausch eines Gutes (einer Ware, Dienstleistung, Forderung etc.) schließen wollen. (Wikipedia)
Von wegen. Das neue Radiohead-Album “In Rainbows“, das ab dem 10. Oktober als Download erhältlich sein wird, kostet nicht mehr oder nicht weniger als man selbst dafür ausgeben will. (via)
Einer gerade grassierenden Mode nachlaufend, gibt’s nun auch im POPLOG Gastbeiträge. Hier meldet sich Gastautor Daniel von der Wiesn-Vorbereitung:
Über Karel Gott stand gestern in der Zeitung, dass es jetzt so eine Art Graceland gibt von/über ihm/ihn: Gottland. 200 qm Karel Gott. Nebenbei erfährt man, dass er bereits zum 31. Mal Sänger des Jahres in Tschechien geworden ist seit 1963. Fantastisch. Da musste ich sofort in den dunkleren Ecken meiner Plattensammlung wühlen um mal reinzuhören. Ich erinnerte mich: Mein Lieblingslied des tschechischen Goldkehlchen war früher die Nummer “Fang das Licht” mit dem slowakischen Goldkehlchen Darinka (heute als Madonna-Verschnitt unterwegs), ein Titel von dem ich lange Zeit nicht verstanden habe, wieso das eigentlich nicht der Wiesn-Hit schlechthin ist. Der Mix aus Eindeutigkeit, Tiefgründigkeit und Unkompliziertheit des Textes eignet sich eigentlich hervorragend, von der bombastischen, lang gezogenen Melodie ganz abgesehen; allenfalls die Call&Response-Struktur des Refrains könnte etwas happig sein im Rauschzustand.
Doch eben gestern beim Durchhören des Stücks stieß ich auf den wahren Grund für die Weigerung, dieses Stück in den Wiesn-Kanon aufzunehmen. Er dauert nur eine halbe Sekunde, langt aber, um auf Dauer “nicht im Wahren” zu sein: Darinka singt in besten Loddar Maddäus-”Man muss mit dem FC Bayern Diddl holen”-Fränkisch, und zwar in der zweiten Strophe, etwa in der Mitte, da heisst es: “halt es (das Licht) fest, schließ es in deine Drrrräume ein…”. Um Gottes willen! Da kann das Oktoberfest soviel Weltoffenheit beschwören und symbolisieren; bevor hier Fränkisch erklingt, wird wohl eher Reis zum Hendl serviert. (Außer natürlich Kaiser Franz persönlich besingt die “guten Freunde” die niemand “drennen” würde können). Da hilft auch kein eiligst aufgenommener Remix der beiden Vorzeige-Bayern Stefanie Hertl und Stefan Mross. Nicht auszudenken, wie groß Gottland ausgefallen wäre, wenn noch die Tantiemen aus 21 Jahren Wiesn-Hit-Dasein zur Verfügung gestanden hätten.
Leider gibt’s dieses Jahrhundertlied nur in der tschechischen Version:
Gefragt danach, wo denn die psychedelische Rockmusik der 1960er und 1970er Jahre ihren Anfang genommen hat, würden wohl die meisten ohne mit der Wimper zu zucken antworten: San Francisco, Height/Ashbury. Tatsächlich waren es jedoch die 13th Floor Elevators aus dem texanischen Austin, die begonnen haben, Popmusik mit Drogenerfahrungen aller Art zu kreuzen und diesen Hybriden namens Psychedelic Rock heranzuzüchten, mit dem Bands wie die Grateful Dead, die Byrds oder Jefferson Airplane in den 1960ern auf diversen Hippiegatherings hausieren gingen. Die Elevators waren sogar die ersten, die ihre Musik als “psychedelisch” bezeichnet haben: Ihr erstes Album aus dem Jahr 1966 hieß “The Psychedelic Sounds Of The 13th Floor Elevators”.
Die Band schaffte es nur bis 1969, da ihre Bandleader, der geniale Roky Erickson, nach einer Verhaftung als psychisch krank (Diagnose: Schizophrenie) im Rusk State Mental Hospital wiederfand. Doch nach seiner Entlassung rappelte Roky sich wieder auf und erfand nebenbei mit dem Punk Rock ein neues Musikgenre. Über die Geschichte dieses Musikers hat Keven McAlester eine Dokumentation mit Titel “You’re Gonna Miss Me” gedreht. Hier der Trailer des Films sowie ein wundervoller Elevators-Song, der 1999 in der Cover-Version von Primal Scream eine Renaissance des Psychedelic Rock eingeleitet hat.
In Edward Elgars 2. Symphonie kommen keine schmutzigen Wörter vor; das sagt zumindest iTunes. Man kann diese Platte also getrost zu Weihnachten verschenken, ohne dass es dabei zum Eklat kommt wie beim letzten Mal. Mit diesem 50 Cent oder wie der nochmal geheißen hat.
Ab und zu muss man auch einmal dorthin gehen, wo es richtig weh tut. Heute: Rüdiger Hoffmann. Den meisten dürfte er als Koh-mi-dien bekannt sein, dessen Auftritte als Padaborner Langsamdenker (”Ja, haalloo erstmaal! Ich weiß gar nicht, ob Sie’s wussten”) zu jeder Best-of-Comedy-Gala gehören. Jetzt hat er eine Rock-Platte herausgebracht, wenn auch die lapidare Beschreibung auf Wikipedia das wahre Ausmaß des Grauens, das den Hörer hier erwartet, noch verbirgt:
Am 31. August 2007 brachte Hoffmann sein erstes rein musikalisches Album “Sex oder Liebe” auf den Markt. Neben normalen Pop-Songs besingt er auch härtere Rythmen. Der Song “Testosteron” ist an die Band “Rammstein” angelehnt.
Das Konzept ist immerhin fast schon mutig, denn die komisierenden, aber selten überzeugenden Texte Hoffmanns passen überhaupt nicht zu der einwandfrei à la Westernhagen produzierten völlig unironischen und absolut belanglosen Musik. Wer mit der Komik Otto Waalkes sozialisiert wurde, hat ein Grundprinzip auswendig gelernt: komisches Liedgut erkennt man in der Regel durch die betont stümperhafte oder gar fragmentarische musikalische Untermalung. “Sex oder Liebe” verabschiedet sich von diesem Prinzip und wirkt wie der Versuch, zwei Zielgruppen gleichzeitig zu bedienen: massenindustrialisierte Radiopophörer, die Lust auf ein paar erfrischend freche Deutschrocknummern haben (”eine gewöhnungsbedürftige, aber durchaus gelungene Mischung“) sowie juvenile Comedy-Fans, die alle Songtexte auswendig lernen werden, um sie auf dem Schulhof zum Besten zu geben. Ob das funktionieren wird, ist noch nicht abzusehen, aber ich befürchte es.
Eines der Probleme mit dem Read/Write-Web a.k.a. Web 2.0 ist, dass es keine ausgefeilten Schreibberechtigungen gibt: jeder darf seine Erzeugnisse hochladen. Dann kommt auch schon einmal ein Video heraus wie diese detaillierte fast vierminütige Analyse von Britney Spears’ Tanzschritten auf den MTV Video Music Awards, die hieb- und stichfest beweisen will, dass ein gebrochener Absatz der Grund ihrer schlechten Show gewesen war (via). Und dann gibt es im Web 2.0 auch noch Leute wie mich, die sich so einen Schmarrn von Anfang bis Ende ansehen.