Keine 50 Cent wert (50 Cent)
September 9th, 2007
Der “Chartbattle” ist eines der älteren Rituale der Musikindustrie. Zwei in der Masse der Musikhörer bekannte Musiker oder Bands treten gegeneinander an und veröffentlichen am selben Tag ihr neues Album. Gewonnen hat derjenige, der am meisten Exemplare verkaufen kann. Am Montag werden die beiden Hiphopper Kanye West und 50 Cent in den Ring steigen (in Deutschland ist dieses lächerliche Minidrama zum Glück schon am Freitag gelaufen), um es zwischen sich “auszumachen”. Letzterer hat sogar damit gedroht, seine Karriere zu beenden, falls Herr West in den Verkaufszahlen vorne liegt. Wobei: es gibt sicher genügend Rechentricks, um diese Drohung nicht wahr machen zu müssen. Mitleid verdient allerdings, wer dieses Spektakel ernst nimmt oder gar mit dem Begriff “Ehre” atavistisch aufzuladen versucht.
Doch nun zu dem was zählt: zur Musik. 50 Cents drittes Album “Curtis” (hier kann man einmal hineinhören) wirkt wie der verzeifelte (und damit nicht mehr witzige) Versuch, seine alten Erfolgsthemen noch einmal in den Mittelpunkt zu stellen: Waffen, Frauen und Geld. Obwohl mit Justin Timberlake, Timbaland, Mary J. Blige oder Eminem zahlreiche prominente Gastmusiker mit dabei sind (was daran ein Zeichen von Erweiterung des Horizonts sein soll, bleibt mir unerklärlich), steckt nicht mehr in diesem Album als eine klebrig-nostalgische Verklärung des Ghettothemas in einer banalen und eindimensionalen musikalischen Aufmachung. Vielleicht lag dem Album sogar noch die Hoffnung zugrunde, dem dramatisch an Bedeutung verlierenden Gangstarismus noch einmal eine neue Wendung oder vielleicht auch nur ein paar neue Hooks zu verpassen - an dieser Aufgabe ist der Multimillionär Curtis James Jackson III jedoch ziemlich eindrucksvoll gescheitert (merke: es überleben natürlich nicht immer nur die Guten). Man kann das höflich formulieren wie Herr Merkt: “Man müsste lügen, wenn man leugnen wollte, dass hierbei einige amtliche Stücke heraussprangen, aber gemessen an den Ansprüchen, die nicht zuletzt “Curtis” selbst an seiner Musik weckt, ist das einfach zu wenig.” Man kann aber auch einfach feststellen, dass man die Erwartungen für das nächste 50 Cent-Album getrost ein in den Boden rammen darf, wenn man überhaupt noch darauf warten sollte.
Tracklisting “Curtis”:
- Intro
- My Gun
- Man Down
- I’ll Still Kill
- I Get Money
- Come & Go
- Ayo Technology
- Follow My Lead
- Movin’ on Up
- Straight to the Bank
- Amusement Park
- Fully Loaded Clip
- Peep Show
- Fire
- All of Me
- Curtis 187
- Touch the Sky
Entry Filed under: newyork, rap, hiphop, plattenindustrie, 00s, neuerscheinung



9 Kommentare Kommentieren
1. Herr Merkt | September 9th, 2007 at 11:41 pm
Es ehrt mich sehr, dass sie mich in Ihrem Artikel zitieren!
Nicht nur deshalb kann ich Ihrer Kritik voll und ganz zustimmen!
2. Johannes | September 9th, 2007 at 11:50 pm
Ich stimme auch vollkommen zu, aber frage mich: Warum erst auf beide eingehen, und dann nur eins der Alben in Grund und Boden stampfen? Kriegt das andere auch noch sein Fett weg?
Sorry, ich hab “leicht” reden… in den nächsten 3 Wochen 4 entscheidende Prüfungen, das ist doch eine gute Ausrede nicht selbst Rezensionen zu schreiben, sondern nur mal welche bei anderen zu lesen
Danke für den
FischPingback!3. Herr Merkt | September 9th, 2007 at 11:59 pm
Ich will keine Werbung machen, aber in meinem Blog werden beide Alben rezensiert.
Du darfst gerne vorbeischauen!
4. benedikt | September 10th, 2007 at 12:54 am
Kanye kommt auch noch. Aber nicht mehr heute. Ich muss mich da noch ein bisschen hineinhören.
5. Johannes | September 10th, 2007 at 2:09 pm
Aber Herr Merkt, ich habe dich natürlich längst abonniert & gelesen. Hätte dich auch schon lange gebacklinked in meinem Eintrag dazu, komme allerdings grad aus der 180-minütigen Klausur und komm erst heut abend heim
6. Vielohrsophen » Blo&hellip | September 10th, 2007 at 4:53 pm
[…] Plattenkritik im POPLOG Ring frei: Kanye oder 50 Cent? […]
7. Reifeprüfung (Kanye West&hellip | September 11th, 2007 at 11:34 am
[…] nun der zweite Teil des Hiphop-Doppels, das an dieser Stelle begonnen hatte. Nach dem misslungenen Werk von 50 Cent geht es jetzt um Kanye Wests drittes […]
8. Safer Listening (Edward E&hellip | September 14th, 2007 at 5:38 pm
[…] zu Weihnachten verschenken, ohne dass es dabei zum Eklat kommt wie beim letzten Mal. Mit diesem 50 Cent oder wie der nochmal geheißen […]
9. LB | October 15th, 2007 at 11:49 am
Sehr guter Artikel - konnte man gut lesen!
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