Endlich merkt auch der Großraum München einmal wieder, dass das Prinzip Sonne immer noch ab und zu funktioniert. Zur Feier dieser Wetterverbesserung im Folgenden das Video zu “Little Fluffy Clouds” von The Orbs Album “The Orb’s Adventures Beyond the Ultraworld”. Darin erzählt uns die angenehm verschnupfte Ricky Lee Jones einiges über die Wolkenfarben und -formen des Arizoner Himmels. Die Verwendung verschiedenster Samples wie das erwähnte Jones-Interview, aber auch die Mundharmonika von “The Man With The Harmonica” aus dem “Once Upon a Time in the West”-Soundtrack von Ennio Morricone sowie ein paar Ausschnitte aus Steve Reichs “Electric Counterpoint” ermöglichten Alex Paterson und Martin Glover hier 1990 einen Track zu schaffen, der sich als wegweisend für das junge Subgenre des tanzbaren Ambient-Techno erweisen würde.
Man kann auch ohne Kühlschrank leben. Meint zumindest Intelligent Life, die ansprechende neue Zeitschrift aus der Economist-Familie. Aber Vorsicht: “My mother tells me that I smell, my hair looks crap and I’ll never get a boyfriend.” Eines der letzten großen Abenteuer der urbanen Zivilisation?
Der “Chartbattle” ist eines der älteren Rituale der Musikindustrie. Zwei in der Masse der Musikhörer bekannte Musiker oder Bands treten gegeneinander an und veröffentlichen am selben Tag ihr neues Album. Gewonnen hat derjenige, der am meisten Exemplare verkaufen kann. Am Montag werden die beiden Hiphopper Kanye West und 50 Cent in den Ring steigen (in Deutschland ist dieses lächerliche Minidrama zum Glück schon am Freitag gelaufen), um es zwischen sich “auszumachen”. Letzterer hat sogar damit gedroht, seine Karriere zu beenden, falls Herr West in den Verkaufszahlen vorne liegt. Wobei: es gibt sicher genügend Rechentricks, um diese Drohung nicht wahr machen zu müssen. Mitleid verdient allerdings, wer dieses Spektakel ernst nimmt oder gar mit dem Begriff “Ehre” atavistisch aufzuladen versucht.
Doch nun zu dem was zählt: zur Musik. 50 Cents drittes Album “Curtis” (hier kann man einmal hineinhören) wirkt wie der verzeifelte (und damit nicht mehr witzige) Versuch, seine alten Erfolgsthemen noch einmal in den Mittelpunkt zu stellen: Waffen, Frauen und Geld. Obwohl mit Justin Timberlake, Timbaland, Mary J. Blige oder Eminem zahlreiche prominente Gastmusiker mit dabei sind (was daran ein Zeichen von Erweiterung des Horizonts sein soll, bleibt mir unerklärlich), steckt nicht mehr in diesem Album als eine klebrig-nostalgische Verklärung des Ghettothemas in einer banalen und eindimensionalen musikalischen Aufmachung. Vielleicht lag dem Album sogar noch die Hoffnung zugrunde, dem dramatisch an Bedeutung verlierenden Gangstarismus noch einmal eine neue Wendung oder vielleicht auch nur ein paar neue Hooks zu verpassen - an dieser Aufgabe ist der Multimillionär Curtis James Jackson III jedoch ziemlich eindrucksvoll gescheitert (merke: es überleben natürlich nicht immer nur die Guten). Man kann das höflich formulieren wie Herr Merkt: “Man müsste lügen, wenn man leugnen wollte, dass hierbei einige amtliche Stücke heraussprangen, aber gemessen an den Ansprüchen, die nicht zuletzt “Curtis” selbst an seiner Musik weckt, ist das einfach zu wenig.” Man kann aber auch einfach feststellen, dass man die Erwartungen für das nächste 50 Cent-Album getrost ein in den Boden rammen darf, wenn man überhaupt noch darauf warten sollte.
Robert Basic hatte zum Treffen gerufen, Marc war für die Auswahl der Location zuständig und so kam es dann zustande, das erste Münchener Bloggertreffen. Auch mir ging es so wie Robert, dass ich in den knapp vier Stunden mit sehr viel weniger Bloggern und Gründern ins Gespräch gekommen bin als ich mir das eigentlich gewünscht hätte. Aber dennoch konnte ich einige wichtige Erkenntnisse mitnehmen: auf der huettenhilfe-Seite gibt es angeblich ein sehr gutes Rezept für einen Bohnensalat, die Blogosphäre ist entgegen anderer Beobachtungen zumindest in München männlich, ein großer Teil der Blogger sind tatsächlich Technik-Geeks und lassen für ein Nokia N800 alles stehen und liegen und man kann Blogs mittlerweile schon zum Geburtstag geschenkt bekommen. Ein paar spannende Anregungen für die Weiterentwicklung der metaroll konnte ich auch mit nach Hause nehmen. Jedenfalls scheint es Konsens zu sein, dass so eine Veranstaltung wiederholt werden muss.
