Mariah ohne Mariah (Will Oldham, Mariah Carey)
August 11th, 2007
Will Oldham, auch bekannt als Palace Brothers, Palace Songs, Palace Music und Bonnie ‘Prince’ Billy, ist vermutlich eine der schillerndsten Persönlichkeiten der amerikanischen alt-country-Szene. Er bezieht sich immer wieder auf Country und Folk, verarbeitet diese Einflüsse jedoch auf seine ganz eigene Art, deren Grundlage die scheinbar einfache und ehrliche, aber dennoch unberechenbare Ästhetik des Do-It-Yourself liefert, die jedoch selbst vor dem Hintergrund der Popindustrie stattfindet und insofern eine Ehrlichkeit inszeniert, die immer schon Reaktion und Gegenentwurf ist. Mittlerweile hat er bereits zehn Alben aufgenommen, einer seiner Songs wurde von Johnny Cash gespielt, Björk zählt zu seinen Fans und vor kurzem ist Oldham sogar, man rätselt immer noch, wie es dazu kam, in dem Video zu “Can’t Tell Me Nothing” von Kanye West aufgetreten (für ein unterhaltsames Interview mit Oldham vgl. diesen Beitrag).
Jetzt hat er unter dem Namen Bonnie ‘Prince’ Billy an die Aufgabe gewagt, “Can’t Take That Away” von Mariah Carey in einer schlicht-elektronischen Karaokeversion zu covern (mp3 gibt’s hier, hier oder hier). Je öfter ich den Song anhöre, desto stärker habe ich das Gefühl, dass es absolut stimmig ist, was Oldham hier durchzieht. Mit dünner Stimme, Drumcomputerbeats, Pizzicatostreichern aus dem Synth gegen die Stimmgewalt und geballte Marketingmaschine einer Mariah Carey anzutreten (unterstützt durch Studioflügel und Symphonieorchester) - eine herrliche Idee. Aber zugleich erweist er Mariah Carey damit auch noch einen Dienst, indem er demonstriert, dass in der von ihr (mit-)geschriebenen Schnulze, wenn man sie bis auf die wesentlichen Bestandteile entkleidet, ein wunderbarer Song steckt. Und dass kann ihr tatsächlich niemand wegnehmen.
Entry Filed under: country, experimental, cover, pop, folk, 00s, indie, usa



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