Gar nicht so lange her (30 Jahre), dass das EhepaarCharles und Ray Eames ihre Dokumentation “Powers of Ten” abgedreht haben, um einen Eindruck von den Dimensionen des Universums und Mikroversums zu geben. Heute geht das zumindest in die eine Richtung auf dem heimischen PC mit GoogleEarth. Ich will dann aber bitte bald auch so etwas wie GoogleAtoms haben.
Im Herbst (genauer: am 9. Oktober) ist es soweit: “The Flying Club Cup”, das gerade in der Blogosphäre heiß ersehnte Nachfolgealbum zu “Gulag Orkester” wird an diesem Tag veröffentlicht. Wem es zum Jubeln noch nicht reicht, dass Zach Condon auf dieses Album sogar einen 0. Track gepackt hat, der freut sich vielleicht darüber, dass Beirut bei diesem Livekonzert auch zwei Nummern aus dem neuen Album präsentiert haben (”Nantes” und “The Penalty”).
Tracklist:
00 A Call to Arms
01 Nantes
02 A Sunday Smile
03 Guaymas Sonora
04 La Banlieu
05 Cliquot
06 The Penalty
07 Forks and Knives (La Fête)
08 In the Mausoleum
09 Un Dernier Verre (Pour la Route)
10 Cherbourg
11 St. Apollonia
12 The Flying Club Cup
Irgendwie muss ich bei dem Albumtitel an den verbreiteten Elternspruch denken: “In deinem Zimmer sieht es aus, als ob dort eine Bombe eingeschlagen hätte”. Ob die Stars “In Our Bedroom After The War“, den Titel ihres lang erwarteten nächsten Studioalbums (25. September) so verstanden wissen wollen, weiß ich nicht, aber es ist doch eine große Freude, endlich etwas mehr über diese kanadische Lieblingsband zu erfahren. Gerade auch nachdem die letzte Veröffentlichung, die unter ihren Namen gelaufen ist - “Do You Trust Your Friends?” - eher eine durchwachsene Sache gewesen ist. Und Arts & Craft verstehen es, die Freude auf dieses Album noch dadurch zu steigern, dass sie schon einmal den ersten Track davon (”The Night Starts Here”) als Download anbieten.
Track Listing:
The Beginning After The End
The Night Starts Here
Take Me To The Riot
My Favourite Book
Midnight Coward
The Ghost Of Genova Heights
Personal
Barricade
Window Bird
Bitches In Tokyo
Life 2: The Unhappy Ending
Today Will Be Better, I Swear!
In Our Bedroom After The War
Eigentlich ist es ganz einfach. Piano ist out. Wer so wirklich in sein will, macht es nicht unter einem präparierten Piano. Aber wer es richtig drauf hat, spielt heute Heizung. Diesem neuen Instrument und seinen verschiedenen Pfeif- und Rauschgeräuschen widmen sich Nicolai Stephan, Asmus Tietchens, Stefan Funck und Gregory Büttner auf der Platte “Heizung Raum 318″, die gerade bei 1000füssler veröffentlicht wurde. Auf der 1000füssler-mySpace-Seite gibts ein paar Klänge zum Probehören.
Tracklist:
1) Stefan Funck: version paris-dakar
2) Stefan Funck: version hare
3) Gregory Büttner: heiz
4) Asmus Tietchens: keine Wärme
5) Nicolai Stephan: ziehung
6) Stefan Funck: version vier häuser
7) Stefan Funck: version almöhi
8 ) sourcematerial / ausgangsmaterial
Wie klingt es, wenn man ein Klavier in ein “psychoakustisches Perkussionsorchester” verwandelt, respektive präpariert? Der australische Komponist und Pianist Anthony Pateras (Pateras/Baxter/Brown-Trio) hat dazu ein paar Ideen, in die man auf der Seite von sirr hineinhören kann. Beachtenswert und erschreckend.