Ihr habt das POPLOG-Wunschkonzert gewählt und mich dazu verdonnert, mich mit The Hoff auseinanderzusetzen. Ich will dabei gar kein Wort über Hasselhoffs Privatleben verlieren, über das sich die Blogosphäre immer wieder gerne unterhält. Auch seineFernsehserien sind hier nicht Thema. Mir geht es im Folgenden allein um seine musikalischenkünstlerischen Äußerungen.
Eigentlich ist es menschlich absolut zu verstehen. Fast jeder Junge (wie sieht’s in dieser Beziehung eigentlich mit den Mädchen aus?) hat eine Phase in seinem Leben, in der er davon träumt, als Geheimagent in einem Luxuswagen von einem exotischen Schauplatz zum nächsten zu eilen und eine Frau nach der anderen zu verführen. Der gute alte James Bond-Komplex. Irgendwann kommt dann aber der Moment, in dem einem klar wird, dass diese Berufsbeschreibung mit der Realität eines Verwaltungsangestellten im Nachrichtendienst nur wenig zu tun hat (vgl. den Bildband von Andreas Magdanz). Das falsche Bild ist eine Illusion, die von der Unterhaltungsindustrie zu Unterhaltungszwecken produziert wurde, was sonst. Wenn man nun aber selbst so sehr in die Unterhaltungsindustrie verstrickt ist, dass man gar keine Distanz mehr zu ihr besitzt, kann es dazu kommen, dass dieser helle Moment verpasst wird. Das zumindest waren meine ersten Gedanken, als ich mir gerade das Video zu David Hasselhoffs Comeback “Secret Agent Man” (2006) angesehen habe.
Schon die ersten Sekunden des Videos sind eine Aufzählung aller gängigen Klischees des Genres Agenten-Film: Fadenkreuze, psychedelische Farbenspiele, Licht/Schatten-Motive, Frauenumrisse mit Revolvern, Hasselhoff in Anzug, Durchladen einer Waffe, Flammen, nackte Frauenbeine, Fernglas, Gadgets (Uhr mit grünem Strahlenirgendwas), prüde angedeutete Sexualkontakte und die Fahrt auf einem Motorrad. Dazu eine Intromusik, die sich deutlich (oder schamlos) von dem James-Bond-Theme inspirieren ließ. Nach diesem spektakulären sinnfreien Symbolreigen fängt Hasselhoff vor blauschwarzem Hintergrund dann an zu singen: “There’s a man who leeeeeaves a life of tanger” (so klingt es zumindest). Nur eine Verbalisierung der einführenden Bildsymbolik? Oder lässt sich in dieser ausdrücklichen Ultramaskulinität ein Ansatzpunkt für die Kritik des offensichtlich maskulinen Bias des Genres finden? Ich lasse diese Frage einmal offen. Jedenfalls macht Hasselhoffs Artikulation deutlich, dass es hier nicht nur um die gewöhnliche Gefahr (”danger”) geht, der man sich mit jeder Straßenüberquerung aussetzt, sondern um eine existentielle GEFAHR in Großbuchstaben, die so hart ist, dass der stimmhafte alveolare Plosivlaut “d” nicht mehr ausreicht, sondern zum stimmlosen interdentalen “tanger” werden muss.
Der Text beginnt zwar in einer fast schon feierlichen Würdigung des Agentenlebens, nimmt aber schnell deutliche kulturkritische Töne an. Zunehmend wird die Vereinzelung des Agenten angesprochen (”to everyone he meets, he stays a stranger”), die ständig presente Todesnähe, im Chorus dann das in der literarischen Romantik äußerst beliebte Thema des Namensverlusts (vgl. zu diesem Thema auch: Christian Davidowski: “Die Musilsche Moderne als literarisches Feld. Ursprungssuche und Namensverlust im epischen Frühwerk”, in: Béhar, Pierre / Roth, Marie-Louise (Hgg.): Musil an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Internationales Kolloquium – Saarbrücken 2001, Frankfurt a.M.: Lang 2005, S. 139-152) sowie das direkt auf die Frankfurter Schule zurückzuführende Motiv der Reduktion auf eine Nummer (”they’ve given you a number and taken away your name”). Letztere Halbzeile wird dann sogar noch einmal gesprochen wiederholt, um die Wichtigkeit der Aussage zu unterstreichen.
Doch im Verhältnis von Text und Gestik liegt ein Bruch. Im Unterschied zu der modernistischen Evokation des kalten und in doppelter Weise menschenfeindlichen Agentenlebens beschwört Hasselhoff insbesondere mit seinen an fernöstliche Mudras gemahnenden Handbewegungen eine noch verborgene geistige Welt, die jenseits der notwendigen Oberflächlichkeit (vgl. hierzu auch den in seiner Bedeutung für das Thema immer noch unterschätzten und nur mehr antiquarisch zu beschaffenden Roman “Loyalties” von Raymond Williams) des Agenten liegt. Die fernöstlichen Mudras (dt. “Siegel”) dienen aber nicht nur den bereits aus der lateinischen Wortursprung von sigillum (dt. “Bildchen”) ableitbaren praktisch-kommunikativen Zwecken der symbolischen Darstellung von Geistesbewegungen (oder -nichtbewegungen), sondern drücken mit der Doppelbedeutung des “Siegels” zugleich das Abgeschlossen-und-nicht-mehr-einsehbar-Sein des yogisch-tantrischen Körpers aus und außerdem die gleichzeitig standfindende Kommunikation mit einem Höheren (auch unser Briefsiegel schließt ab und verbindet im gleichen Moment).
Doch welche Mudra zeigt Hasselhoff hier mit seiner linken Hand? Interessanterweise ist es gerade die “Benennungsgeste” (karana), die von einer relativ horizontal gehaltenen Hand mit mehr oder weniger ausgestreckten Zeige- und kleinem Finger (den beiden “Yak-Hörner”) ausgeführt wird. Dieser ausgeklügelten Verschränkung von Bild- und Textebene muss an dieser Stelle Bewunderung ausgesprochen werden, insbesondere, da die nur mit einigem Geheimwissen zu entschlüsselnde mudrische Kommunikation den kryptographischen Kommunikationsbeziehungen des Agenten sehr ähnelt. Hasselhoff steht hier nicht nur als Agentenimpersonator vor uns, sondern gleichzeitig als dessen reflexive Instanz, die das grundlegende Dilemma des Agenten klar benennt und zumindest auf symbolischer Ebene mit einer alten tibetischen Mudra zu beheben versucht.
In einem nächsten Schritt verwandelt sich jedoch die Handhaltung und geht über in eine Geste, die nur oberflächlich der Victory-Geste ähnelt. Tatsächlich handelt es sich hier um die von Papst Innozenz III (1198-1216) vorgeschriebene christliche Geste der Segensgewährung, wie sie auch in zahlreichen Christusdarstellungen aus dem 12.-15. Jahrhundert zu entdecken ist (vgl. dazu auch die aufschlussreiche Handreichung “Die liturgische Körpersprache: Gebärden, Gesten und Bewegung”). Aus dieser Handhaltung spricht wieder ganz klar der reflexive Hasselhoff, der sich in eine Schutzmacht des Agenten verwandelt und versucht, ihm (also: sich selbst) in seiner existentiellen Lebensbedrohung Trost auszusprechen. Natürlich verweisen die drei ausgestreckten Finger auf nichts anderes als auf die Dreifaltigkeit. In diesem Kontext besonders spannend sind jedoch die beiden gebogenen Finger, die auf die menschliche und göttliche Natur Christi verweisen - auch hier also ein Bezug auf die für Mudras allgemein typische Dialektik von Abschließung und Öffnung. Dazu passt hervorragend der gesungene Text “a pretty face can hide an evil mii-hind”, der nicht nur auf die existentielle Kategorie des Bösen rekurriert, sondern auch die Problematik der wahren Erkenntnis kurz aber prägnant formuliert.
Eine erste Visualisierung des Longtail-Effekts, der auch in der metaroll zum Tragen kommt:
Jetzt gilt es, eine Technik zu entwickeln, die aus diesem langen Schwanz - 1234 von 1574 Weblogs tauchen nur in einer einzigen Blogroll auf - die Geheimtipps herausfiltert.
Musik als Produktivitätsboost? Academic Productivity glaubt an diese Idee und vergleicht drei bekannte Musikempfehlungsdienste hinsichtlich ihrer Möglichkeiten, den Hörer von Entscheidungen zu entlasten (und damit die Sozialform des DJs überflüssig zu machen):
Well, background music prevents me from getting bored and drift into distractions. Music may shield you from noises and attention-grabbing events logo-glass-blue-home around you. I think music helps me reaching flow when writing/programming.
Näher betrachtet werden last.fm, Pandora sowie der noch nicht ganz so breit bekannte (und bislang nicht ausreichend dokumentierte) Dienst MusicIP, der als “Testsieger” aus dem Vergleich hervorgeht, da sich mit dessen Hilfe die eigene mp3-Sammlung erfassen lässt und per Mausclick interessante (und einigermaßen intelligente) Playlists erstellen lassen.