Wessen Lust an Untergangsgeschichten mit Thomas Manns Buddenbrooks noch nicht vollständig gestillt wurde, der sollte einen Blick in diesen Rolling Stone-Artikel werfen, der den Untergang der Musikindustrie dokumentiert. Aber: keine Angst, sagt Thomas, denn: “ohne den décadent […] waren Menschheit und Gesellschaft seit diluvialen Zeiten keinen Schritt vorwärtsgekommen. Es ist die Lebensuntauglichkeit, welche das Leben steigert, denn sie ist dem Gast verbunden.”
So etwas erlebt man nicht jeden Tag. Die Geburt eines neuen Akronyms. Und dann noch so eines! TBTF, der Titel der Vorabsingle von Kevin Drews neuem Werk “Spirit If …” bezieht sich nämlich nicht auf den Kult-Internet-Newsletter “Tasty Bits from the Technology Front” und auch nicht auf das “Tampa Bay Technology Forum“, sondern ist eher als Kompliment an das weibliche (?) Geschlecht gedacht, heißt es doch im Chorus des Songs: “You are too beautiful to fuck”.
Ich überlege gerade, ob man in diesen Gedanken nicht am besten mit einem “Es war einmal” einsteigen sollte. Denn es ist ja bereits eine ganze Weile her, da die kritische Intelligenzia sich von dem Gedanken mitreißen ließ, dass in der Popkultur eine gewaltige subversive Kraft steckt. War es nicht Walter Mekler, der in den 60ern davon schrieb, dass “der Name Rolling Stones genügte, um saubere, kurzhaarige und hochgeistige Leute auf die Barrikaden zu bringen und Steine auf die ungewaschenen, langhaarigen und schwachsinnigen ‘Stones’ zu werfen”? Wenn das nicht eine märchenhafte Subversion darstellt: die settled und hochgeistigen Vertreter der Kultur als Revolutionäre! Ein zu schöner Gedanke. Oder Andreas Neumeister, der diesen Gedanken in die Gegenwart transportierte und sich wünschte: “Im Idealfall ist Pop populär und subversiv zugleich ist”. Nun zur Sache. Was ist populärere Popkultur als Walt Disney? Und: gibt es zur Zeit ein heißeres kritisches Thema als die Diskussion um Urheberrecht oder Creative Commons im Internetzeitalter? Wenn man diese beiden Themen in einen Strang fest zusammenbindet, also Walt Disney und die Urheberrechtsdebatte, dann wäre das bester Pop im Sinne Meklers und Neumeisters. Eric Faden hat genau das in seinem Zehnminüter “A Fair(y) Use Tale” im Sinn gehabt. Das Ergebnis ist eine höchst kurzweilige Montage aus Disney-Zitaten, denen auf diese Weise ein völlig neuer, subversiver Sinn zugewiesen wird. Damit also Vorhang auf für Cinderella und Donald Duck in ihrer neuen Rolle als Guerillakämpfer für die Urheberrechtsbefreiung:
Sehr schöne Idee, diese Konzerte zum Mitnehmen (concerts à emporter) der Blogotheque. In der 10. Ausgabe waren die New Yorker GrizzlyBear dran, die durch die Straßen von Paris bummelten und währenddessen Lieder wie “The Knife” zum besten gaben. Das sah dann so aus (Band + The Knife + Straßen von Paris):
Und nun zum zweiten Teil des Experiments. Man nehme wieder die grundlegende Konfiguration, Band (diesmal allerdings Beirut statt den Grizzly Bears) + The Knife + Straßen von Paris, füge aber die ein oder andere Flasche Wein dazu. Das sieht dann so aus. Der Unterschied ist klar erkennbar, stimmts?
Ich stehe zwar nicht in Julies Klassenbuch, bin aber gerade zufällig über ein wunderbares Mashup-Album gestolpert, das immerhin einen Posttitel mit dem Wort “Raketenabwehr” abgibt. Das nur vorneweg. Denn die 22 herunterladbaren Tracks auf “Sounds For The Space-Set!!” der Robotic Intergalactic Astro-Artists (RIAA) haben es wirklich in sich. Absolut würdige Kandidaten für die Inklusion in sämtliche Hitlisten der IncrediblyStrangeMusic.