Zeit für etwas user generated content im POPLOG. Sagt mir doch bitte bis heute Mitternacht, zu welchem dieser drei Themen, die ich trotz ihrer grundlegenden Bedeutung für die Popmusik bislang sträflich vernachlässigt habe, ich etwas schreiben soll (ja, es ist ein shameless ripoff von Nilzens Themenfreitag, aber was wäre Pop ohne Ripoffs, Mashups, Samples, Zitate):
The Hoff
Bumms
Poser
Morgen gibt es dann eine mehr oder weniger ausführliche illustrierte Ausführung zu dem gewählten Thema.
Langsam kommt die metaroll ins Rollen (versprochen, das war das erste und letzte Mal, dass ich dieses Wortspiel verwende). Mittlerweile sind 26 Blogrolls ausgewertet und es lassen sich bereits erste Trends erkennen:
Die Blogrolls sind zu einem großen Teil auf die deutschsprachige Blogosphäre ausgerichtet. Unter den Top 100 sind aktuell nur deutschsprachige Weblogs.
Auch diese Metablogroll ist ein long tail-Phänomen. In den 26 Blogrolls befinden sich insgesamt 945 Weblogs, der größe re Teil davon wird nur einmal erwähnt.
Die metaroll ist (so sieht es momentan aus) keine bloße Kopie der deutschen Blogcharts. So sind mit argh!, Textspeier und Franziskript drei Blogs in den Top Ten, die nicht unter die 100 ersten Ränge der Deutschen Blogcharts gehören. Anscheinend wird die Blogrollverlinkung durch andere Muster bestimmt als die Verlinkung von einzelnen Beiträgen.
In den nächsten Tagen will ich die folgenden Dinge an der metaroll verbessern:
Die blogrollenden Blogs sind standardmäßig ausgeblendet und können mit einem Mausklick angezeigt werden.
Interessant erscheint mir die Möglichkeit, aus den momentan 945 Blogs ein Zufallsblog aufzurufen.
Möglich wäre auch die Anzeige der einzelnen Blogrolls.
Verbesserung der teilautomatisierten Blogroll-Erfassung.
Anzeige der Technorati-Authority der einzelnen Blogs.
Designverbesserung für die metaroll als Standalone-Seite
Dann gibt es auch noch eine Menge Platz für Spielereien: Anzeigen einer Netzwerkkarte der Blogs, Berechnung der Ähnlichkeit von Weblogs, Beschränkung der Anzeige auf A-Blogs u.s.w.
Fällt euch noch etwas ein? Ich freue mich über Anregungen.
UPDATE: Ich habe das Design etwas aufgehübscht, die Seite als Standalone gebaut und die Domain metaroll.de ist auch schon registriert. Und das AJAXige Eintragungsformular für die eigene URL steht auch schon. Es kann also losgehen!
Johannes Boie hat nachgelegt (siehe auchhier) und in den “Netzdepeschen” der Süddeutschen Zeitung wieder einmal die Blogger madig gemacht. Kurz: Blogger sind dann okay, wenn sie in anderen Medien etwas machen (zum Beispiel Niggemeier und Schulteis in der Werbung), ansonsten geht alles den Bach runter: Blogscout wurde geschlossen, Don Alphonso ist genervt und Mister-250-Blogs-im-Feedreader Don Dahlmann macht Pause. Die Diagnose ist für Boie damit klar: “die deutsche Blog-Szene liege in dauerhaften Clinch und deutsche Blogger blieben im Vergleich zu ihren amerikanischen Kollegen zurück”. Komisch nur, dass er sich selbst hier in der indirekten Rede zitiert und auch nicht erwähnt, dass er selbst der Autor “eines Artikels aus dieser Zeitung” gewesen ist. Immerhin muss man sagen, dass Boies Untergangsbeschreibungen fast so aktuell sind wie die Meldungen der Blogger selbst. Aber warum kauft er sich dann nicht einfach ein Blog?
Vinod Menon, Associated Professor an der Stanford Medical School hat herausgefunden, dass Musikhören besondere Gehirnaktivitäten auslöst (Abstract des Artikels in Neuron). Wobei: eigentlich ist es nicht die Musik, sondern die Pausen und Übergänge zwischen verschiedenen Sätzen, Stücken etc. Wenn ein Musiksegment endet, setzt das ventrale fronto-temporale Netzwerk ein, dann übernimmt das dorsale fronto-parietale Netzwerk und feuert bis die Musik endlich weitergeht. Auch enttäuschte musikalische Erwartungen - zum Beispiel durch einen dissonanten Akkord - lösen ähnliche Muster aus. Da kann man sich doch glatt einmal mit Jim DeRogatis und Greg Kot fragen, ob man nicht mehr Punkmusik hören müsste bis die Neuronen nach Luft schnappen, besonders die überaus dreckigen Einminüter, um etwas gegen die allmähliche Vergreisung zu unternehmen?